Repair-Café : Reparieren ist hier ganz „ömmesönz“

Manfred Bertram steht auf, drückt ein letztes Mal auf den Knopf der Hifi-Anlage, nickt mit dem Kopf, zieht kurz die Schultern hoch und sagt: „Ja, läuft“.

Er hat die Musikanlage kurz zuvor repariert und damit einen weiteren Kunden glücklich gemacht. Und das alles zum Nulltarif. Immer am letzten Samstag im Monat kommen Manfred Bertram, Franz-Josef Jansen, Tibor Djantar und René Weißhaupt in den Ömmesönz-Laden am Langwahn. Verstärkt werden sie dann stets von Nicole Parthey. Von 10 bis 13 Uhr ist der Laden geöffnet und es ist wieder Zeit für das Repair-Café. Wir waren am Samstag dabei.

Die Türen sind gerade erst geöffnet, da steht auch schon die erste Kundin im Laden. In einer Tasche hat sie eine Kaffeemaschine dabei. Es wird nicht die letzte an diesem Tag sein. Mitbringen darf man ins Repair-Café übrigens alles, was man mit den Händen tragen kann, erklärt Regina Brück von der Abfallberatung der AWA Entsorgung GmbH. In den fast zwei Jahren sind schon viele verschiedene Dinge in die Hände der Reparaturexperten gelangt: Kaffeemaschinen, Hifi-Geräte, Röhrenradios, Plattenspieler, Nähmaschinen, eine Strickmaschine – um nur einige Beispiel zu nennen. „Wir hatten auch mal einen Wassersauger hier. Das war eine Sauerei“, sagt Nicole Parthey und lacht. E-Bikes sind ausdrücklich nicht erwünscht – auf Grund der Nähe zum Fahrradgeschäft in der Nachbarschaft.

Die AWA hat den Ömmesönz-Laden im September vor zwei Jahren eröffnet, im November desselben Jahres fand erstmalig ein Repair-Café statt – damals im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung. Die Idee dazu hat Regina Brück damals von einer Fortbildung mitgebracht. Eine Berlinerin erzählte davon und die Idee war auch für Eschweiler geboren.

Ein Glücksfall war, dass die ersten Experten relativ schnell gefunden waren. Bis auf Tibor Djantar, der auf Eigeninitiative im Ömmesönz-Laden vorbeischaute und sich anbot, kennen sich die anderen von den Oldtimerfreunden Langerwehe. Alle Fünf verbringen den monatlichen Samstagvormittag ehrenamtlich im Laden am Langwahn. Djantar und Bertram sind gelernte Radio- und Fernsehtechniker, Weißhaupt ist Elektroingenieur und Hansen war in der Automobilbranche tätig. Kfz-Mechatroniker heißt sein Beruf heutzutage.

Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, bis die Kaffeemaschine repariert ist – in diesem Fall von Manfred Bertram. Franz-Josef Hansen hat derweil ein Gerät zur Fußpflege vor sich liegen, das nicht mehr funktioniert. „Wann ist etwas nicht reparierbar?“, diskutieren die Reparaturexperten anhand des kleinen Geräts. Eine Antwort: „Wenn es verklebt ist und keine Schrauben hat.“ Das Fußpflegegerät hat keine Schrauben und nach wenigen Minuten ist klar, dass es nicht repariert wird. „Die Industrie stellt mittlerweile viele Dinge her, die überhaupt nicht dafür gemacht sind, repariert zu werden. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun“, beklagt Tibor Djantar und erntet Zustimmung von seinen Mitstreitern.

Das Quartett arbeitet gut zusammen und gibt sich gegenseitig Tipps. So mancher „Fall“ wird einfach gemeinsam gelöst.

René Weißhaupt schraubt derweil an einer großen Uhr, die Hans Bömeke mitgebracht hat. „Es ist einfach zu schade, die Uhr wegzuwerfen. Ich habe mich schon selbst daran versucht, aber ohne Erfolg.“ Immer wieder schraubt Weißhaupt die Zeiger ab und wieder an. Mal läuft die Uhr, dann wieder nicht. Am Ende kommen die Experten und Bömeke zum Ergebnis, das Uhrwerk zu tauschen. Die Experten geben auch beim Beschaffen von Ersatzteilen Hilfestellung oder bestelle diese gleich einfach selbst. Gegen Vorkasse versteht sich.

Lieselore Wald ist an diesem Tag zum ersten Mal im Repair-Café, ebenfalls mit einer Kaffeemaschine. „Ich habe im Schaufenster von der Idee gelesen, als ich hier vorbeigegangen bin. Ich finde die Idee großartig“, sagt sie. Ihre Kaffeemaschine kann nicht „gerettet“ werden, dennoch, so versichert Lieselore Wald, „komme ich beim nächsten Ausfall wieder. Wie alle Kunden an diesem Tag gibt sie eine kleine Spende für die Bemühungen der Reparaturexperten. Die Kaffeemaschine nimmt Lieselore Wald erst gar nicht mehr mit nach Hause. Auch das ist ein Service: Nach jedem Repair-Café fährt Nicole Parthey zur Deponie nach Warden und bringt die nicht mehr zu reparierenden Geräte weg. Von der Kaffeemaschine zum Beipiel werden jedoch die Kannen nicht entsorgt. Falls sie für eine andere Maschine nochmal benötigt werden.

Nochmal zurück zu den Spenden: Von dem Geld werden unter anderem nötige Werkzeuge angeschafft. Gut gerüstet für die vielfältigen Aufgaben sind die Experten. Demnächst wollen sie die übrigen Spendengelder für einen guten Zweck zur Verfügung stellen.

Das Repair-Café trägt seinen Namen völlig zurecht. Repariert wird dort jede Menge und Nicole Parthey versorgt die Experten und auch die Gäste mit Kaffee, Wasser und ein paar Keksen. Auch ein Grund, warum eine lockere und fröhliche Atmosphäre im Raum herrscht. „Die Arbeit hier macht einfach Spaß“, sagt Tibor Djantar und ergänzt, dass man zufrieden nach Hause gehe, wenn man anderen geholfen habe.

Immer wieder spürt man, dass die Geräte auch einen persönlichen Wert für die Besucher haben. So schafft es Franz-Josef Hansen, eine Küchenmaschine zu reparieren, die eine ältere Dame mitgebracht hat. „Die ist noch von meiner Mutter“, erzählt sie und ist glücklich, dass „das gute Stück“ nun doch wieder genutzt werden kann.

Regina Brück würde gerne ein weiteres Repair-Café in der Städteregion Aachen sehen. Als Standort ist Alsdorf vorgesehen und jetzt müssen „nur noch“ weitere Reparaturexperten gefunden werden. Das Eschweiler Team würde auf jeden Fall Starthilfe geben. Und das Quintett freut sich schon auf das nächste Repair-Café. Das findet am 24. November statt.