Nach rüder Absage: Riesige Solidaritätswelle für Abiturienten

Nach rüder Absage : Riesige Solidaritätswelle für Abiturienten

Zunächst mussten sie sich als zukünftige Hartz-IV-Empfänger und Bittsteller beschimpfen lassen, jetzt folgt die Retourkutsche: Die Mails des Elsdorfer Unternehmens Clemens & Partner an den Stufensprecher der Abiturientia am Städtischen Gymnasiums, Maik Luu, lösen bundesweite Entrüstung aus.

Die Pennäler stellten den Artikel aus unserer Zeitung von Samstag ins Internet. Über 2500 Mal wurde er bis Dienstagabend bei Facebook geteilt. Aus ganz Deutschland erhalten die Pennäler Unterstützung per Mail. Das Unternehmen selbst will im Moment zu dem Vorgang keine Stellung abgeben.

Der 18-jährige Maik Luu, der am Mittwoch die letzte Abiturprüfung absolvieren muss, kann sich vor Anfragen kaum retten. Er erhielt Zuspruch aus Berlin, Bonn, ja sogar aus den USA. Doch Genugtuung verspürt er nicht, allenfalls stolz: „Wir sind zwar nur Schüler, aber wir haben gezeigt, dass wir auch eine Stimme haben und uns der Respekt zusteht, den man auch anderen Menschen zukommen lässt.” Von der Resonanz im Internet ist er schlichtweg überwältigt - und mit ihm die 101 Abiturienten des Städtischen Gymnasiums.

Der Stufensprecher wollte für den Abistreich in diesem Jahr eine Hüpfburg organisieren und war im Internet auf das Angebot des Elsdorfer Unternehmens gestoßen. „Als ich die Antwort erhielt, kam ich gerade aus der Schule und habe das zunächst sofort weggeklickt”, erinnert er sich. Er habe sich sofort angegriffen gefühlt. Als er seinen Mitschülern die Mails zeigte, war die Empörung groß.

„In einer anderen Liga”

In der Mail des Unternehmens, dessen Firmenleitung am vergangenen Freitag auf telefonische Nachfrage betonte, dass der Mitarbeiter ausdrücklich im Sinne der Firma geantwortet habe, heißt es unter anderem: „Da Sie offensichtlich kein Geld haben, würde ich vielleicht von meinem Luxusdenken etwas abrücken. Wir sind Vermieter und machen das beruflich für unseren Lebensunterhalt mit dem Ziel, nicht da zu stehen wo Sie offensichtlich stehen. Sollten Sie bei uns irgendwo ein Schild gesehen haben ,Geschenkelanden, lassen Sie es mich bitte wissen.”

In einem weiteren Schreiben ergänzt der Mitarbeiter wörtlich: „Studenten waren noch nie unsere Kunden aus wirtschaftlichen Gründen. Und sollten diese denn irgendwann mal Geld verdienen (70 werden Hartz IV), werden diese ihre Anfrage nicht mehr so stellen wie Sie, weil die dann in einer anderen Liga spielen.”

Ein anderes Unternehmen spendet übrigens die Hüpfburg für den Abistreich. Und was macht Maik Luu nach dem Abitur? „Ich möchte molekulare Biomedizin in Bonn studieren”, sagt er.

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