"Ringo" gibt ein Konzert im Kulturzentrum

Konzert im Kulturzentrum : Parforceritt durch das musikalische Schaffenswerk der Beatles

Während ihr Namenspate gerade mit Jeff Bridges und Yoko Ono, John Lennons Witwe, das berühmte „Bed In“ für ein Kunstprojekt in New York wiederholt haben, zeichneten die Musiker der Aachener Band „Ringo“ für ein ganz anderes Happening verantwortlich und legten am Samstag einen Parforceritt durch das musikalische Schaffenswerk der „Fab Four“ aus Liverpool im Talbahnhof hin.

Ihr exzellenter Sound und perfektes Timing verschafften selbst den angestaubtesten Beatles-Evergreens einen frischen musikalischen Anstrich.

Sie drehen gerne mal auf, die Musiker der Beatles-Band „Ringo“, so zum Beispiel als sie vor ein paar Jahren am Aachener Markt das legendäre „Rooftop Concert“, welches ihre musikalischen Vorbilder vor fast einem halben Jahrzehnt in London veranstaltet hatten, nachspielen wollten. Das Ordnungsamt verhinderte die komplette Setlist, doch schon nach wenigen Klängen versammelte sich eine Menschenmenge auf dem Kopfsteinpflaster und lauschte dem eindringlichen Spiel, das sich einige Etagen höher entfalten sollte.

Diese Magie, Songs echt wirken zu lassen, im Hier und Jetzt angekommen und eben nicht replizierend ergraut, darf „Ringo“ sein Eigen nennen. Während die Band um Sänger und Gitarrist Markus Sander zu Beginn ihrer Karriere eher die progressiven Stücke bevorzugte, hat sie sich mittlerweile wohl ihrem Publikum angepasst, das natürlich „She loves you“ und „Hey Jude“ hören möchte. So erlebte das Talbahnhof-Publikum beim nachgezogenen Gig, der aus Krankheitsgründen im März abgesagt werden musste, Beatles at it’s best. „Help“, „Please please me“, „All my loving“, „Can´t buy me love“, „Ticket to ride“ – kaum ein Ohrwurm wurde vermisst, eigentlich schien nur die „Yellow submarine“ zu fehlen. Doch dankenswerterweise erlauben sich „Ringo“ ab und an doch den Griff in die progressive Songkiste und schmetterten „Helter Skelter“ mit mindestens so viel Verve wie sie „Don’t let me down“ eine Tiefe verpassten, die diesem Song nicht nur sprichwörtlich zusteht, letztere vor allem durch das virtuose Pianospiel von Matthias Brede, der mehr als nur eine Krankheitsvertretung für Jonas Lorenz ist.

Wer an diesem Samstagabend Marc Aretz (Gitarre), Chris Beyer (Bass), Andy Reinard (Drums), Matthias Brede (Keyboard) und Markus Sander (Gesang und Gitarre) zuhörte und zuschaute, der verstand, weshalb die Faszination der Songs der für manche Musikliebhaber größten Band aller Zeiten auch 50 Jahre nach ihrer Trennung anhält: es ist die bis heute revolutionäre Songkonstruktion, es sind die smarten Verknüpfungen zwischen den Musikgenres, die Beatles-Songs Generationen von Musikern inspirieren. Insofern ist es natürlich auch eine ungemein große Herausforderung, wenn eine Band wie „Ringo“ sich nicht mit der Wiedergabe einer Abfolge von meistens drei Akkorden zufrieden gibt, sondern an das Original aus den Abbey-Road-Studios herankommen möchte, bei vielen Hits aber eben ohne Orchester, Samples oder anderen technischen Loops, sondern live.

Das Hochamt der Beatles-Messe am Samstagabend sollte dann George Harrisons „While my guitar gently weeps“ sein, dem Marc Aretz an der Leadgitarre wahrhaftig jene melancholische Stimmung schenkte, die es zum Welthit gemacht hat. Selten, aber ab und zu erlaubten sich die fünf Musiker ein wenig Interpretation der vorgebrachten Stücke, die aber sicher ganz im Sinne von John, Paul, George und Ringo gewesen wären. So erfuhr der Blues „I want you (She’s so heavy)“ einen Tritt auf das Gaspedal und somit eine unglaubliche Dynamik. Ein Umstand, dem die Band sicherlich auch bereits ihren Auftritt im legendären Liverpooler „Cavern Club“ zu verdanken hat.

„Twist and shout“, „I saw her standing there“, es durfte im Talbahnhof auch durchaus getanzt werden, bevor „Ringo“ nach zwei atemlosen Konzertstunden, denen sicherlich ein wenig Entschleunigung zwischen den einzelnen Songs gut zu Gesicht gestanden hätten, ganz ruhig zum Ende kam. Dies allerdings mit dem einzigen Nicht-Beatles-Song des Abends, mit John Lennons „Imagine“.

(vr)