Eschweiler: Paul-Brief-Stiftungsfonds ermöglicht Urlaub für Behinderte

Eschweiler : Paul-Brief-Stiftungsfonds ermöglicht Urlaub für Behinderte

Sein Vermächtnis lebt fort. Auch 27 Jahre nach seinem Tod. Paul Brief, anerkannter Architekt und Bauingenieur aus Eschweiler mit vielfältigen gesellschaftlichen und sozialen Kontakten und Ambitionen in der Region, gründete nach der Geburt seines geistig behinderten Sohnes mit seinem Privatvermögen den Verein „Rehabilitationszentrum Eschweiler e.V.“, der in einer ehemaligen Schule in Baesweiler eine Einrichtung für psychisch und geistig behinderte Kinder und Jugendliche aufbaute und unterhielt.

In den 80er Jahren, nach Gründung der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW), stellte der Verein seine Arbeit ein. Paul Brief sorgte dafür, dass die Stadt Eschweiler als Treuhänderin das Vereinsvermögen übernahm. Die Erlöse kamen der CBW zugute, die Menschen mit Behinderungen die Teilnahme an Ferienfahrten ermöglichte.

Allerdings: Angesichts der anhaltend gegen Null tendierenden Zinssituation war von Erlösen kaum noch die Rede. Das soll sich nun ändern: Auf Wunsch von Paul Briefs Witwe Hildegard überführt die Stadt das Stiftungsvermögen — gut 53.000 Euro — als zweckgebundene Zustiftung an die Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen. Der Verwendungszweck bleibt derselbe. Allerdings lassen sich mit der Gesamtheit des Caritas-Stiftungsvermögens weit höhere Erlöse erzielen als mit der Brief-Stiftung allein. Der „Paul-Brief-Stiftungsfonds“, so betont Caritas-Stiftungsgeschäftsführer Martin Novak, ist offen für weitere Zustiftungen oder Spenden von Menschen, die sich mit einem Teil ihres Vermögens für Menschen mit Behinderung engagieren möchten.“

Die Erträge aus dem Stiftungsfonds gehen in voller Höhe an den Förderverein der Caritas — „zur Unterstützung von Ferienmaßnahmen für Menschen mit Behinderungen aus der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH Eschweiler“, wie es auf der Urkunde über die Gründung des Stiftungsfonds heißt.

„Uns ist es wichtig, dass dem Wunsch des Stifters auch weiterhin entsprochen wird“, betont Eschweilers Kämmerer Stefan Kaever. „Die CBW ist eine Einrichtung, die seit mehr als 40 Jahren in Eschweiler beheimatet und anerkannt ist. Sie leistet eine im Sinne der Menschen mit Behinderung beispielhafte Arbeit. Die Zusammenarbeit von Stadt und CBW ist über lange Zeit gewachsen und sehr vertrauensvoll.“

Vermittelt zwischen Stadt und Caritas-Stiftung hatte der Geschäftsführer der CBW, Michael Doersch. „Neben der beruflichen Tätigkeit ist es wichtig, freie Zeit selbstbestimmt und positiv gestalten zu können und soziale Kontakte zu vertiefen “, betont Doersch. Zu verreisen ist für Menschen mit Behinderung wichtig, aber weder einfach noch selbstverständlich. „Die Möglichkeit der Teilnahme an Maßnahmen, die über den Förderverein des CBW bezuschusst wird, ist eine wichtige Hilfe.“

Die behinderten Mitarbeiter der CBW bieten Firmen vielfältige Dienstleistungen: von einfachen Recyclingaufgaben über die Herstellung von Medizinprodukten, einen Wäschereiservice, den auch Privatkunden nutzen können, eine Schreinerei, Zulieferungen für die Autoindustrie bis zu Reinigungsservice sowie Garten- und Landschaftspflegearbeiten.

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