Eschweiler-Dürwiß: Pfarrer Schmitz verabschiedet sich mit seiner 57 Jahre alten ersten Predigt

Eschweiler-Dürwiß : Pfarrer Schmitz verabschiedet sich mit seiner 57 Jahre alten ersten Predigt

Kurz vor dem Ende ließ Valentin Schmitz die Bombe platzen: „Diese Predigt habe ich vor 57 Jahren schon einmal gehalten.“ Fast sechs Jahrzehnte zuvor, bei seiner Ordination zum evangelischen Pfarrer in Weisweiler, schon einmal derselbe Text — erheblicher länger als heute übrigens. Die erste Predigt sollte für den gebürtigen Niederrheiner Schmitz auch die letzte sein.

Mit einem Gottesdienst in der Dürwisser Kreuzkirche haben die Gläubigen den inzwischen 85-Jährigen aus dem aktiven Dienst am Wort Gottes in der Gemeinde verabschiedet.

Wenngleich die Gläubigen von nun an auf Schmitz‘ Dienste in der Kirche und bei Hausbesuchen verzichten müssen: Wolfgang Leithner, der Nachfolger von Schmitz an den beiden Predigtstätten in Weisweiler und Dürwiß, hatte für die Teilnehmer am Gottesdienst zur Verabschiedung direkt auch ein Trostpflaster parat: „Wir verabschieden ihn ja nicht aus unserer Mitte, sondern nur aus dem Predigtdienst — Du bist ja weiter unter uns.“

Auf die menschlichen Qualitäten des Gottesmannes, der aus dem Ort Weeze stammt, werden seine Mitchristen also auch weiter nicht verzichten müssen. Trotzdem: Bei den Dankesworten kurz vor dem abschließenden Amen musste dann aber der eine oder die andere eine Träne verdrücken. Ihrerseits haben auch die evangelischen Christen Valentin Schmitz den endgültigen Ruhestand (eigentlich wurde er schon vor 21 Jahren pensioniert) versüßt — und zwar durch eine CD mit Liedern von Paul Gerhardt.

Worauf es ihm in seiner Verkündigungsarbeit ankam: Das verriet der Mann im Mittelpunkt des Interesses mit seiner wiederholten Predigt. Soziale Fragen stehen ganz obenan, denn: „Gott wartet auf die Armen und Gehetzten — Ihnen schließt er den Himmel auf“, folgerte Schmitz aus dem zuvor verlesenen Bericht des Evangelisten Lukas. Realismus folgt gleich auf das Soziale: „Die sich hier um Jesus drängen, sind ganz normale Menschen.“ Diese Realität wirkt mitunter nicht nur für den Pastor drastisch: „In unserer Geschichte stinkt es nach Schweiß und Fisch.“

Hingabe folgt auf Schmitz‘ Skala bald darauf: „Wen Jesus einmal in Beschlag genommen hat, den lässt er nicht wieder los.“ Zeitlose Gedanken, zeitlos wie die Predigt selbst.