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Eschweiler: Reise durchs winterliche Deutschland

Eschweiler : Reise durchs winterliche Deutschland

Vor 160 Jahren veröffentlichte Heinrich Heine (1797-1856) sein Versepos „Deutschland - Ein Wintermärchen”. Dass der Text heute in weiten Teilen noch genauso aktuell ist wie damals, demonstrierte am Mittwoch im „Librodrom” der Schauspieler und Rezitator Alexander Finkel.

Der gebürtige Pfälzer und heute in Wuppertal lebende Bühnenkünstler, der im letzten Jahr bereits mit seiner Bühnenfassung von Paulo Coelhos Bestseller „Der Alchimist” erfolgreich in der Buchhandlung auftrat, führte Heines Klassiker solistisch unter der Regie von Herwig Mark als satirisches Erzähltheater auf.

Mimisch und sprachlich

Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass Finkel gut anderthalb Stunden lang zusammenhängende Passagen aus dem „Wintermärchen” vortrug und sie gleichzeitig mimisch und sprachlich interpretierte.

Finkel las seinen Text nicht stur vom Blatt ab, wie es sonst bei Lesungen die Regel ist, sondern schlüpfte in verschiedene Rollen.

Indem er sich verschiedener Dialekte wie des Rheinischen und des Hamburgischen bediente, sorgte er nicht nur für Farbe und Abwechslung in seinem Vortrag, sondern schaffte es auch, den verschiedenen Charakteren, die in Heines Dichtung zu Wort kommen, eine eigene Stimme zu verleihen. Auch das Minenspiel Finkels war gekonnt.

Perfekte Illusion

Und trefflich verstand der passionierte Theatermensch es, beim Publikum die Illusion zu erwecken, als sitze man mit Heinrich Heine, den Finkel zu Beginn seiner Vorstellung als „Deutschlands ersten Kabarettisten” bezeichnete, höchstpersönlich in einem Zimmer und ließe sich vom Dichter selbst sein auf einer Deutschlandreise im Jahre 1843 fußendes „Wintermärchen” vortragen.

Tief beeindruckt

Die Zuschauer zeigten sich tief beeindruckt von Finkels Heine-Interpretation und belohnten den Schauspieler mit kräftigem Applaus. Alexander Finkel gab das Kompliment zurück und bedankte sich bei seinem „ausgesprochen aufmerksamen und hervorragenden Publikum”.

Und er kündigte an, demnächst wohl wieder im „Librodrom” zu gastieren. Dann mit einem Klassiker der modernen französischen Literatur im Programm: einer Bühnenfassung von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz”.