Rathaus-Quartier Eschweiler: Citymanagement zu Plänen

Rathaus-Quartier : Citymanagement schlägt eine Markthalle vor

In einer Stellungnahme erklärten Vorsitzender Dieter Bartholomy und Schatzmeister Bernhard Müller, wie der Verein zu den Plänen steht. Grundsätzlich zeigten die Planungsskizzen und Schaubilder keine detaillierte architektonische Ausgestaltung der geplanten Gebäude.

In Anbetracht der vielerorts inhomogenen Straßenbilder fordert das Citymanagement, dass „die Neubaumaßnahme des Rathaus-Quartiers sich harmonisch, attraktiv und nachhaltig in die vorhandene Umgebung einfügen soll“.

Das Gesamtareal des Rathaus-Quartieres sei bereits zwischen gut erhaltenen, historischen Fassaden an der Dürener Straße, moderner, aber anspruchsvoller Architektur an der Wollenweberstraße und einer zeitgemäßen, durchaus anschaulichen Rathausarchitektur eingebettet. Einfache, „quasi industrielle“ Gestaltungsformen wie bei den Discountern in den Stadtrandlagen soll es nicht geben.

In Bezug auf die Verleihung des Nachhaltigkeitspreises an die Stadt Eschweiler hat das Citymanagement ebenfalls eine Forderung: „In diesem Geiste erwarten wir auch die Bebauung des Rathaus-Quartieres.“ Dazu gehöre auch eine fußläufige Verbindung zur südlichen Innenstadt, die Bartholomy und Müller in einer großzügige Fußgängerbrücke über die Inde sehen.

Discounter-Besatz überdimensioniert

Die Wollenweberstraße war als Zufahrtsstraße gedacht, das möchte das Citymanagement verhindern. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Die Planungen hinsichtlich des Flächenbesatzes mit insgesamt drei Discountern, einem Elektronik-Fachmarkt, einem Drogeriemarkt, einem Schuhmarkt, einem Kaufhaus aus dem Bekleidungsbereich sowie Gastronomie halten die Vertreter des Citymanagements nicht für optimal. „Den geplanten Discounter-Besatz halten wir dort für grundsätzlich richtig, er erscheint uns jedoch hinsichtlich seiner Größenordnung nach deutlich überdimensioniert.“ In einem Radius von 500 bis 1500 Metern vom Rathaus-Quartier gebe es bereits 15 Discounter.

Das Citymanagement schlägt anstelle einer Aufreihung von Discountern eine „Markthalle mit Angeboten des täglichen Bedarfs, die auch Gastronomie einbindet“, vor. Das sei attraktiver und erfülle eher die Kundenwünsche.

Was die Verteilung des Neubesatzes angeht, setzen Bartholomy und Müller vor allem auf eine sinnvolle Planung: „Der Neubesatz muss vor allem Vorhandenes berücksichtigen und gegebene Unterversorgung ausgleichen.“ Es dürfe nicht die Gefahr in Kauf genommen werden, dass andernorts Leerstände entstehen. Das könne sowohl das Auerbach-Center als auch das Langwahn-Center und die südliche Innenstadt betreffen.

Das Citymanagement erwartet von der Verwaltung, sich deutlich einzubringen und „eine aktive Unterstützung bei der Vermarktung dieser Gewerbeflächen“ zu gewährleisten. Ein auswärtiger Investor könne die Belange nicht so umfassend vertreten, wie die Eschweiler es selbst könnten.

Streitthema Parpklätze

Ein weiteres Problem sieht das Citymanagement in der Parkplatzsituation. „Erst recht bei Projekten dieser Größenordnung gehören Parkplätze soweit wie irgendwie möglich unterirdisch angeordnet.“ Die Aufenthaltsqualität dürfe nicht durch einen großen oberirdischen Parkplatz beeinträchtigt werden. Bartholomy und Müller dazu: „Hier will doch wohl keiner das Flair des Real-Parkplatzes.“ Weiterhin solle die erlaubte und bezahlbare Parkdauer so gestaltet werden, dass Besucher nach dem Lebensmitteleinkauf animiert werden, auch die südliche Innenstadt zu besuchen.

Das Citymanagement sieht auch ein Problem im überdimensionierten Discounter-Angebot, da es noch mehr Autoverkehr anzieht. „Die Anbindung für Lieferanten und Kunden über die Wollenweberstraße ist völlig suboptimal“, heißt es in der Stellungnahme. Als Alternativvorschlag bringt der Verein die Indestraße ins Gespräch. Die Zufahrt über die Wollenweberstraße sei eine „nicht zu akzeptierende Lösung“.

In der Erklärung kommt das Citymanagement zu dem Schluss, dass „mit diesem Projekt ein Kapitel für das Eschweiler Geschichtsbuch geschrieben wird“. Doch dazu müsse das bisher vorgelegte, noch unvollständige Konzept des Investors mit den Bürgern, der Verwaltung und der Politik optimiert und deutlich nachgebessert werden.

Letztere meldete sich ebenfalls mit einer Stellungsnahme zu Wort: konkret die Fraktion Die Linke & Piratenpartei. Albert Borchardt als Fraktionsvorsitzender stellt besonders die Frage nach der Qualität des öffentlichen Raumes und der Lebensqualität. Für ihn ist sicher: „Graue Parkflächen bieten dies mitnichten.“Die Fraktion vermisse bei den Plänen Attraktivitätssteigerung und Zukunftsorientierung. „Es fehlt der Mut, in der Diskussion einmal wirklich weiter zu denken.“

Ein Parkraumbewirtschaftungskonzept werde seit Jahren verschoben, dabei sei es jetzt dringend nötig, ein Gesamtkonzept zu haben. Auch die Belebung der gesamten Innenstadt sei wichtig: „Rathaus-Quartier, Markt und Fußgängerzone müssen als eine Einheit betrachtet werden.“ Was die Bauweise anbelangt, könne nach Vorschlag der Fraktion mit einer schlichteren Bauweise gearbeitet werden. „Neben Dachbegrünungen sollten auch Fassadenbegrünungen hinzu kommen.“

Abschließend zieht Borchardt stellvertretend für Die Linke und die Piratenpartei das Fazit: „Wenn wir jetzt nicht mutig genug sind, die Dinge zu hinterfragen, werden wir Jahrzehnte mit einer verpfuschten Stadtplanung leben müssen.“