Eschweiler: Rammelkammer & Fangholzhaufen: Tour durch den Eschweiler Stadtwald

Eschweiler : Rammelkammer & Fangholzhaufen: Tour durch den Eschweiler Stadtwald

Es dauerte nur wenige Minuten, da zückte einer unserer Leser einen Zeitungsartikel aus seiner Hosentasche. Der Inhalt: Die Tour durch den Stadtwald mit dem Förster im vergangenen Jahr. „Da hat es geregnet“, folgte gleich die Erklärung. Von Regen war am vergangenen Donnerstag keine Spur und dennoch war bei dem erneuten Rundgang durch den Wald mit Förster Marco Lacks Wasser ein stets wiederkehrendes Thema.

30 Leser hatten sich am Morgen an der Gaststätte „Bohler Heide“ eingefunden, die kürzeste „Anreise“ hatte naturgemäß Förster Marco Lacks, der Hündin Eika im Schlepptau hatte. Wobei nicht immer ganz klar war, wer nun wen im Schlepptau hat - aber dazu später noch mehr.

30 Leser nahmen an unserer Tour mit dem Förster durch den Wald teil. Er erklärte, dass mit einem roten Punkt markierte Bäume gefällt werden und dass die Bäume mit einer braunen Baumkrone ziemlich sicher von Borkenkäfern befallen sind. An einem Stapel Holz gingen unsere Leser auf Suche nach Borkenkäfern und in der Nähe der Bohler Heide zeigte Marco Lacks einen Holzzaun, mit dem, anstelle der sonst üblichen Hülsen aus Draht oder Plastik, junge Bäume vor Reh & Co. geschützt werden. Foto: Tobias Röber

Marco Lacks eröffnete den Vormittag auch mit dem Wetter: „Wir hatten Stürme im Winter und Dürre im Sommer.“ Bedingungen, die dem Förster und seinen Mitarbeitern jede Menge Arbeit bescheren. Die fällt in dem rund 318 Hektar großen Waldgebiet ohnehin an, Wetterextreme verschärfen die Situation jedoch. So entwickle sich der Borkenkäfer derzeit sehr rasant.

. fotos: Tobias Röber. Foto: Tobias Röber

Nach der kurzen Einführung ging es dann aber gleich los und in den Wald hinein — zunächst bis zu einer Lichtung. Dort zeigte Lacks Schäden, die die Stürme im Frühjahr hinterlassen haben und er erklärte, dass er und sein Team an vielen Ecken im Wald mit Aufräumarbeiten beschäftigt seien. So müsse man vom Sturm beschädigte Flächen vorbereiten. Das sei zwar teuer, an vielen Stellen jedoch notwendig. „Warum“, fragte sogleich ein Leser und fuhr fort: „Ich habe gelernt, dass die Natur das von selbst regelt.“ Das sei nur bedingt richtig, erwiderte Marco Lacks. Der Eschweiler Stadtwald sei ein wirtschaftlich genutzter Erholungswald und als solcher müsse er auch gepflegt werden.

. fotos: Tobias Röber. Foto: Tobias Röber

Vom Borkenkäfer befallen

Unsere Leser hatten während der Tour einige Fragen, die der Förster gerne beantwortete. Foto: Tobias Röber

Er richtete die Blicke der 30 Leser kurz darauf auf einige Baumkronen, die nicht in sattem Grün, sondern ganz kahl und braun daherkamen. „Diese Bäume sind ziemlich sicher vom Borkenkäfer befallen“, erklärte er. Und daher müsse man diese Bäume entfernen. Das gelte auch für vom Sturm gefällte Bäume. Diese seien meistens noch über einige Wurzeln mit dem Boden verbunden und zögen somit weiter ein wenig Wasser. Und das sei ein Paradies für den Borkenkäfer. Totholz an den Wegesrändern sei für den Schädling hingegen nicht ganz so attraktiv. Also müssen die Bäume weg, um den Käfern zumindest einigermaßen Herr zu werden. Mit sogenannten Fangholzhaufen wird dann und wann ebenfalls versucht, einen Teil der Borkenkäferpopulation einzufangen.

Dafür ist ein gutes Timing gefragt. „Das ist aber gar nicht so einfach. Der Borkenkäfer sagt uns ja nicht Bescheid, wann er losfliegt.“ Zur Erklärung: Die Borkenkäfer befallen einen Baum, legen dort Eier in der Rammelkammer (die heißt wirklich so!) ab, die Larven schlüpfen und fliegen dann zum nächsten Baum, wo sich der Kreislauf wiederholt.

Hat ein Sturm ganze Flächen ausgedünnt, gerate das Waldinnenklima aus dem Gleichgewicht, erläuterte der Förster weiter. Pflanzen wie Brombeere, Wasserdost und Farn setzten sich dann zunächst durch, heimische Baumarten haben es dann schwieriger.

Natürlich stehen für Lacks und seine Kollegen Jahr für Jahr zahlreiche Neupflanzungen auf dem Programm. Diese neuen Kulturen haben es bei der extremen Trockenheit sehr schwer. 50 Prozent seien abgestorben, schätzt der Förster. Neuanpflanzungen seien bei der derzeitigen Witterung erst gar nicht möglich.

Rote Punkte

Das Holz, das aus dem Wald geholt wird, ist derzeit gar nicht so leicht an den Mann zu bringen. „Es ist zu viel Holz auf dem Markt“, so Lacks. Passend zum Thema fragten einige Leser, was die farbigen Markierungen auf manchen Bäumen bedeuten. Mit roten Punkten markiert der Förster Bäume, die gefällt werden sollen. Gelbe und weiße Striche markieren die Einfahrt in bestimmte Waldstücke. Mit schwerem Gerät solle man nach Möglichkeit immer an denselben Stellen in den Wald fahren, um Boden, Flora und Fauna nicht zu sehr zu beschädigen.

Ein weiteres Thema, das unseren Lesern auf den Nägeln brannte, war der Klimawandel. Der Förster erklärte, dass dieser bei der Planung von Pflanzungen selbstverständlich eine Rolle spiele. Es gebe zahlreiche Versuche mit nicht heimischen Bäumen wie etwa Douglasien. Das biete Chancen, aber auch Risiken. So sei die Esche ein gutes Beispiel. In Japan lebe ein bestimmter Pilz mit dem Baum in guter Symbiose und zersetze lediglich das Laub am Boden. In unseren Gefilden hingegen greife selbiger Pilz direkt den gesamten Baum an.

An dieser Stelle unternahm der Förster einen Ausflug in die Geschichte und erzählte von Hans Carl von Carlowitz. Er schrieb mit der „Sylvicultura oeconomica“ oder „haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ (1713) das erste geschlossene Werk über die Forstwirtschaft und gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs. Genau so — also nachhaltig — werde auch der Eschweiler Wald bewirtschaftet.

Tiere machten sich bei der Tour am Donnerstag rar. Bis auf einen Minifrosch, den ein kleiner Teilnehmer entdeckte, ein paar Vögel und Eika, die sehr aufgeregt durch den Wald lief und sich auch von ihrem Herrchen nicht immer bändigen ließ, gab es keine Tiere zu sehen. Marco Lacks berichtete aber, dass es „jede Menge Wildschweine“ gebe. Die vermehren sich sehr schnell. Natürlich Feinde haben sie — bis auf die Jäger — nicht. Auch Rehe und Füchse gebe es im Wald reichlich.

Aus diesem Grund müssen Lacks und sein Team auch darauf achten, Neuanpflanzungen ausreichend zu schützen. Neben den bekannten Baumhülsen werden in der Nähe der Bohler Heide Eichen von einem Zaun aus unbehandeltem Holz umzäunt und so vor Reh & Co. gesichert. Der Vorteil: Der Holzzaun kann einfach im Wald bleiben.

Nach etwas mehr als zwei Stunden endete der informative Rundgang durch den Wald.