Eschweiler: Protestaktion vor dem Prysmian-Kabelwerk Lynen

Eschweiler: Protestaktion vor dem Prysmian-Kabelwerk Lynen

Der kleine Jason stand am Sonntag in warme Sachen eingepackt mit einem Helm auf seinem kleinen Kopf vor dem Prysmian-Kabelwerk Lynen und fragte: „Warum stehen wir eigentlich alle auf der Straße?”

Passender hätte die Frage nicht sein können, wenngleich der Dreikäsehoch natürlich nicht wusste, warum sich eine Abordnung der Belegschaft und Gewerkschaftssekretär Georg Moik am Abend vor dem Werk eingefunden hatten. Es war eine Protestaktion gegen die angekündigte Schließung am Jahresende.

Jason, Enkel eines Teilnehmers an der Protestaktion, hatte einen grünen Helm an. So einen wie ihn Bauarbeiter tragen. Grün ist bekanntlich die Hoffnung. Und die stirbt zuletzt. Das betonte der Betriebsratsvorsitzende Peter Heidbüchel. „Diese Entscheidung nehmen wir nicht einfach so hin. Wir wollen bleiben”, gab sich Heidbüchel kämpferisch.

In der Woche hatte eine außerordentliche Betriebsversammlung stattgefunden, bei der Schritte gegen die Schließung beschlossen wurden. Die Schockstarre nach der angekündigten Werksschließung löst sich langsam, und der Kampfgeist vieler Mitarbeiter wird geweckt. Am Sonntagabend wurden Grablichter vor dem Werk aufgestellt, zudem ein großes Kreuz und ein Schild.

Neben Heidbüchel und Moik waren Marc Federau (stellvertretender Betriebsratsvorsitzender), Friedhelm Meisen (Schwerbehindertenvertreter), Heinz Hohnhorst, Arno Halking, Marko Bartz (alle Betriebsrat), Ersatzmitglied Karl Heidinger und Maschinenführer Wolfgang Halking vor Ort. Auch weitere Betriebsangehörige schauten vorbei, und sogar ein paar Bürger waren aufmerksam geworden und trugen sich in eine Unterschriftenliste ein.

Peter Heidbüchel warb am Sonntag wieder für den Standort. Der Standort Eschweiler habe schwarze Zahlen geschrieben, und er habe mit die höchste Kundentreue aller 106 Prysmian-Standorte weltweit. Daher lohne es sich zu kämpfen. „Wir geben den Standort nicht auf, und wir werden nicht wie die Hasen in der Ecke sitzen”, sagte Heidbüchel.

Georg Moik erwähnte die außerordentliche Betriebsversammlung. In dieser habe man den Mitarbeitern einmal aufgezeigt, mit welchen Mitteln die Gegenseite versuche, Einfluss zu nehmen. So hat der Betriebsrat einen Sachverständigen für die wirtschaftliche Situation beauftragt. Es sei versucht worden, darauf Einfluss zu nehmen, sagte Moik. Und er fuhr fort: „Natürlich weiß die andere Seite, dass sie einen Auftrag an einen Sachverständigen nicht verhindern kann.”

Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass es schwierig wird, einen solch großen Konzern zum Umdenken zu bewegen. Dennoch betonte Moik: „Der Standort Eschweiler hat eine Chance, Gewinne zu erwirtschaften, wenn man die Beschäftigten hier nur lässt.”

Öffentlichkeit herstellen lautet ein Ziel der Mitarbeiter des Kabelwerks. „Das hier war der erste Schritt. Es folgen weitere Aktionen”, betonte Peter Heidbüchel.

Mitte September hatte die Beschäftigten die Nachricht ereilt, dass am Jahresende Schluss ist. Und das nach 126 Jahren. 160 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Noch zum 1. September war Kurzarbeit beantragt und genehmigt worden. Auf eine Schließung habe laut Betriebsrat und Gewerkschaft nichts hingedeutet.

Die Belegschaft hatte in den vergangenen Jahren bereits einiges in Kauf genommen. So wurde die Arbeitszeit von 35 auf 38 Stunden angehoben, und die Mitarbeiter verzichteten auf Prämien. Auch habe die Werksleitung stets von guten bis sehr guten Zahlen für den Standort Eschweiler gesprochen, sagte Peter Heidbüchel.

2003 hatte die Klaus Faber AG aus Saarbrücken das Werk gekauft. Damals waren noch 280 Menschen dort angestellt. Ein erneuter Besitzerwechsel folgte im Jahr 2008: Die Firma Prysmian mit Hauptsitz in Mailand übernahm das Kabelwerk.

Damals sagte der Geschäftsführer von Prysmian Deutschland, Günter Philippi: „Wir haben die Firma nicht gekauft, um sie zu schließen, sondern um mit ihr Geld zu verdienen.” Wenige Monate später mussten 61 Mitarbeiter gehen. Zum Jahresende soll nun ganz Schluss sein. Seit Sonntag ist klar: Kampflos nehmen die Mitarbeiter das nicht hin. Schon in den nächsten Tagen wird es weitere Aktionen geben.