Pflegeberatung der Städteregion Aachen: Stephan Löhmann informiert

Beratungsangebot der Städteregion : Wenn Angehörige die Aufgabe der Pflege übernehmen

Benno Hermanski ist aufgrund schwerer Rückenprobleme körperlich sehr eingeschränkt. Seine Lebensgefährtin pflegt ihn zu Hause. Doch welche Angebote gibt es? Das wussten beide lange nicht. Bis sie Stephan Löhmann von der Pflegeberatung der Städteregion Aachen um Hilfe gebeten haben.

Es begann alles im Jahr 2009, als Benno Hermanski zunehmend mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte. Der heute 84-Jährige litt unter starken Schmerzen, suchte viele Ärzte auf, bis er schließlich bei einer Schmerztherapeutin landete, die ihm kurzfristig helfen konnte. Doch Hermanski braucht immer wieder Unterstützung im Alltag, die er von seiner Lebensgefährtin Käthe Kaulen erhält. Sie pflegt ihn. Einen Pflegegrad hat Hermanski aber erst seit knapp anderthalb Jahren. Denn viele Dinge rund ums Thema Pflege waren den beiden Senioren lange nicht klar. Geholfen hat ihnen Stephan Löhmann. Er ist zuständig für die Pflegeberatung der Städteregion Aachen.

„Knapp 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause ambulant versorgt, 59 Prozent von ihnen ausschließlich von Angehörigen“, berichtet Löhmann. Das sei eine „sehr hohe Zahl“, die seit Jahren weiter steige. „Hier gibt es eine große Informationsproblematik, denn oftmals wissen die Angehörigen gar nicht, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.“

Dazu gehört erst einmal die Beantwortung der Fragen, wann Menschen pflegebedürftig sind und welche Unterschiede es gibt. Seit 2017 wird das in fünf Pflegegrade unterteilt, nicht mehr in Pflegestufen. Nachdem ein Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist, kommt der medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und bewertet die Lage vor Ort. Dazu ziehen die Gutachter sechs Kategorien hinzu: Mobilität, Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Probleme, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. „Alle diese Dinge beziehen sich wirklich auf die selbstständige Bewältigung des Lebens, die Hauswirtschaft spielt bei der Feststellung der Pflegegrade keine Rolle“, stellt Löhmann klar.

In allen Modulen bewerten die Mitarbeiter des MDK die Situation der mutmaßlich pflegebedürftigen Person nach einem Punktesystem. So ist es Mitte 2018 auch bei Benno Hermanski geschehen. Erst hat man ihn dem Pflegegrad 1 zugeordnet. Doch in der Beratung mit Stephan Löhmann wurde langsam klar, dass diese nicht mehr ausreicht. „Am Anfang war es nicht so schlimm, aber das ändert sich von Monat zu Monat. In der letzten Zeit haben die Beschwerden schon zugenommen“, berichtet Benno Hermanski.

Das 15-seitige Gutachten des MDK bescheinigt ihm seit August Pflegegrad 3. Bei den geistigen Modulen hat er zwar überall Null Punkte – also die beste Bewertung –, dafür ist er aufgrund seiner Rücken- und Knieprobleme körperlich eingeschränkt. Hermanski braucht zum Beispiel Hilfe beim Essen und Waschen, Treppen kann er kaum noch gehen. „Es gibt sehr viel Unwissen, wie dieses Begutachtungsverfahren funktioniert“, erklärt Löhmann. Es existiere zum Beispiel auch der Irrglaube, dass nur geistig erkrankte Menschen wie Demenzkranke einen Pflegegrad erlangen. Das stimme nicht.

Wenn man erst einmal einen Pflegegrad zugewiesen bekommen hat, kommt die nächste Hürde: der Pflegeantrag. Auch dabei gebe es häufig Unsicherheiten. Nach der Bewilligung sei es zudem wichtig, die Möglichkeiten zu kennen. Denn es gibt nicht nur Zuschüsse für pflegende Angehörige oder einen Pflegedienst. Auch Tagespflege oder Verhinderungspflege seien abgedeckt. „Damit kann ich Entlastung für die pflegenden Angehörigen schaffen“, erklärt Löhmann.

Beratung hilft beim Wunsch, zu Hause wohnen zu bleiben

Im Fall von Benno Hermanski und Käthe Kaulen ist das noch nicht nötig. Die 82-Jährige kümmert sich liebevoll um ihren Lebensgefährten. Der ist mehr als dankbar für ihre Pflege: „Ich kann ihr ein Zeugnis ausstellen: Sie macht das alles sehr gut. Besser geht es nicht“, sagt er zu seiner Lebensgefährtin. Und seinen Humor hat er trotz seiner körperlichen Einschränkungen auch nicht verloren. Wenn Käthe Kaulen bald operiert werden muss, weiß Hermanski schon eine Lösung für die Zeit ohne seine persönliche Pflegerin: „Da fliegen wir nach Mallorca, oder Herr Löhmann?“, fragt er lachend.

Die Beratung schätzen beide sehr. „Wenn irgendetwas sein sollte, haben wir jemanden, an den wir uns wenden können. Das ist für den Notfall gut zu wissen“, sagt Käthe Kaulen. Die beiden wollen so lange zusammen in ihrer Wohnung bleiben wie es geht. Das sei der weit verbreitete Wunsch, wie Löhmann weiß. Dabei hilft er seit 20 Jahren.

Mehr von Aachener Zeitung