Professor Klaus Henning referiert über Künstliche Intelligenz

Vortrag und Diskussion im Rathaus : Künstliche Intelligenz bietet Chancen, aber birgt auch Gefahren

„Smart und digital – Wie künstliche Intelligenz unsere Welt verändert“: Unter dieser Überschrift stand ein Vortrag von Professor Dr. Klaus Henning. Er erklärte im Rathaus, wie Künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann – und diskutierte im Anschluss auch über Ungewissheit im Umgang.

„Umdenken“ ist angesagt. Oder besser: „Neudenken“! Denn: „Die Entwicklung und Nutzung der Künstlichen Intelligenz stellt die größte Kulturrevolution seit Johannes Gutenberg und der Erfindung des modernen Buchdrucks dar“, so Professor Dr. Klaus Henning.

Der Informationswissenschaftler war auf Einladung des Lions-Clubs Eschweiler-Ascvilare im Ratssaal zu Gast, um zunächst unter der Überschrift „Smart und digital – Wie künstliche Intelligenz unsere Welt verändert“ zu referieren und anschließend im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Mediziner Dr. Rudolf Jegen, Andreas Fries, Technischer Geschäftsführer der MVA Weisweiler, Sparkassen-Vorstandsmitglied Ralf Wagemann und Bürgermeister Rudi Bertram ins Gespräch zu kommen. Moderiert wurde die Runde von Dr. Wolfgang Hagemann, ärztlicher Leiter der Röher Parkklinik und als „Lion“ Gastgeber des Abends.

Dieser unterstrich mit einleitenden Worten, warum es so wichtig sei, über die Künstliche Intelligenz (KI) zu sprechen. „KI ist inzwischen Teil der Gesellschaft. Wir aber auch. Doch wir wissen so gut wie nichts über KI und damit über einen großen und immer bedeutenderen Teil der Gesellschaft. Das geht nicht!“, so die klare Feststellung von Dr. Wolfgang Hagemann, dessen Analyse von Professor Dr. Klaus Henning geteilt wird.

In Sachen KI sei enorm vieles schon da, ohne dass dies von einem Großteil der Bevölkerung wahrgenommen werde. Warum ist das so? „KI wird bei uns dort vorbereitet und umgesetzt, wo wirtschaftlicher Druck herrscht, also in der Industrie und der Wirtschaft, nicht aber in der Forschung“, kritisierte der Referent. Andere Länder, in denen oftmals andere Wertvorstellungen herrschten als in unseren Breitengraden, seien in der Forschung viel weiter.

Dabei gebe es keinen Grund, wegen KI in Angst oder gar Panik zu verfallen. „Sie ist eine gute Gabe Gottes, die es verantwortungsvoll zu nutzen gilt, bevor andere dies verantwortungslos tun“, so der Appell des Vortragenden. Doch dazu seien eben auch neue Denkmodelle vonnöten. Dass rund um den Globus vernetzte Maschinen in absehbarer Zukunft ein Bewusstsein entwickelten und diese Vernetzung in etwa zehn Jahren über Satelliten zur Echtzeitkopplung von Maschinen führe, sei eine unumstößliche Tatsache.

„Wie gesagt, es ist schon fast alles da. Nur noch keine Ordnungssysteme, die sich diesen neuen Gegebenheiten auch in ethischer Hinsicht anpassen“, verdeutlichte Professor Dr. Klaus Henning, für den klar ist, dass Maschinen juristisch zu Rechtspersonen werden müssten.

Starke Veränderungen in vielen Berufsfeldern

Des Weiteren gelte es, unter anderem auch Fragen nach persönlichem Eigentum und Allgemeingut zu klären. „Und ist in Zukunft auch die Absicht eines Verbrechens strafbar?“, lautete ein weiteres Beispiel. Außer Zweifel stehe, dass sich zahlreiche Berufsfelder starken Veränderungen ausgesetzt sähen. Wobei dies nicht zuletzt auch Akademiker betreffen werde.

Dagegen werde die handwerkliche Tätigkeit des Fensterbauers für die KI auch in weiterer Zukunft eine große Herausforderung bleiben, ist der Wissenschaftler überzeugt. „Wenn aber eine Drohne in der Lage ist, ein Paket abzulegen, dann könnten wir die 7,5-Tonner aus unseren Städten verbannen. Wenn autonomes Fahren ausgereift ist, kann kein Mensch mehr verantworten, dass Menschen als Fahrer fungieren, weil dies tausende Tote bedeutet. Und warum soll nicht ein Roboter die körperlich schwierigsten Arbeiten einer Pflegekraft übernehmen?

Warum muss sich eine Pflegekraft eigentlich mit Dokumentation und Papierkram beschäftigen. KI setzt Ressourcen frei, die eine Pflegekraft zum Beispiel für ein persönliches Gespräch mit der zu pflegenden Person nutzen könnte. Menschen werden durch KI nicht überflüssig. Die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation bleibt vollkommen unverzichtbar“, versicherte Professor Dr. Klaus Henning.

Ausführungen, denen Andreas Fries, der sich als „absoluter Verfechter“ der Digitalisierung bezeichnete, beipflichtete und Beispiele aus dem Alltag in der Müllverbrennungsanlage Weisweiler nannte. „Bei uns besteht Bedarf an unterschiedlichsten Qualifikationen“, so der Technische Geschäftsführer. Habe die Ausstattung einer Reinigungskraft früher aus Besen, Handfeger und Schaufel bestanden, bediene sie heute eine hochentwickelte Maschine.

Aber: „Wir benötigen dazu Menschen.“ Entscheidend sei, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kämen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die Arbeitssicherheit. „Durch selbstlernende KI-Systeme konnten wir die Sicherheit unserer Mitarbeiter immer weiter verbessern, so dass die MVA Weisweiler in dieser Hinsicht deutschlandweit führend ist und seit vielen Jahren keinen schweren Unfall mehr verzeichnen musste. Auch deshalb sollte die Digitalisierung unser Freund sein!“, so Andreas Fries.

Auf Anforderungen der Künstlichen Intelligenz nicht vorbereitet

Doch auch skeptische Worte waren zu hören: Dr. Wolfgang Hagemann macht das Bildungssystem Sorgen, das auf die Anforderungen der KI nicht vorbereitet sei und komplett auf den Kopf gestellt werden müsse. Bürgermeister Rudi Bertram versteht KI als Revolution und bezweifelt, ob diese den Menschen überhaupt erklärt werden könne.

„Sind die Menschen noch mitzunehmen?“, stellte er eine Frage in den Raum. Worte, an die Ausführungen einer Zuhörerin aus dem Publikum nahtlos anschlossen. „Ich stelle fest, dass viele Menschen diese Veränderungen nicht wollen und Angst vor den bevorstehenden Umwälzungen haben. Sie verlieren das Vertrauen, was eine Gefahr für unseren demokratischen Staat darstellt!“ Bedenken und Ängste, die Professor Dr. Klaus Henning nachvollziehen kann.

„Die politischen Entwicklungen lassen Anzeichen des Zusammenbruchs der Vernunft erkennen. Es ist derzeit nicht mehr selbstverständlich, mit vernünftigen Gedanken Mehrheiten zu organisieren. Dies stellt tatsächlich eine Gefahr für unsere Demokratie dar. Aber es gibt auch Gegenbewegungen, die wenig bekannt sind. Etwa die ‚Selbstregulierung der Ethik’ bei Twitter. Die grundsätzliche Frage lautet, ob wir überhaupt bereit sind, uns auf das Neudenken einzulassen.“