Kirchen in der Region: „Regionalteam Aachen-Land“ soll Veränderungen in der Kirche anstoßen

Kirchen in der Region : „Regionalteam Aachen-Land“ soll Veränderungen in der Kirche anstoßen

Die Frage hat einen nahezu universellen Charakter: „Wie geht es mit unserer Kirche, die wir von Herzen lieben, weil wir Christus lieben, weiter?“

Der Fragesteller ist Hannokarl Weishaupt, Pfarrer der Pfarrgemeinde Heilig Geist und Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Süd, der am frühen Dienstagabend im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes von Bischof Helmut Dieser in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Marien in Eschweiler-Röthgen zum Regionalvikar ernannt wurde.

Gemeinsam mit der Ehrenamtlerin Erdmute Söndgen und Pastoralreferent Norbert Franzen, die während des Gottesdienstes ebenso ihre Ernennungsurkunden erhielten, bildet der Geistliche das „Regionalteam Aachen-Land“, dessen Aufgabe es sein wird, bis zum 31. Dezember 2021 den synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“, den Bischof Helmut Dieser in seiner Silvesterpredigt 2017 ankündigte, in den sechs Kommunen Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Herzogenrath, Stolberg und Würselen mit ihren insgesamt zehn Gemeinschaften der Gemeinden zu stärken.

Bis Ende 2021

„Die Zeiten, in denen jede Pfarrei einen Pfarrer hatte, sind vorbei. Dies gilt aber auch für die früher zu häufig angewandte Maxime ‚Wir machen es wie immer‘. Wir stehen an einem Scheideweg, an der Schwelle zu etwas Neuem“, weiß Hannokarl Weishaupt natürlich nur zu genau, wie es um die Katholische Kirche in Deutschland aktuell bestellt ist. Ein Weg, den Problemen zu begegnen, lautet, das Gespräch mit den Menschen zu suchen.

Der zentrale Aspekt des „Heute bei dir“-Prozesses, während dem bis zum Ende des Jahres 2021 Meinungen und Vorschläge gesammelt werden sollen, um Antworten auf die Frage zu erhalten, wie die Kirche im 21. Jahrhundert zukunftsfähig und lebendig ihren Auftrag erfüllen kann. „Innerhalb dieses Prozesses geht es vor allen Dingen um Inhalte, um die Frage, was wirklich wichtig ist“, erklärt Norbert Franzen, der 1958 in Aachen geboren wurde, am 1. März 1986 die Beauftragung zum Pastoralreferenten erhielt und diese Aufgabe in der Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Mitte wahrnimmt. „Heute bei dir“ sei ein Experiment, dessen Ausgang vollkommen offen sei.

„Von außen betrachtet erscheint die katholische Kirche grundsätzlich als eine extrem straff organisierte Institution. Doch im Zuge dieses Prozesses lässt uns der Bischof große Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten“, erklärt der neu ernannte Regionalvikar. Die Zielsetzung laute jedoch nicht, das Rad grundsätzlich neu zu erfinden. „Vielmehr geht es auch darum, herauszufinden, was bereits gut läuft und ob und wie positive Aspekte womöglich auf andere GdG‘s zu übertragen sind“, so Norbert Franzen. Eines der Stichworte laute „Vernetzung“.

„Wichtig und spannend“

Mit im Boot innerhalb des Regionalteams Aachen-Land sitzt die Ehrenamtlerin Erdmute Söndgen, die seit 2010 in der Gemeinde St. Johannes XXIII. in Mariadorf sowie der GdG Alsdorf tätig ist. „Ich engagiere mich, weil ich den Prozess ‚Heute bei dir‘ als wichtig und spannend empfinde. Außerdem halte ich es für notwendig, dass Kirche ihre Ressourcen bündelt, um weiter attraktiv zu bleiben oder wieder attraktiver zu werden.

In diesem Zusammenhang halte ich die regionale Ebene für sinnvoll“, nennt die Krankenhausapothekerin des Malteser-Krankenhauses St. Hildegardis Köln, die in einer demokratischen Wahl innerhalb des Diözesanpastoralrats zum Mitglied des Regionalteams gewählt wurde, ihre Beweggründe und ergänzt, den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Kinder- und Jugendarbeit legen zu wollen. Zusammen mit ihren beiden Mitstreitern gelte es nun zunächst, die Region kennenzulernen und mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Ein Vorhaben, das bei Bischof Helmut Dieser auf vollkommene Zustimmung stößt, wie der Hauptzelebrant des Einführungsgottesdienstes während seiner Predigt deutlich machte: „Die Kirche, das sind Personen. Männer und Frauen, die glauben, die sich entschieden haben, dass in Jesus Christus der wahre Gott uns anspricht und ruft. Männer und Frauen, die das so ernst nehmen, dass sie wissen, es kommt nun alles darauf an, mit dem eigenen Leben Antwort zu geben.“

Mit der Beauftragung des Regionalteams würden drei entschiedene „Heilige“ eingesetzt. Nicht heilig im Sinne von „moralische Superhelden“, sondern „entschiedene Menschen“, die sich mit ihrem Leben eindeutig auf die Seite Christi und der Kirche stellten. „Unser gemischtes Regionalteam aus drei Personen, ein Priester, ein Pastoralreferent, eine ehrenamtliche Christin, steht unter dem Zuspruch, dass heute auch alle anderen Menschen dieser Region davon profitieren, sich selber in ihnen erkennen und Hilfe sowie Orientierung für den eigenen Glauben und den eigenen Beitrag zum Aufbau der Kirche gewinnen“, so Bischof Helmut Dieser.

Zum Ende des Einführungsgottesdienstes überbrachte Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram Glückwünsche und Grußworte der Städteregion Aachen und unterstrich, nicht zuletzt an Ehrenamtlerin Erdmute Söndgen gewandt, dass es heutzutage keinesfalls selbstverständlich sei, zusätzliche Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen.

„Auf Menschen zuzugehen ist wichtiger, als ausschließlich über Strukturen zu diskutieren“, betonte der indestädtische Verwaltungschef, der positiv hervorhob, dass die Kirchen in der aktuell politisch angespannten Situation klar artikuliert Gesicht und Haltung zeigten.

(ran)
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