Bischöfliche Liebfrauenschule verabschiedet Abiturienten: Plädoyer für Freundschaft, Respekt, Toleranz

Bischöfliche Liebfrauenschule verabschiedet Abiturienten : Plädoyer für Freundschaft, Respekt, Toleranz

Der Kreis hat sich geschlossen: „Vor acht Jahren begann in dieser Kirche euer Weg an der Bischöflichen Liebfrauenschule. Heute empfangt ihr hier nun als krönenden Abschluss der Schullaufbahn die Abiturzeugnisse“, begrüßte Schulleiter Carsten Gier 89 nun ehemalige Schüler zur feierlichen Verabschiedung in der zum Bersten gefüllten Pfarrkirche St. Marien.

Zuvor hatte Pfarrer Rolf-Peter Cremer mit den Abiturienten und der gesamten Schulfamilie der BLS einen würdevollen Gottesdienst gefeiert, der unter der Überschrift „Tapetenwechsel - vom Mut, die Zukunft zu gestalten“ stand. „Ein Tapetenwechsel stellt einen radikalen Einschnitt dar. Er steht dafür, etwas Neues entdecken zu wollen, mich selbst zu verändern und mehr Tiefgang in mein Leben zu bringen“, so der Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung im Bischöflichen Generalvikariat. Von entscheidender Bedeutung sei jedoch, dass bei einem Tapetenwechsel das Haus als Stabilitätsanker stehenbleibe. „Diese Schule hat euch Werte und Grundlagen für euer Lebenshaus mitgegeben“, unterstrich der Geistliche, der den Abiturientinnen und Abiturienten wünschte, ihr Profil zu behalten. „Übernehmen Sie Verantwortung, leben Sie weiterhin in einer Gemeinschaft, geben Sie Rat und nehmen Sie Rat an. Und bleiben Sie politisch denkende Frauen und Männer, die, zusammengehalten vom Fundament Glauben, bereit sind, die Zukunft zu gestalten.“

In seiner kurzen Ansprache dankte Carsten Gier den Abiturienten, „die sich in den zurückliegenden Jahren in vielfacher Hinsicht für die Schulfamilie eingesetzt haben“, vergaß aber auch keinesfalls die Menschen, die den Schulabgängern den Weg zum Ziel ebneten. „Dank gebührt auch den Eltern und dem Lehrerkollegium. Erstere haben sich entschieden, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder in unsere Hände zu legen und uns damit großes Vertrauen entgegengebracht. Die Lehrerinnen und Lehrer sind dem Grundsatz gefolgt, dieSchüler als Menschen in den Mittelpunkt zu rücken“, so der Schulleiter, der einen Appell an seine ehemaligen Schützlinge richtete, auf ihrem weiteren Lebensweg die Mitmenschen und Gott nicht zu vergessen. „Gleiches gilt für eure Zeit an der BLS“, schloss Carsten Gier.

Emotionale Worte

Bürgermeister Rudi Bertram übersandte in seinem Grußwort zunächst herzliche Glückwünsche und bescheinigte den Abiturienten, eine wunderbare Grundlage für den weiteren Lebensweg gelegt zu haben. Daraus erwachse jedoch auch die Verpflichtung, in politisch bewegten und bewegenden Zeiten, Verantwortung für das Gemeinwesen zu tragen. „Entwickeln sie ihre sozialen Kompetenzen weiter und engagieren sie sich für eine stabile Gesellschaft“, so die Bitte des Bürgermeisters, der betonte, dass er und seine gesamte Generation nichts anderes kenne als Frieden und Demokratie. „Diese Errungenschaft gilt es, mit täglicher Arbeit zu pflegen!“ Bei allem Streit müsse es möglich sein, sich in die Augen zu schauen. Angst sei jedoch ein schlechter Ratgeber: „Sehen sie Veränderungen und Herausforderungen als Chance.“

Mit emotionalen Worten blickte Dagmar Schmitz als Elternvertreterin der Jahrgangsstufe Q2 auf (mindestens) acht Jahre Bischöfliche Liebfrauenschule zurück: „Ihr habt allen Grund zu strahlen und dürft stolz auf euch sein“, rief sie den Abiturientinnen und Abiturienten entgegen. Die Zeit sei wie im Flug vergangen. „Ehe wir Eltern uns versahen, wart ihr die Großen, die in zähen Verhandlungen das Zustandekommen des Französisch-Leistungskurses durchsetzten oder auf der Theaterbühne über sich hinauswuchsen.“ Jeder dürfte die Zeit an der BLS anders erlebt haben. Doch dieser Weg sei prägend gewesen und habe jedem die Chance gegeben, den Horizont zu erweitern. „Nun passt gut auf eure wahren Freunde auf. Diese Menschen öffnen euch nämlich Türen“, so Dagmar Schmitz.

„Ihr habt euer Leben selbst in der Hand. Wenn ihr stolpert, was vorkommen wird, steht auf und geht weiter. Folgt euren Überzeugungen. Redet mit Menschen, nicht über sie. Beurteilt Menschen nach ihrem Charakter und folgt nicht nur dem besser, schneller, mehr. Lebt auch mal langsam, bewusster, menschlicher“, gab die Elternvertreterin den ehemaligen Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg.

Humorvoll blickten die Abiturienten Leonie Herzog, Peter Bardenheuer und Jan Oehmichen-Roering auf ihre Erlebnisse auf dem heiligen Hügel zurück. „Wir haben uns verändert. Experten sprechen von Pubertät“, ließ das Trio wissen. „Wir haben Freundschaften geschlossen, Enttäuschungen erlebt, Unterstützung erfahren!“, so eine Bilanz. Manche Vorhersage sei im Nachhinein zweifelhaft. „Zu Beginn der Oberstufe wurde uns versichert, dass nun ein anderer Wind wehe. Zumindest für die EF (Jahrgangsstufe 10) können wir dies nicht bestätigen“, lautete ein augenzwinkernder Hinweis. Trotz zwölfjähriger Vorbereitung habe dann die vor wenigen Wochen gemachte Erkenntnis, dass nun die Abiturprüfungen unmittelbar bevorstünden, für so manchen Bewerber eine Überraschung dargestellt. Doch aufzuhalten sei die Stufe nicht mehr gewesen.

„Bringt euch ein!“

Abschließend sprachen Leonie Herzog, Peter Bardenheuer und Jan Oehmichen-Roering der aktuellen Schulleitung mit Carsten Gier und Anja Groth sowie deren Vorgängern Bert Schopen und Dr. Manfred Meier ihren Dank aus und unterbreiteten ihren Mitstreitern einen Vorschlag: „Lasst uns uns nicht aus den Augen verlieren!“

Eine geradezu existenzielle Frage stellten wenig später mit Eva Thürwächter und Winfried Brinkhuis die beiden Jahrgangsstufenleiter: „Was machen wir am Montag?“, so der Hilferuf der beiden Lehrer. „Neben dem Genuss, wieder Zeit für unsere große Pause zu haben, werden wir vor allem eines tun: euch vermissen“, so die Vorhersage des Pädagogen-Duos, das auf ein bis viele Wiedersehen mit seinen Schützlingen hofft. „Wir wünschen euch die Erfüllung eurer Träume“, versicherte Eva Thürwächter. Winfried Brinkhuis schlug in die gleiche Kerbe wie zuvor Rudi Bertram: „Bringt euch in die Gesellschaft ein, damit Freundschaft, Toleranz, Respekt und Liebe die Oberhand behalten!“

Dann folgte die von individuellen Musikwünschen untermalte Ausgabe der Abiturzeugnisse samt Ehrungen für besondere Leistungen und Engagement.

Musikalisch gestaltet wurden Gottesdienst und Feierstunde von unter anderem dem Oberstufenchor, dem Chor der Klassen 5a und 5d, Jakob Schmitz (Trompete), Lukas Servaty (Klavier), Alina Zirmer (Gesang) und Luca Tebben (Gitarre). (ran)