Eschweiler: Pinsel statt Skalpell: Der Chefarzt tauscht den Kittel

Eschweiler: Pinsel statt Skalpell: Der Chefarzt tauscht den Kittel

„Wäre ich nicht Maler, möchte ich Arzt sein”, hat der körperbehinderte französische Post-Impressionist Henri de Toulouse-Lautrec einmal gesagt.

Für Prof. Dr. Hans-Wolfgang Menges, Chefarzt der Klinik für Allgemeine und Thoraxchirurgie am St.-Antonius-Hospital, hat stets das Gegenteil gegolten: „Wäre ich nicht Arzt, möchte ich Maler sein.” Menges wurde beides.

Und beides erfolgreich. Jetzt, mit 62 Jahren, will er sich ganz seiner ersten Liebe widmen: der Kunst. Am Mittwoch nimmt er Abschied: vom St.-Antonius-Hospital, von seiner Klinik, seinen Kollegen und Mitarbeitern.

Leicht fällt ihm das nicht: 15 Jahre lang hat er an der Spitze der Abteilung gestanden, hat sie aus einem Scherbenhaufen zu einer weithin renommierten Klinik aufgebaut. Vier Chefärzte vor ihm überstanden nicht einmal die Probezeit - Menges schon. Und leistete ein ungeheures Stück Arbeit, um das Vertrauen von Patienten für die darniederliegende Abteilung mit kaum 50 Prozent Belegung zurückzugewinnen und sie zu einer topmodernen, leistungsfähigen Klinik zu machen. Mit sehr gutem Ergebnis, wie heute allgemein konstatiert wird.

Wer wie Prof. Dr. Menges täglich um 6.15 Uhr an seinem Arbeitsplatz erschien, um meist erst gegen 19 Uhr wieder nach Hause zu fahren, dem wird der Mitarbeiterstamm Familie. „Da herrscht großes Vertrauen untereinander”, lobt Menges seine rund 50-köpfige Crew. Überhaupt habe sich auch das Verhältnis der Ärzte untereinander in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, da werde bestens zusammengearbeitet. „Für die Patientenversorgung ist das immens wichtig”, weiß Menges.

Weniger zufrieden ist Prof. Dr. Menges mit anderen Entwicklungen im Gesundheitswesen und im Hospital: Zwischen 50 und 60 Prozent seiner stattlichen Wochenstundenzahl verbrachte er am Ende mit Verwaltungstätigkeiten, und die waren so gar nicht „sein Ding”.

Und dies ist auch ein Hauptgrund, weshalb er nun um seinen Abschied gebeten hat: „Die durch die Gesundheitsreform eingetretenen ökonomischen Bedingungen bereiten mir auch ethische Probleme”, sagt Menges. „Wenn Geld über medizinische Erfordernisse regiert, habe ich mit meinem Ausbildungskonzept, mit der Art, wie ich Medizin betreiben wollte, enorme Schwierigkeiten.”

Den Chirurgen-Kittel hängt er nun an den Nagel, um seine Zeit im Malerkittel zu verbringen. Seit zehn Jahren unterhält der Wahl-Aachener ein Atelier im Soerser Sonnenweg. Chefarzt ade - eine leitende Position aber bekleidet er auch weiterhin: Vor drei Monaten wurde Professor Dr. Menges zum Vizepräsidenten der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen, kurz EVBK, gewählt, der rund 300 Künstler angehören.