Eschweiler: Reich an Farben und Facetten: „Miss Melli & Fats Jazz Cats“

Eschweiler: Reich an Farben und Facetten: „Miss Melli & Fats Jazz Cats“

Ihr Publikum brauchen sie nicht um den Finger zu wickeln — sie haben ihre treuen Fans eh schon in der Tasche: „Miss Melli & Fats Jazz Cats“ sind nicht nur in ihrer Heimat Eschweiler absolute Größen, wenn es um den traditionellen Sound à la New Orleans geht.

Da ist es kaum ein Wunder, dass das Gastspiel von Sängerin Melanie Lumma sowie Bandleader und Trompeter Fats von Gerolstein alias Dr. Klaus Lumma beim „Pfingstjazz“ im Talbahnhof zum Heimspiel geriet. Immer wieder holten die Künstler, darunter neben den beiden Lummas noch Dr. Carpentier (Klavier), Jan Carpentier (Posaune), Kalle Rademacher (Bass) und Uwe Düppengießer (Schlagzeug), ihre Freunde von den Stühlen, brachten sie zum Swingen — oder gar zu einer „Parade“ kreuz und quer durch den Saal.

Jazz macht Laune, Jazz mobilisiert und wärmt das Herz: Der Mittag im Kulturbahnhof brachte es wieder einmal an den Tag. Gegeben haben es Miss Melli und ihre Mitstreiter den Zuhörern jedenfalls reichlich: rund zweieinhalb Stunden Programm, in denen nicht mal für Bruchteile von Minuten Langeweile aufkam. Das liegt daran, dass sich nicht nur eingefleischte Freunde am Gesamtklang der Miss und ihrer Spießgesellen satt hören konnten.

Denn niemals klang da nur Dixie oder eine andere Tonsprache made in New Orleans vom Podium. Denn immer wieder wurde dem etablierten Südstaaten-Jazz ein anderer Klang untergehoben — am liebsten karibische Melodien wie Mambo. Das macht den Sound der Band süffig — zumal mit der Sängerin eine zugleich charmante wie kunstfertige Person der bärigen Ausstrahlung von Chef Fats mit weiblich-stimmlichen Mitteln Paroli bot.

Zu Gehör brachten Melli & Co. Titel aus ihrer neuen CD „Challenges“, die sie bei dieser Gelegenheit vorstellten und verkauften — aber nicht nur: Traditionelle Stücke wie etwa „Summertime“ aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“, die eh schon zum Repertoire gehören, reihten sich an Titel des US-Stars Diana Krall.

Denn die Sängerin und die anderen Musiker betreiben kein Jazz-Museum. Ihre Lieder sind mitunter sehr aktuell und weisen hin auf den fortdauernden Wiederaufbau von New Orleans oder verbinden die Noten von Gershwin für eine Strophe mit einem Text in rheinischer Mundart. Erstaunlich: Das wirkte nicht aufgesetzt — die Melodie mit Ohrwurm-Charakter (er)trägt das.

Es war ausgesprochen reich an Farben und Facetten, was Melli mit ihrer strahlenden Stimme und den vielfältigen Akzenten, die sie setzte, zusammen mit den gesetzten und dabei sehr vitalen älteren Herren der Band da bot. Frisch und spritzig halt — ganz wie ein leckerer Sommer-Cocktail.