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Eschweiler: Planer-Träume zum Blausteinsee

Eschweiler : Planer-Träume zum Blausteinsee

Die Indestadt hat, wovon andere träumen: den Blausteinsee. Eine Traumkulisse für Visionen, die kreativen Raumplanern schlaflose Nächte und arbeitsintensive Tage bereiten.

Visionen sind das Samenkorn, aus dem die Zukunft des See-Raums wächst. Und erste Schösslinge, so gibt sich Eschweilers Technischer Beigeordneter Wilfried Schulze vorsichtig optimistisch, könnten durchaus schon im nächsten Jahr sprießen.

See-Fenster

In der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses stellten Schulze und Vertreter kooperierender Planungsbüros vor, was sie sich als Eschweiler Beiträge zur „Grün-Metropole” des französischen Landschaftsarchitekten Henri Bava vorstellen, dessen Ideen zur Gestaltung industrieller Folgelandschaften die Verantwortlichen der EuRegionale 2008 überzeugten. „Wasserpark” ist das Stichwort, unter dem die Planer ihrer Phantasie Lauf ließen und dabei bereits recht konkrete Ideen entwickelten.

Seebühne mit „Fensterrahmen”

Dazu zählt auch die schon des öfteren ins Spiel gebrachte Seebühne. Eine technisch wenig aufwändige Konstruktion aus Pontons, die im Nicht-Bedarfsfall aus dem Blickfeld geschleppt werden kann. Schwimmen soll sie vor einem riesigen, metallenen „Fensterrahmen”, der nicht nur See und Landschaft akzentuiert in Szene setzt, sondern auch eine Projektionsfläche für verschiedenste Zwecke bieten kann. Hier könnten Fußballspiele und andere TV-Ereignisse übertragen werden, hier könnte Freiluft-Kino stattfinden, hier könnte ein Festival für Videokünstler ins Leben gerufen werden.

„Eschweiler ist überaltert”, konstatiert Wilfried Schulze. „Hier wollen wir die Gelegenheit nutzen, besondere Anreize für die Jugend zu schaffen. Dies beinhaltet eine hohe Chance für diese Stadt.”

Stark sportive Akzente soll zudem die geplante „Aktivitäts-Achse” setzen, die sich vom See-Ufer - von den heutigen Bootsstegen aus - in Richtung Kinzweiler und St. Jöris erstrecken soll.

Kurzfristig machbar?

Auf und neben einem ins Wasser hineinragenden Steg, dessen bauliche Gestaltung sich an das Erscheinungsbild der Tagebau-Bagger anlehnen könnte, die einst das Bild der Landschaft dort bestimmten, sollen Gastronomie-betriebe, Läden, ein Hotel, Clubhäuser und möglicherweise eine „Schul-Außenstelle” für Workshops mit musealem Hintergrund entstehen. Eine Idee, die bei Kommunalpolitikern aller Fraktionen spontanen Beifall auslöste.

Positiv aufgenommen wurde auch die Idee, das See-Ufer zwischen Parkplatz und Steganlage zu terrassieren, um von dort aus auch einen ungetrübten Blick auf die See-Bühne zu ermöglichen. „Mit einer Bühne wie dieser hat auch Bregenz einmal angefangen”, verweist Schulze auf die inzwischen weltweit renommierten dortigen Theateraufführungen. „Diese Bühne könnte auf einfache Art schon 2005 realisiert werden.”

Licht auf Kraftwerk und Wind

Für kurzfristig realisierbar hält Wilfried Schulze auch eine weitere Idee, die Eschweiler ins rechte Licht rücken soll - und das im wörtlichen Sinne: die effektvolle Illumination von Kraftwerks-Kühltürmen auf der einen und Windpark-Rotoren auf der anderen Seite.

„Energietor” ist das Motto, unter dem der Spannungsbogen von alter und neuer Energie-Technologie in Szene gesetzt werden soll. Die Planer dokumentierten im Ausschuss ihre Vorstellungen mit ebenso eindrucks- wie stimmungsvollen Computer-Animationen: rot angestrahlte Türme, darüber in blaues Licht getauchte Wolken. Blaue Rotorenmasten, darüber rot wirbelnde Windräder. Denkbar auch: „Kraftlinien” - die Illumination der ersten vier oder fünf vom Kraftwerk wegführenden Hochspannungsmasten.

Eher visionär denn realitätsnah: die Schaffung künstlicher, schwimmender Inseln auf dem Blausteinsee, begehbar, mit Sumpfzypressen bewachsen und am Abend rundherum in ein fast mystisches Licht getaucht.

Was bleibt für Eschweiler übrig?

100 Millionen Euro stellt das Land für die Projekte der EuRegionale zur Verfügung. Wie viel Eschweiler davon abbekommt, ist völlig offen. Denn allein die Stadt Aachen will sechs Projekte finanziert bekommen und dafür rund die Hälfte der Gesamtsumme einstreichen.

Den Rest müssen sich vier weitere Projekte teilen, von denen Eschweiler eines beisteuert. Dennoch ist Schulze auch hier optimistisch: „Je konkreter wir mit unseren Vorstellungen sind, desto mehr werden wir schöpfen können. Und unser Projekt ist immerhin ein bedeutsames und herausragendes. Schließlich stellen wir nicht bloß ein Aussichtstürmchen auf die Sophienhöhe.”