Eschweiler: Perle der Oberpfalz sucht Schulterschluss: Sulzbach-Rosenberg will Partnerschaft

Eschweiler : Perle der Oberpfalz sucht Schulterschluss: Sulzbach-Rosenberg will Partnerschaft

517 Kilometer sind es von Eschweiler aus. Sechs Stunden Fahrt über Frankfurt, Würzburg, vorbei an Nürnberg. Dann ist man in Sulzbach-Rosenberg. Eine Stadt, die einiges zu bieten, aber noch keine einzige Städtepartnerschaft hat. Das soll sich bald ändern.

In dieser Woche sah sich eine Eschweiler Delegation in der 20.000-Einwohner-Stadt in der Oberpfalz um. Neben Bürgermeister Rudi Bertram und dessen Büroleiter und Pressesprecher René Costantini waren für die SPD-Fraktion Peter Kendziora und Frank Wagner, für die CDU Thomas Graff, für Linke und Piraten Albert Borchardt nach Bayern gereist, um mit Sulzbach-Rosenbergs Erstem Bürgermeister Michael Göth, dessen Vertreter, Vertretern der Fraktion und des Hauptamtes Möglichkeiten einer von Sulzbach-Rosenberg gewünschten Partnerschaft auszuloten.

Ehemaliger Maxhütte-Standort schafft den Sprung von 18 Prozent Arbeitslosigkeit zur Vollbeschäftigung. Foto: imago/blickwinkel

Kontakte zwischen beiden Städten gibt es seit langem: Sulzbach-Rosenberg war der Sitz der Maxhütte, zu der einst auch das Eschweiler Röhrenwerk gehörte. Aus dieser Zeit datiert auch die Verbindung der Pumpe-Sticher Narrenzunft mit der Sulzbach-Rosenberger KG Knappnesia.

Wenn auch die Einwohnerzahl der Stadt im Landkreis Amberg-Sulzbach nicht mit der Eschweilers zu vergleichen ist, Gemeinsamkeiten gibt es genug. Eisenerzbergbau, Eisen- und Stahlerzeugung dominierten jahrzehntelang — bis 1977 — das wirtschaftliche Geschehen. 1987 geriet die Maxhütte zum ersten mal in Insolvenz, 2002 folgte das endgültige Aus.

Ein Aus, das auch zahlreiche Handwerksbetriebe in der Region schwer traf — so wie rund um Eschweiler zahlreiche Zulieferer vom RWE-Kraftwerk Weisweiler abhängig sind. Die Folge: Arbeitslosigkeit in enormer Höhe, zwischen 15 und 18 Prozent. Doch der Strukturwandel gelang. Heute kann die Stadt sich über Vollbeschäftigung freuen; die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent. Und: Sulzbach-Rosenberg ist die einzige Kommune in der Oberpfalz, die mehr Einpendler als Auspendler hat.

„Das Aus der Maxhütte bedeutete das Aus für immens viele Arbeitsplätze. Dennoch hat Sulzbach auch zu Zeiten, wo keine Steuern flossen, investiert und sich damit verschuldet. Jetzt erntet es die Früchte“, berichtet Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram.

Im Rahmen der Strukturförderung, so erfuhr die Eschweiler Delegation, konnten zahlreiche neue Gewerbegebiete mit einem guten Branchenmix geschaffen werden. Der größte Arbeitgeber in der Stadt hat 1300 Mitarbeiter; 500 Mitarbeiter sind in der Metallverarbeitung ehemalige Maxhütte tätig, 260 in der Stadtverwaltung.

Dass Sulzbach-Rosenberg eine überaus sichere Stadt ist, hat sie nicht zuletzt der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern - Fachbereich Polizei, zu verdanken. Hier werden 1300 Polizei-Azubis ausgebildet. Daneben sind auch alle weiteren Schulformen in Sulzbach vorhanden.

Historische Altstadt

Gestern konnten die Indestädter sich bei einer Stadtführung ein Bild von dem Ort machen, den es bereits seit 1100 Jahren gibt und der auf eine entsprechend reichhaltige Geschichte zurückblicken kann. Geschichte, von der nicht nur das Sulzbacher Schloss, sondern auch das historische Rathaus, 1456 bis 1466 im spätgotischen Stil erbaut und bis 2004 modernisiert, zeugt.

Gemeinsamkeiten haben Sulzbach und Eschweiler nicht nur in Sachen Strukturwandel, Wie die Indestädter feiern auch die Sulzbacher gerne. Von Mitte August bis in den September reicht die Kirchweihzeit, der Stadt, die über zahlreiche kulturelle Einrichtungen verfügt — darunter ein städtisches Museum, ein Synagogenmuseum und das erste bayerische Schulmuseum.

Und da Sulzbach nicht nur die KG Knappnesia hat, sondern rund 200 (!) weitere Vereine, dürften auch da vielfältige Gemeinsamkeiten Kontakte zu Eschweiler Vereinen nahelegen, so Bertram.

Dessen Amtskollege Michael Göth war bereits im Januar in Eschweiler, um die Fühler in punkte Partnerschaft auszustrecken. Der jetzige Gegenbesuch, so bilanziert Rudi Bertram, war „sehr angenehm“ — sicher nicht nur der guten pfälzischen Küche wegen. Großer Wunsch beider Bürgermeister ist es, die Verbindungen zu stärken und zu einer Städtepartnerschaft zu entwickeln.

Damit werden sich nun erneut die Fraktionen der Städte sowie letztlich die Stadträte befassen. In der Stadtratssitzung am 20. Juni will Rudi Bertram die Stadt in der Oberpfalz und ihre Partnerschaftsbestrebungen den Kommunalpolitikern vorstellen. „Bis Ende des Jahres sollten wir dann soweit sein, das Ganze in eine offizielle Form zu bringen“, so der Bürgermeister.

Wenn Sulzbach-Rosenberg auch bis dato keine offizielle Partnerschaft unterhält, so doch eine Patenschaft: zu dem Minenjagdboot der Bundeswehr, das den Namen der Stadt trägt.

Sulzbach liegt übrigens wenige Kilometer südlich von Bayreuth. Ob das allerdings zu einer Befruchtung der umtriebigen Eschweiler Kulturszene beiträgt, darf bezweifelt werden.