"Ritter Rost" wird 25: Felix Janosa über die beliebte Kinderbuchreihe

Interview der Woche : „Es ist ein musikpädagogisches Konzept“

„Ritter Rost“ feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag. Felix Janosa ist Komponist und Co-Autor der einzigartigen Kinderbuchreihe. Im Interview verrät er, was „Ritter Rost“ so besonders macht und welches Projekt als nächstes ansteht.

Die Kinderbuchreihe „Ritter Rost“ hat vor 25 Jahren mit einer Neuheit die Buchläden erobert. Der multimediale Ansatz aus Text, Illustration und Musik kam bei Jung und Alt gleichermaßen an. Felix Janosa ist Komponist und hat gemeinsam mit Jörg Hilbert so eine einzigartige Kombination erschaffen. Im Interview mit Caroline Niehus erzählt Janosa, warum die Autoren Spaß beim Schreiben haben müssen, wieso die Simpsons ihr großes Vorbild sind und welches neue Projekt als nächstes ansteht.

Wie haben Sie reagiert, als Jörg Hilbert Ihnen das erste Mal „Ritter Rost“ präsentiert hat?

Felix Janosa: „Ritter Rost“ war zuerst ein kleines Bilderbuch von Jörg Hilbert. Ich habe dann gesagt: Ich glaube es wäre gut, wenn man dazu Musik machen würde. So ist es gekommen. Dann sind wir zwei Jahre rumgelaufen mit der Idee, eine Kombination aus Zeichnung, Text, Erzählung und Musik zu machen. Diese multimediale Kombination gab es im Jahr 1992 noch nicht in den Buchläden. Deswegen haben wir auch zwei Jahre gebraucht, bis wir einen kleinen Verlag in Regensburg gefunden hatten. Das hat sich dann durch Mundpropaganda verbreitet. Nach vier Bänden konnte dieser kleine Musikverlag damit nicht mehr umgehen, sie hatten zu kleine Auflagen gedruckt. Dann sind wir zum Terzio Verlag nach München gekommen. Mit dem fünften Band begann dann die Erfolgsgeschichte.

Haben Sie damit gerechnet, dass es so ein großer Erfolg wird und sogar Kinofilme und eine TV-Serie daraus entstehen?

Janosa: Nein, das Ganze war und ist ja immer noch ein musikpädagogisches Projekt. Die Idee dahinter ist, ein Familienbuch zu schaffen, das man mit nach Hause nimmt und mit dem Klavier oder der Gitarre die Noten spielt, die man sich auch auf der CD anhören kann. Diese Saat ist wirklich aufgegangen. Die Generation, die mit Ritter Rost groß geworden ist, die singt und spielt das heute immer noch. Dieses Multimediapaket hatte einen echten Aufforderungscharakter, sich selbst zu musikalisieren.

Ritter Rost ist der unperfekte Held der Kinderbuchreihe. Foto: Felix Janosa

Warum ist „Ritter Rost“ denn so beliebt?

Janosa: Das darf ich natürlich nicht beurteilen (lacht). Aber eine Vermutung meinerseits ist, dass unser Hauptziel immer war, Spaß zu haben. Wir als Autoren müssen sagen: Das ist musikalisch, das ist lustig, das ist so albern, da liegt jeder auf dem Boden. Das funktioniert immer noch, dass sich dieser Spaß überträgt. Es ist ein Familienprodukt, wir verbinden damit Humor für Kinder und Satire für Erwachsene. In jedem Band wird ein gesellschaftliches Thema satirisch angesprochen. Das ganz große Vorbild sind die Simpsons in Amerika.

Mittlerweile haben Sie fast zwei Millionen Exemplare verkauft. Was ist das für ein Gefühl, wenn man merkt, dass die eigenen Ideen so gut ankommen?

Janosa: Die meisten Exemplare haben wir in den 2000ern verkauft. Jetzt ist es ein bisschen zurückgegangen, weil auch das Medium CD in der Krise ist. Wir haben aber noch ein paar Hardcore-Fans, und das geht auch noch vier, fünf Jahre weiter. Zurückblickend muss ich sagen: Es ist toll, dass ich als Komponist mit dem „Ritter Rost“ so viel Geld verdienen kann, dass ich nicht unterrichten muss und mich voll dem Komponieren widmen kann. Zudem habe ich die Möglichkeit, Projekte nebenbei zu machen, die sich nicht unbedingt rechnen, weil ich sie durch „Ritter Rost“ mitfinanzieren kann.

Sie haben die CD angesprochen. Gibt es da Ideen für die Zukunft, wie man das ins digitale Zeitalter übertragen könnte?

Janosa: Ideen gibt es ganz, ganz viele von Verlagen und Dowloadplattformen. Es wird aber keine dabei sein, die uns als Komponisten und Produzenten noch ernährt. Es ist geplant, aber wir werden davon keinen Profit mehr haben. Denn es läuft auf Streaming und Downloading heraus und der durchschnittliche Benutzer ist nicht mehr bereit, viel Geld für Musik auszugeben. Die Zeit ist vorbei.

Sie haben schon vor 25 Jahren das doch eher ungewöhnliche Duo eines schwachen Ritters und eines starken Burgfräuleins kreiert. Was war der Gedanke dahinter?

Janosa: Ich bin nicht der Erfinder dieser Figuren, das war Jörg Hilbert. Es gibt aber mittlerweile genug Interpretationen und Forschungen an Universitäten, die sich mit dem Frauenbild bei Ritter Rost befassen. Wenn ich das zusammenfassen kann: Es ist eine ganz ungewöhnliche Patchwork-Familie, die wir da erschaffen haben, die so gar nicht den Klischees entspricht. Bö ist auch nicht das Brigitte-Klischee einer Powerfrau. Natürlich ist Bö die Starke, aber sie hat auch psychische Defizite. Ritter Rost ist sowieso neben der Spur, und Koks, der Drache, ist ein verzogenes Kind. Es ist eine moderne Familie, die immer wieder neue Aufregung verursacht. In dieser Hinsicht ist es ein modernes Produkt und folgt nicht den Klischees, die es vielleicht in anderen Kinderbüchern gibt.

Mitte September ist der neue Band „Ritter Rost und das Einhorn“ erschienen. Was ist die Entstehungsgeschichte?

Janosa: Wir hatten nicht vor, einen modischen Einhorn-Band zu machen. Das Ganze ist mit den vielen Tieren ja ähnlich wie die Arche-Noah-Geschichte und nimmt auch die Flüchtlingskatastrophe mit rein, aber in ein kindliches Bild verpackt. Alle Tiere flüchten auf die eiserne Burg, weil das Wasser immer weiter steigt. Das Einhorn spielt eine zentrale Rolle, aber es ist eben ein verhaltensgestörtes Einhorn. Es läuft immer rückwärts und wenn es mit dem Horn irgendwo reinläuft, dann explodiert es. Es ist eine Parodie auf die Klischees von Kinderspielzeug, von rosa Einhörnern. Durch das Cover darf man sich nicht täuschen lassen. Es ist wieder eine gehörige Portion Satire dabei.

Was gibt es noch für Pläne für die Zukunft?

Janosa: Es wird noch vier, fünf Bände geben. Aber der generelle Trend wird in Richtung größere Live-Aufführungen gehen – mit professionelleren Ensembles. Wir sind nämlich der Rekordhalter im Amateurbereich. Es gibt kein anderes Musical, was von Kindergärten, Grundschulen und Musikschulen so häufig aufgeführt wurde. Aber wir wollen in Zukunft mit Kammerensembles und Sinfonieorchestern zusammenarbeiten, um Live-Projekte zu machen. Wir haben einen ganz neuen Plot für eine Familienoper geplant. Der Arbeitstitel lautet „Ritter Rost und der Sängerstreit“. Es geht weniger in das Format Buch mit CD als vielmehr in eine richtige Oper für Familien, aber eben im „Ritter-Rost“-Stil mit viel Humor. Wir möchten so Leute in die Oper locken, die vielleicht bisher Probleme damit hatten.

Sie wohnen in Gressenich, Ihre Frau arbeitet in Eschweiler. Was verbindet Sie mit der Region?

Janosa: Wir kommen beide aus dem Ruhrgebiet und stellen immer wieder mit großer Bewunderung fest, wie feierfreudig und karnevalswütig unsere lieben Eschweiler sind. Wir sind tolerante Westfalen, das ist hier schon was ganz Besonderes (lacht). Ich trete seit knapp zehn Jahren auch im Talbahnhof auf, einmal jährlich mit meinem Kabarett-Programm. Da merke ich ja, wie reaktionsfreudig und begeisterungsfähig der Rheinländer als Publikum ist. Das ist toll!

Mehr von Aachener Zeitung