Pilotprojekt in Eschweiler: Wasserwege an Blausteinsee und Omerbach

Pilotprojekte an Eschweiler Gewässern : Wasserwege entstehen an Blausteinsee und Omerbach

Eschweiler hat wassertechnisch einiges zu bieten: Die Inde, der Blausteinsee sowie der Omerbach sind die bekanntesten Gewässer auf dem Stadtgebiet. Damit diese mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken, haben die Naturfreunde ein besonderes Projekt gestartet.

An den drei wichtigsten Gewässern entstehen in den kommenden Monaten sogenannte „Wasserwege“, die die Bürger für die Natur sensibilisieren sollen. Ein Wasserweg wird um den Blausteinsee führen, ein weiterer entlang Omerbach und Inde. Dort können Wanderer und Spaziergänger dann eine Menge über die Gewässer erfahren.

„Das hier ist ein einmaliges Projekt“, sagt Leo Gehlen, Vorsitzender der Naturfreunde Eschweiler. Er ist einer der Initiatoren des überregionalen Projekts „Wasserwege der Naturfreunde NRW“. Die Idee sei daraus entstanden, dass man als Landesverband das Gefühl gehabt habe, zu wenig für das Thema Wasser zu tun, erinnert sich Gehlen. So seien er und einige seiner Kollegen bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung des Landes NRW vorstellig geworden, um für die Idee zu werben. „Relativ schnell haben die Gesprächspartner der Stiftung erkannt, dass es solch ein Projekt noch nicht gibt“, erzählt Gehlen.

Nach weiterer Ausarbeitung habe man schließlich die Fördermittel der Stiftung für einen Zeitraum von zwei Jahren erhalten. „In diesem realisieren wir NRW-weit fünf bis sieben Wasserwege, die als Pilotprojekte dienen“, sagt Gehlen stolz. Zwei davon werden nun in seinem Heimatverein Eschweiler fertiggestellt. Dafür hat er sich ein Projektteam zusammengestellt, dem außer ihm selbst noch Angelika Köhler, Herta Spork, Albert Borchardt, Theo Herwarts und Manfred Mohr angehören. Darüber hinaus steht ihnen Franz Hirtz vom Eschweiler Geschichtsverein zur Seite. Hauptamtlicher Leiter des Projekts ist Markus Maaßen.

Gewässer mit App interaktiv entdecken

Maaßen kennt die Kernpunkte des Projekts genau und freut sich bereits auf die Umsetzung. „Die Menschen vor Ort sollen auf die tollen Gewässer vor Ort aufmerksam gemacht werden“, erklärt er, „außerdem wollen wir auch besonders junge Menschen ansprechen.“ Dafür habe man ein Konzept entwickelt, das nicht nur die klassischen Infotafeln am Ufer umfasst, sondern auch darüber hinausgehende Angebote. Dazu zählen unter anderem interaktive Angebote wie eine App und Aktivitäten vor Ort. „Wir wollen den Weg ganz konkret am Leben halten“, gibt Maaßen als Ziel vor.

Die kostenlose App „Actionbound“ werde bereits beim ersten nordrhein-westfälischen Wasserweg in Düsseldorf eingesetzt und gut angenommen. Sie ist von Naturerlebnispädagogen entwickelt und sehr spielerisch angelegt, sodass sie sich auch für Schulkinder eignet. Unter anderem erhält man mit einem QR-Code weiterführende Infos und Grafiken, die auf der Infotafel keinen Platz gefunden haben. Man kann aber auch ein Quiz spielen oder an Rallyes teilnehmen.

„Das Ganze ist kurzweilig gestaltet und soll die Menschen anregen, sich mit dem Thema Wasser auseinanderzusetzen“, erklärt Maaßen. Man wolle dies und mögliche Probleme nicht mit erhobenem Zeigefinger aufzeigen, sondern die Menschen mit Geschichten emotional abholen. Dazu gehören auch Infotafeln, die aus der Perspektive der Tiere geschrieben sind. Zum Beispiel berichtet ein Küken von seinen Erfahrungen mit Hunden.

Omerbach und Blausteinsee ausgewählt

In Eschweiler hat man sich für die beiden Gewässer Blausteinsee und Omerbach entschieden – letzterer in Verbindung mit der Inde. Zwei Projekte zu realisieren, war jedoch zu Beginn gar nicht geplant. „Düsseldorf hat mit dem Unterbacher See und dem Elbsee als erstes ein Seeprojekt in die Tat umgesetzt, deshalb haben wir uns für ein Bachprojekt entschieden“, erzählt Leo Gehlen. Relativ schnell sei man auf den Omerbach gestoßen. „Es handelt sich um ein Gewässer, das bei den Menschen in Vergessenheit geraten ist“, sagt Maaßen. Es sei aber sowohl aus ökologischer als auch wirtschaftlicher Sicht ein interessanter Bach. Die Industriegeschichte und die Siedlungsentwicklung seien nur zwei Schwerpunkte, die auf dem 13 Kilometer langen Wasserweg behandelt werden.

„Beim Omerbach steckt auch sehr viel Geschichtliches drin“, behauptet Gehlen und hebt noch einmal die Bedeutung von Franz Hirtz hervor. Er habe über den Eschweiler Geschichtsverein viele Einblicke in vergangene Tage ermöglicht. Außerdem stellte er alte Ansichtskarten und Fotos für Infotafeln zur Verfügung.

Am 18. Juni erfolgte die erste Begehung der Projektgruppe, die den gesamten Wasserweg bereits mehrfach abgelaufen ist. Es wurde über geeignete Themen und Standorte diskutiert und die genaue Strecke festgelegt. In diese ist auch der Bahnhof Weisweiler integriert, der als einer von zwei Startpunkten fungiert. Auf der anderen Seite bildet der Wanderparkplatz Buche 19 in Gressenich den Startpunkt.

Herta Spork, Albert Borchardt, Angelika Köhler, Markus Maaßen, Leo Gehlen, Franz Hirtz und Theo Herwarts (v.l.) bilden das Projektteam. Es fehlt Manfred Mohr. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Die Umsetzung des Wasserweges am Omerbach war alles andere als leicht. Die Verantwortlichen mussten mehrere Kommunen mit ins Boot holen und auch den Wasserverband Eifel-Ruhr ansprechen. Außerdem liegen einige Teilstücke des Omerbachs auf Privatgelände oder verlaufen sogar unterirdisch durch Rohre. Letztlich konnten aber alle Probleme aus der Welt geschafft werden.

Aufgrund freier Kapazitäten entschieden sich die Naturfreunde dann noch für ein zweites Projekt: den Blausteinsee. Mit seiner besonderen Vergangenheit als ehemaliger Tagebau Zukunft ist er prädestiniert für einen Wasserweg. So soll selbstverständlich die Geschichte des Sees, aber auch damit einhergehende Phänomene wie Frischluftschneisen oder Wasserqualität behandelt werden. Der Weg wird auf der Strecke des bereits vorhandenen Rundweges verlaufen, ergänzt um eine Erweiterung zur Gedächtniskapelle Lohn.

„Neben den klassischen Wegen haben wir auch überlegt, was es hier sonst noch zu sehen gibt“, sagt Gehlen. So solle Variabilität für den Nutzer geschaffen werden. „Wir wollen unseren Rundweg nicht isoliert betrachten, sondern ihn mit bestehenden Angeboten vernetzen“, erklärt er.

Angst vor Vandalismus

Die Eröffnung der beiden Wasserwege ist für das kommende Frühjahr geplant. Bis dahin müssen noch die Tafeln und Flyer gedruckt und in Eigenregie aufgestellt werden. Auch für Sponsoren sind die Ehrenamtler dankbar. „Im Endeffekt sprechen wir von einem Gesamtinvest zwischen 9000 und 10.000 Euro“, sagt Gehlen. Zwar übernehme die Stiftung einen Großteil, es bleibt aber trotzdem noch etwas offen. Er ist aber zuversichtlich, dass die Kosten gedeckt werden können.

„Das einzige, was uns ein bisschen Sorgen macht, ist Vandalismus“, gibt er zu. Gehlen appelliert an die Menschen, ab dem kommenden Jahr ein Auge auf die Tafeln zu halten und diese dankbar anzunehmen.

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