Pendler in Eschweiler: Tägliche Odyssee zum Arbeitsplatz

Pendler in Eschweiler : Die tägliche Odyssee zum Arbeitsplatz

Der Trend zu getrennten Arbeits- und Wohnorten setzt sich auch 2017 fort. Mehr als die Hälfte der Eschweiler Bürger pendelten täglich in eine andere Stadt, um dort zu arbeiten. Doch umgekehrt arbeiten auch viele Menschen in der Indestadt, die in einem anderen Ort wohnen.

Zwei von ihnen sind Simon Thiem und Nora Lötters-von der Mühlen, beide angestellt beim St.-Antonius-Hospital. Sie pendeln täglich mit dem Zug von Köln aus nach Eschweiler. Etwa eine Stunde von Tür zu Tür macht das für die Assistentin der Pflegedirektion, 90 Minuten braucht der Assistent der Geschäftsleitung.

Der 27-Jährige kommt ursprünglich aus Düren, was als Nachbarstadt von Eschweiler den deutlich kürzeren Arbeitsweg bedeutet hätte. Gemeinsam mit seiner Freundin ist Thiem aber nach Köln gezogen, da er damals in Düren und sie in Düsseldorf gearbeitet hat. „Das war für uns die perfekte Mitte und eine Wunschlösung“, erzählt er. Seit fast zwei Jahren bewältigt er nun eben den Weg bis Eschweiler, also zwei Bahnstationen weiter als bis nach Düren. Ein Auto zur Verfügung hat er nicht, im Grunde sei das aber auch kein großer Unterschied: „Viel Zeit zum Einsparen gibt es vor allem im Feierabendverkehr nicht.“

Sein Wohnort in der Kölner Südstadt ist sowohl morgens als auch nachmittags zu den Berufsverkehrszeiten überfüllt. Deshalb nimmt Thiem lieber die Straßenbahn, mit der er zum Kölner Hauptbahnhof fährt. Dort steigt er dann in den Regionalexpress Richtung Aachen, immer um 6.47 Uhr. Abends kommt er gegen viertel nach sechs wieder zu Hause an.

Auch Eschweiler ist Ziel und Ausgangspunkt vieler Pendler. Foto: grafik

Etwas früher verlässt Lötters-von der Mühlen das Haus. „Ich habe das Glück, dass ich in Ehrenfeld wohne und dort direkt in den RE einsteigen kann“, erzählt sie. Um 6.20 Uhr steht sie jeden Morgen am Gleis, um gegen kurz nach sieben ihren Dienst im Krankenhaus anzutreten. „Arbeitsbeginn ist eigentlich um 7.30 Uhr, aber das haut mit der Bahn nicht hin“, sagt die 29-Jährige. Deshalb komme sie lieber etwas früher als eine Viertelstunde zu spät. „Das finde ich ehrlich gesagt weniger stressig.“

Grundsätzlich ließe sich im St.-Antonius-Hospital aber auch über alles reden. Besonders, wenn die Bahn mal wieder streikt oder Züge ausfallen, ist der Arbeitgeber flexibel. „Das neue Jahr ist bisher erstaunlich gut gestartet, aber das ist nicht immer so“, weiß Lötters-von der Mühlen. Morgens früh laufe es eigentlich meistens gut, dann seien 20 Minuten Verspätung schon viel. „Nachmittags sind 30 bis 40 Minuten Verspätung aber völlig normal, das zehrt schon an den Nerven.“

Die schlimmste Beeinträchtigung sei der Schienenersatzverkehr (SEV) in den Sommerferien gewesen, da hätte sie bis Düren mit dem Zug fahren müssen, um dort in den SEV-Bus nach Langerwehe zu steigen – nur um dann für eine Station wieder mit der Bahn zu fahren. „Das habe auch ich dann nicht mitgemacht, in der Zeit bin ich Auto gefahren“, berichtet sie. Auch die Züge im Sommer seien eine echte Herausforderung. Dafür hat Lötters-von der Mühlen in ihren vier Pendlerjahren aber auch einige nette Bekanntschaften gemacht, denn „man sieht jeden Morgen die gleichen Gesichter“.

Dass Pendeln auf Dauer nicht angenehm ist, darüber sind sich die beiden Kollegen einig. Aber: „Die Arbeitszufriedenheit spielt eine große Rolle“, findet Thiem. Das kann auch die 29-Jährige unterschreiben. „Man ist zwar viel länger unterwegs, aber jobtechnisch ist das hier auf jeden Fall eine Bereicherung“, betont sie. Man müsse eben immer Vor- und Nachteile abwägen.

Eschweiler über dem Durchschnitt

In Nordrhein-Westfalen pendeln im Schnitt 52 Prozent der Erwerbstätigen in eine andere Gemeinde, damit liegt die Indestadt etwas über dem Schnitt. Mit 57,9 Prozent fahren täglich 16.107 Menschen zu ihrer Arbeitsstelle an einen anderen als ihren Wohnort. Die meisten davon fahren nach Aachen (6358), gefolgt von Stolberg, Köln, Düren sowie Würselen (siehe Grafik). Nach Eschweiler kommen 13.404 Menschen, was eine Quote von 53,4 Prozent ausmacht.  Insgesamt sind die Zahlen ansteigend, im Vergleich zu 2016 gab es in Eschweiler einige Ein- und Auspendler mehr. Innergemeindliche Pendler gab es geringfügig weniger.

Auch bei Bahnfahrern ist Eschweiler wie bei Thiem und Lötters-von der Mühlen sehr beliebt. Doch nicht nur aus Köln kommen die Menschen in die Indestadt: Viele Menschen, die aus den umliegenden Gemeinden mit dem Zug nach Köln oder Düren pendeln, nutzen Eschweiler als Umschlagsplatz. Aus Alsdorf und Würselen zum Beispiel fahren einige Leute mit dem Auto zum Eschweiler Hauptbahnhof, um von dort in den Zug Richtung Köln zu steigen. Dementsprechend ist der Park-and-Ride-Parkplatz dort regelmäßig überfüllt, gerade im Moment während der Bauarbeiten.

An der Wardener Straße nahe dem Autobahnanschluss Eschweiler-West gibt es ebenfalls einen Park-and-Ride-Parkplatz. Dort sieht man Fahrzeuge aus Düren, Monschau, Köln, aber auch Belgien. Weitere solcher Parkplätze befinden sich zum Beispiel am Haltepunkt Weisweiler und an der Anschlussstelle Dürwiß/Eschweiler-Ost.

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