Südländer mit rheinischem Frohsinn: Paulo und Pedro Mendes werden Prinzenpaar

Südländer mit rheinischem Frohsinn : Paulo und Pedro Mendes werden Prinzenpaar

Die Idee, Prinz zu werden, hatte Paulo Mendes schon lange — bisher konnte er sie aber noch nicht umsetzen. Als Paulo aber dann mit Christian Leuchter in dessen Prinzenzeit unterwegs war, wusste er endgültig: „Das möchte ich noch machen, bevor ich 50 werde“.

So schrieb er eine Bewerbung an das Karnevals-Komitee, allerdings ohne zu wissen, wer sein Zeremonienmeister werden sollte. Als er seinen Bruder Pedro Mendes fragte, ob er diesen Job übernehmen würde, war dieser dann direkt dabei.

Der designierte Prinz Paulo Mendes ist am 5. Dezember 1970 im Eschweiler Krankenhaus geboren worden, „auf Zimmer 464“, wie er lachend ergänzt. Seitdem er 18 Jahre alt war, also mittlerweile seit fast 30 Jahren, ist er in der KG Blaue Funken Artillerie Eschweiler aktiv. Angefangen hat er 1988 erst einmal mit einem Probejahr, in dem er direkt bei den Fanfarentrompetern Bassposaune lernte. 1989 hat er sich dann der Funkentaufe vollzogen, ehe er ein Jahr später den Namen „Funke Schwades“ erhielt — frei nach dem Motto „Hauptsache alle hören zu“. Im Jahre 1999 wurde er dann zum Tanzoffizier ernannt und tanzte von da an fünf Jahre lang mit seiner Tanzpartnerin Tina Doppelfeld über das Parkett.

Gestrandet in Wattrelos

Sein Bruder Pedro Mendes, zukünftiger Zeremonienmeister, wurde am 6. März 1969 in Lissabon geboren und kam mit närrischen elf Monaten noh Eischwiele. Seine karnevalistische Karriere begann 1992 mit einem Probejahr ebenfalls bei den Blauen Funken Eschweiler. 1993 durfte er direkt mit in Eschweilers Partnerstadt Wattrelos reisen — aber verpasste die Fahrt zurück. Denn als er zum Bus gehen wollte, lief er in die falsche Richtung und stand plötzlich alleine mit zwei Hot Dogs in Frankreich, wie der 49-Jährige sichtlich amüsiert erzählt. Die Fahrtkosten des Taxis von Wattrelos nach Eschweiler beliefen sich schließlich auf 850 Mark.

Diese Geschichte sei typisch für seinen Bruder, sagt Paulo. Auch in der Session geht er davon aus, dass es den ein oder anderen Fauxpas geben wird: „Wir fangen jetzt mit dem Fettnäpfchen-Marathon an!“

Sicherlich werden die beiden aber jegliche Situation mit Humor nehmen, denn das stecke nicht nur in ihrer Natur als Rheinländer, sondern auch als Portugiesen. Einen deutschen Pass haben sie im Übrigen bis heute nicht, offiziell sind sie damit das erste komplett „ausländische Prinzenpaar Eschweilers“, so Paulo Mendes. Hausieren gehen möchten sie damit aber nicht, denn im Karneval komme es auf die Nationalität nicht an. „Wir sind rheinisch karnevalistische Jecke in Eschweiler, wir wollen laut und kunterbunt feiern!“, gibt er die Marschrichtung für die Session vor.

Ein wichtiges Ziel, das sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, ist der Austausch mit ihrem jecken Volk. Vor allem im Internet wollen die beiden außerhalb von Sitzungen und Straßenkarneval mit Karnevalisten kommunizieren. Die Webseite soll aktiv gestaltet werden, und auch in den Sozialen Netzwerken wollen die beiden sich engagieren. „Es birgt zwar auch immer ein gewisses Risiko, da man nie weiß, wie die Leute reagieren“, so der designierte Prinz, „aber wir erhoffen uns, dass es ein interaktiver Austausch wird.“

Den gibt es zweifelsohne auch immer untereinander, das wird schnell klar, wenn man mit den beiden ins Gespräch kommt. Pedro Mendes beschreibt es so: „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber am Ende kommen wir gemeinsam auf den richtigen Weg.“ In diesem Punkt sind sie sich einig, denn Paulo pflichtet ihm bei: „Es gibt immer Knatsch unter Geschwistern, aber wir können das vernünftig ausdiskutieren und eine Lösung finden.“

Dass es während der Session auch mal Stress geben wird, darüber machen sich die beiden weniger Gedanken. „Es wird bestimmt mal einen Lagerkoller geben“, vermutet Paulo, aber Pedro sagt: „Ich habe keine Angst davor, dass der lange anhält.“ Ohnehin freuen sich die beiden auf die Session, denn auch aus ihrer Familie gibt es viel Unterstützung. Pedro hat drei Kinder, die alle karnevalistisch aktiv sind, ebenso wie seine Frau.

Die Eltern der beiden leben noch in Portugal, können mit der Karnevalszeit also nicht allzu viel anfangen. „Unsere Eltern finden das alles dubios“, erzählt Pedro, der schon bald gemeinsam mit seinem Bruder in Strumpfhosen unterwegs sein wird. Dieses Schauspiel lassen sich die Eltern nicht entgehen, sie kommen von November bis zur Kürung und ab Januar für die gesamte Karnevalszeit nach Eschweiler.

Die beiden Brüder stecken schon seit etwa eineinhalb Jahren in den Vorbereitungen für ihre unvergessliche Session. Zum Beispiel haben die beiden passend zu ihrem Motto zwei Lieder bei Ex-Prinz und Inde-Sänger Christian Leuchter in Auftrag gegeben, das Prinzenlied und ein Kinderlied. Orden, Fanschals, Pins und die Winterjacken sind auch schon fertig. Dann wäre da noch die Sache mit den Pagen. Der jüngste Page ist Pedros Sohn Matteo und die älteste Pagin heißt Lilli. Auch der Sohn der Schwester, die ebenfalls in Eschweiler wohnt, wird mit von der Partei sein.

Die kommende Session wird für die beiden Brüder sicherlich unvergesslich, so viel steht jetzt schon fest. Auf Altenheime und Kindergärten freuen sie sich dabei besonders, „wenn da richtig emotionale Gesichter sind und so ein Leuchten in den Augen da ist, das ist einfach wunderbar“, findet Pedro. „Dabei wird auch bestimmt die ein oder andere Träne fließen, denn Pedro ist ziemlich nah am Wasser gebaut,“ sagt Paulo über seinen älteren Bruder. Aber gespannt sind sie eigentlich auf alle Auftritte: „Es wird viele Highlights geben“, ist sich Paulo sicher. Man wisse ja gar nicht genau, was einen erwarte.

Eines ist aber klar: Die Zeit wird zwar sicherlich toll werden, aber auch sehr anstrengend. Einen Plan, wie sie sich dabei fit halten, haben die beiden noch nicht, denn das sei fast unmöglich. Einige Ex-Prinzen hätten ihnen geraten, nach den Auftritten einfach mal eine Tasse Ingwertee zu trinken und außerdem viele Vitamine zu sich zu nehmen. Auf Alkohol wollen sie soweit wie möglich komplett verzichten. Aber der designierte Prinz ist sich bereits jetzt sicher: „Krank wird man auf jeden Fall, die Hitze auf der Bühne und die Kälte draußen sind einfach nicht gut.“

Körperlich fit zu sein, ist für beide ebenfalls wichtig. Pedro geht dafür regelmäßig mit seiner Frau und Söhnchen Matteo wandern. Einmal pro Woche absolviert er etwa 15 bis 20 Kilometer. Als weitere Hobbys sieht er seine Familie sowie Lesen und Kochen. Paulo hingegen ist froh, wenn er einmal nicht unterwegs ist. Wegen der Arbeit ist er bereits in 105 Ländern auf der Welt gewesen, in seiner Freizeit bleibt er deshalb lieber in Deutschland oder besucht seine Eltern in Portugal. Eine Leidenschaft hat er aber doch: Benfica Lissabon. Seinen Lieblingsclub schaut er sich am 27. November in München an, wenn es gegen die Bayern geht.

Besonderer Sessionsabschluss

Auch, wenn die Session noch gar nicht richtig begonnen hat, blicken Paulo und Pedro schon auf den Aschermittwoch. Denn an diesem Tag wird Pedro seinen 50. Geburtstag feiern. „Ich hoffe, da gibt es dann keine Heulerei“, scherzt er. Die Feierei könne dann einfach weitergehen. Bis dahin soll in Eschweiler nach rheinischer Art mit einer Prise südländischem Temperament gefeiert werden. Wie genau das aussehen wird, bleibt bis zur Proklamation eine Überraschung.

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