1. Lokales
  2. Eschweiler

Prinzengilde Bergrath hat wieder ein Zelt und bewirtet selbst

Prinzengilde Bergrath : Die turbulenten Monate nach dem Schock an Karnevalsdienstag

Wenn die gerade erst eröffnete Session am 26. Februar 2020 wieder endet, wird die Prinzengilde ein aufreibendes, bewegendes Jahr hinter sich haben, denn es hätte unter Umständen so kommen können, dass das Vereinsleben einen herben Schlag erleidet. Auslöser war der Karnevalsdienstag dieses Jahres.

An jenem 5. März teilte der Wirt der Karnevalsgesellschaft mit, dass er nach einem Jahr sein Zelt wieder abbaut – nicht sprichwörtlich, sondern endgültig. Das habe den Verein und seine rund 450 Mitglieder ins Mark getroffen, sagt Günter Spitz. „Ohne Zelt gibt es keine Veranstaltungen mehr, also auch kein Geld und quasi kein Vereinsleben mehr.“

Günter Spitz, 64, ist Ehrenpräsident, bis 2014 war er 13 Jahre lang an der Spitze des KG. Peter Flohr, 71, ist ebenfalls Ehrenpräsident. Und obwohl sie nicht mehr in Amt und Würden stehen, waren sie es, die die Ärmel hochgekrempelt und alles für die Zukunft der Prinzengilde in Bewegung gesetzt haben. „Wir haben zig Pläne diskutiert, wir hatten das ganze Alphabet durch. Das war ja Neuland für uns“, erzählt Günter Spitz, der federführend war. „Wir brauchten eine schnelle Lösung, damit die Mitglieder weiter überzeugt sind und nicht abwandern.“

So ist im Sommer die Entscheidung gefallen, dass die Bergrather ein Zelt mieten und die Veranstaltungen – wohl bis auf die große Sitzung – selbst bewirten. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal, aber nicht überall üblich. Dass so etwas über Jahre funktionieren kann, zeigt das Beispiel Nothberg, wie Flohr, Spitz und die Pressewartin Beate Mansfeld neidlos anerkennen. Die dortige Burgwache hat mit dem Gewinn der Veranstaltungen vor 20 Jahren schon ihr Vereinsheim Domizil 2000 gebaut.

„Es nimmt offensichtlich zu, dass Wirte nur noch die Zelte vermieten, auch bei Schützenfesten. Die Mieten sind sichere Einnahmen“, sagt Beate Mansfeld. „Und es ist kein Geheimnis, dass viele Veranstaltungen ums Publikum kämpfen. Das ist ein Risiko für die Wirte, wenn sie den Ausschank machen.“

Hatte die Prinzengilde keine Alternative zum Zelt in Eigenregie? Im Prinzip schon. Aber dann „hätten wir jedes Mal irgendwen vor den Kopf stoßen müssen“, sagen Günter Spitz und Peter Flohr. Denn der mögliche Ausweichort, die Aula der Patternhof-Realschule, ist für die Veranstaltungen (siehe Infobox) – abgesehen von der Sessionseröffnung – mit 179 Stühlen schlicht zu klein. Die Mädchensitzung mit ihren 400 oder mehr Besuchern hätte ohnehin andernorts stattfinden sollen.

Die Kindersitzung komme nach Angaben der Verantwortlichen aber auch auf 250 bis 300 Gäste, der Frühschoppen auf zwischen 300 und 400, die große Sitzung auf an die 300 und die Herrensitzung ebenfalls. Der Notfallplan wäre gewesen, die Sitzungen im Zelt bei einem anderen Verein unterzubringen. „Aber dann wären sie aus dem Dorf raus“, betont Peter Flohr. Das neue Zelt wird wie gewohnt auf der Wiese neben der Schule stehen.

Die große Sitzung der Prinzengilde hat in den vergangenen Jahren immer für Begeisterung gesorgt. Foto: Andreas Röchter

Da der ehemalige Wirt die Herrensitzung in der vergangenen Session ins Leben gerufen hatte und diese auch in der Form „mitgenommen“ hat, musste die Prinzengilde für die Veranstaltung bei null anfangen. „Wir fahren richtig auf, es kommen hauptsächlich Kölner Kräfte. Wir gehen dafür schon ein Risiko ein“, sagt Beate Mansfeld. Da das Zelt nun aber nur acht Tage steht, verringern sich die Mietkosten.

Dass die Ehrenpräsidenten Spitz und Flohr überhaupt so aktiv sind, liegt daran, dass die Positionen des Präsidenten (ehemals Udo Mondry) und seines Vize seit Mai vakant sind. Denn verständlicherweise hatte die Nachricht von Karnevalsdienstag für turbulente Wochen „ohne Einigkeit und Zusammenhalt“ bei der Prinzengilde gesorgt, erklärt Peter Flohr. Als Folge ist der gesamte Vorstand zurückgetreten. Eine Entscheidung „im Sinne des Vereins“ ohne Groll – und ohne Austritte. „In der Mitgliedschaft ist angekommen, dass wir in so einer Situation alle an einem Strang ziehen müssen. Und das ist auch seitdem der Fall“, betont Beate Mansfeld.

Es habe auch nicht lange gedauert, bis bereits etwa 80 der nötigen 144 Dienste für die Veranstaltungen intern verteilt waren. Im Schnitt seien 30 Mitglieder pro Tag nötig. Das macht Günter Spitz stolz: „Wir sind ganz neue Wege gegangen, und es sieht so aus, als hätten wir auch den richtigen gefunden.“