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Altenberger Dom : Persönliche Führung durch eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt

Altenberger Dom : Persönliche Führung durch eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt

Der Altenberger Dom, nicht weit von Leverkusen entfernt in einem idyllischen Tal gelegen, gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt. 40 Besucher aus Eschweiler lernten diesen Dom jetzt besser kennen als gewöhnliche Gäste.

Denn sie wurden begleitet von Thomas Richter, Pfarrer der Eschweiler Evangelischen Gemeinde. Richter war früher fünf Jahre lang Pastor am Altenberger Dom und kennt Anekdoten, die sonst kein Domführer erzählt.

 Ein Symbol für das ökumenische Miteinander, das nicht nur den Altenberger Dom, sondern auch das Erzählcafé der Evangelischen Gemeinde prägt, ist dieses Kunstwerk von Werner Franzen: Jesus beugt sich von Kreuz und umarmt sowohl Martin Luther als auch Bernhard von Clairvaux.
Ein Symbol für das ökumenische Miteinander, das nicht nur den Altenberger Dom, sondern auch das Erzählcafé der Evangelischen Gemeinde prägt, ist dieses Kunstwerk von Werner Franzen: Jesus beugt sich von Kreuz und umarmt sowohl Martin Luther als auch Bernhard von Clairvaux. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Es war ein Jubiläumsausflug. Seit 15 Jahren gibt es das Erzählcafé der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, geleitet von Marlene von Wolff, die auch diese Fahrt nach Altenberg organisierte. Pfarrer Richter bedankte sich mit einem Blumenstrauß für ihren unermüdlichen Einsatz.

Dome sind in der Regel Bischofssitze und liegen mitten in der Stadt, wie zum Beispiel der Kölner Dom oder der Dom von Speyer. Beim Altenberger Dom ist das anders. Er war die Kirche eines abgeschiedenen Zisterzienserklosters, das reich genug war, im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Hochgotik, seine romanische Kirche durch ein monumentales, lichtdurchflutetes Gotteshaus zu ersetzen.

Berühmt ist der Bergische Dom, wie der Altenberger Dom auch oft genannt wird, durch zwei Attraktionen: Durch das Westfenster, das es schon seit dem Jahr 1390 gibt, und durch seine Orgel, die es erst seit 1980 gibt.

Das Westfenster gilt als das größte gotische Bleiglasfenster nördlich der Alpen. Es ist acht mal 18 Meter groß und stellt das himmlische Jerusalem dar. Domführerin Katrin Riebe erläuterte den Eschweiler Besuchern Aufbau und Symbolik des Fensters. Die Kirche selber stellt das Zelt Gottes auf Erden dar — wer nach oben schaut, der sieht, wie sich Baldachin an Baldachin reiht. Das Westfenster zeigt, was die Christen nach ihrem Tod erwartet: eine himmlische Heimstatt für ihre Seelen. „Sorget nicht“, lautet die Botschaft, „da oben werden wir uns alle wiedersehen“. Dass der Meister dieses Kirchenfensters ganz besonders an alle Nachgeborenen gedacht hat, auch die heute lebenden Menschen, erkennt man daran, dass er jeden zweiten Architekturbaldachin noch freigelassen hat. Riebe: „Suchen Sie sich da schon mal Ihr Stübchen aus.“

Besonders deutlich wird diese Botschaft im Winter. Wenn das Kircheninnere schon im Dunkel liegt und das himmlische Jerusalem in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne noch einmal golden aufleuchtet, fühlt man sich der Ewigkeit fast schon zugehörig.

Die Orgel des Altenberger Doms wurde 1980 gebaut von der renommierten Bonner Orgelbau-Firma Klais. Von Klais sind auch die Orgeln im Aachener Dom, in der Kölner Philharmonie und in der neuen Hamburger Elbphilharmonie, „aber die im Altenberger Dom ist natürlich viel größer“, sagte Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner mit einem Schmunzeln, der eigens für die Eschweiler Besucher diese Orgel vorführte. Sie ist hoch wie ein vierstöckiges Haus, wiegt 30 Tonnen und hat 6400 Orgelpfeifen.

Die größte ist 11,80 Meter hoch, die kleinste nur wenige Millimeter, „etwa wie ein Gummibärchen“. Einen „Ferrari unter den Orgeln“ hatte Pastor Richter bei der Begrüßung der Erzählcafé-Mitglieder dieses Instrument genannt, und es sei verständlich, wenn Organisten mit einem solchen Ferrari nicht nur 50 oder 90 Sachen fahren möchten, sondern auch einmal so richtig Gas geben. Richter erinnerte sich mit Vergnügen daran, wie bei Trauungen dann „die Bräute zusammenzuckten, wenn die Orgel einsetzte“.

„Richtig Gas geben“ tat dann auch Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner bei seiner Vorführung der Orgel. Als er zum Schluss einer Toccata voll in die Tasten griff und die Orgel losdonnerte, hielten sich einige Besucher die Ohren zu.

Der Bergische Dom hat eine weitere Besonderheit. Er ist eine Simultankirche, also ein Gotteshaus sowohl für die katholische als auch für die evangelische Gemeinde des Ortes Altenberg. Deutschlandweit gibt es nur 70 Simultankirchen — eine davon ist St. Barbara in Eschweiler.

In Altenberg hat König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen dafür gesorgt, dass beide Konfessionen sich diesen Dom teilen. Das Gebäude war damals preußisches Eigentum, heute gehört es dem Land Nordrhein-Westfalen. Eine räumliche Trennung innerhalb des Domes schloss der König aus und befahl eine zeitliche Aufteilung. Und daher ist seit rund 160 Jahren der Altenberger Dom von 8 bis 10 Uhr evangelisch, von 10 bis 12 Uhr katholisch, von 12 bis 15.30 Uhr evangelisch und anschließend dann wieder katholisch. Alle für eine Gemeinde notwendigen Einrichtungen gibt es daher auch doppelt. Es gibt zwei Dom-Organisten, zwei Chöre, zwei Küster. Und vor dem Westportal stehen auch zwei Ankündigungstafeln der beiden Pfarrgemeinden.

Früher allerdings waren die Evangelischen und die Katholiken wie Hund und Katz, erzählte Pastor Thomas Richter. Da wurde geschaut, dass die Benutzungszeiten auf die Minute eingehalten wurden. Richter: „Immer wenn evangelische Zeit war, hat die katholische Gemeinde das Sakramentshaus leer geräumt und das Allerheiligste in die Sakristei gebracht. Die Evangelischen haben sich dann damit revanchiert, dass sie zweimal am Tag die Kerzen vom Marienaltar ausgepustet haben.“

Dass diese Zeiten vorbei sind und das ökumenische Miteinander gut funktioniert, wird auch durch ein Kunstwerk dokumentiert, eine 1987 geschaffene Bronze von Werner Franzen im Seitenschiff: Jesus beugt sich vom Kreuz herab und umarmt gleichzeitig die beiden Kreuzestheologen Martin Luther und Bernhard von Clairvaux, den Gründer des Zisterzienserordens.

Für eine kurze Zeit wurde dann Pfarrer Richter wieder zum Geistlichen des Altenberger Doms. Er hielt die Mittagsandacht, das Altenberger Mittagsgebet, für alle Besucher.

Abschluss des Jubiläumsausflugs für die Teilnehmer des Erzählcafés war eine Bergische Kaffeetafel in einem nahe gelegenen Restaurant.