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Patrick Nowicki kandidiert als Bürgermeister in Eschweiler

Eschweiler Bürgermeisterwahl 2020 : Patrick Nowicki will vom Beobachter zum Akteur werden

Vor zwei Jahren hat er als Prinz Patrick I. die Stadt unsicher gemacht, jetzt steigt Patrick Nowicki ins Rennen ums Bürgermeisteramt ein. Unterstützt wird er dabei von CDU und FDP, die ihn als gemeinsamen Kandidaten nominiert haben. Im Interview spricht Nowicki über sich, seinen Weg zur Kandidatur und die Vorteile, die ein neutraler Bürgermeister mitbringen würde.

Herr Nowicki, als Karnevalsprinz haben Sie bereits die Narren geführt, jetzt möchten Sie sich in den Dienst der gesamten Stadt stellen. Bringen Sie dafür die nötige Ernsthaftigkeit mit?

Nowicki: Karneval spielt in der Gesellschaft in Eschweiler eine sehr große Rolle. Prinz zu sein, ist eine Sache, bei der man mit vielen Menschen in Kontakt kommt und wo Menschen einen kennenlernen, wie man wirklich ist. Auf der Bühne kann man sich nicht fünfeinhalb Wochen lang dauerhaft verstellen. Aber im Grundsatz hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Karneval ist ein Netzwerk, und ein Bürgermeister muss mit Sicherheit ein gutes Netzwerk in der Stadt haben. Das sind aber zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, die man auch deutlich trennen muss.

Stichwort Netzwerk: Als langjähriger Lokalredakteur kennen Sie die Stadt und haben auch viel Zeit in Ausschüssen und Ratssitzungen verbracht. Würden Sie das als politische Erfahrung bezeichnen?

Nowicki: Ich werde jetzt vom Beobachter zum Akteur. Ich verlasse damit gewissermaßen meine Wohlfühlzone und gehe in eine ganz andere Rolle. Mit Sicherheit hilft es mir, dass ich viel gesehen habe. Ich kenne die handelnden Personen, die politischen Abläufe. Das ist ein riesiger Vorteil. Es wird helfen, aber am Ende ist auch das eine völlig andere Situation für mich, die neu ist und der ich mich stelle. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, ob ich kandidieren möchte. Aber mit der Familie und vielen anderen Leuten bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich für diese Stadt etwas erreichen möchte. Und das kann ich am besten, indem ich selbst Verantwortung übernehme.

Sehen Sie auch Nachteile darin, dass Sie viele Jahre als Lokalredakteur in Eschweiler gearbeitet haben?

Nowicki: Ja, natürlich. Man muss als Redakteur auch dem ein oder anderen auf die Finger klopfen. Diese Aufgabe ist für diesen Beruf ja klar definiert. Der ein oder andere hat vielleicht ein Problem damit, dass ich ihn in der Vergangenheit aus beruflichen Gründen kritisieren musste. Vielleicht fällt es schwer, das heute abzulegen und nicht mit mir zu verbinden.

Was qualifiziert Sie dazu, eine Verwaltung mit knapp 1000 Menschen zu führen?

Nowicki: Erstmal bin ich davon überzeugt, dass man als Bürgermeister einer Stadt wie Eschweiler nicht unbedingt zwingend ein Verwaltungsmensch sein muss. Verwaltungsarbeit in einer Kommune dieser Größe ist so fachspezifisch, dass niemand wirklich in allen Bereichen Kenntnis haben kann. Dafür gibt es viele Fachleute. Ich selbst weiß, dass ich Menschen führen und sie motivieren kann. Das finde ich sehr wichtig. Ich habe aufgrund meines beruflichen Umfelds wahnsinnig viel über den Tellerrand geguckt und gesehen, was andere Kommunen machen und wie andere Verwaltungschefs agieren. Das kann ich gut an der Stelle einbringen. Die deutsche Bundeskanzlerin ist Physikerin, warum kann dann nicht ein Redakteur Bürgermeister werden?

In der Pressemitteilung ist die Rede von einem langen Prozess mit vielen Gesprächen. Wann haben Sie persönlich entschieden, dass Sie für das Bürgermeisteramt kandidieren möchten?

Nowicki: Die ersten Menschen kamen vor knapp drei Jahren schon auf mich zu. Sie haben eher flapsig gefragt: Wäre das nichts für dich? Ich habe das immer weggelächelt. Ich hatte nicht den Karriereplan, Bürgermeister zu werden. Aber diese Menschen waren sehr hartnäckig, und es wurden auch überraschend viele. Intensiver habe ich mich dann in diesem Sommer damit auseinandergesetzt, mit der Familie alles besprochen und die Vor- und Nachteile abgewogen. Nach vielen Vorgesprächen war ich mir vor etwa zwei Monaten sicher: Ja, ich mache das.

Wie ist die Sitzung der CDU am Donnerstagabend verlaufen? Gab es noch andere Kandidaten?

Nowicki: Ich kann so viel sagen: Ich war der einzige Kandidat, der für mich offensichtlich zur Wahl stand. Es gab ja auch das Gerücht, dass Thomas Schlenter es machen möchte. Aber Thomas und ich waren in sehr engem Kontakt. Die Versammlung war sehr ehrlich. Es gab bei allen grundlegenden Überschneidungen unserer Ziele auch kritische Stimmen, die ich nachvollziehen kann. Für ein Selbstverständnis einer Partei wie der CDU ist es natürlich ein Quantensprung, einen neutralen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Umso mehr hat mich dieses sehr positive Ergebnis mit über 90 Prozent gefreut.

Ist es nicht ein Widerspruch, zwar parteilos zu kandidieren, aber anders als Christoph Häfner mit der Unterstützung von zwei Parteien?

Nowicki: Das finde ich nicht. Wenn ich als Bürgermeister gewählt werde, muss ich ja auch mit den Parteien zusammenarbeiten. Ich bin allein aufgrund meines Berufs parteilos, wie es die meisten Eschweiler sind. Deshalb werde ich jeder Partei gleich gegenübertreten. Ich hatte den Eindruck, dass das derzeit nicht der Fall ist. Es ist in jedem Fall ein Vertrauensvorschuss der CDU und FDP, dass sie mich unterstützen und damit auf eine Gegenposition verzichten.

Wenn Sie sagen, dass derzeit schon eine Voreingenommenheit gegenüber den Parteien herrscht, was würden Sie dann anders machen?

Nowicki: Ich habe das Gefühl, langsam muss ein anderer Politikstil kommen. Ich spüre, dass sehr viel Unruhe und Unzufriedenheit herrscht. Das hat nicht nur mit dem Rathaus-Quartier zu tun. Ich glaube, die Menschen heute sind nicht daran interessiert, dass Parteien sich untereinander zanken, sondern sie wollen Lösungen sehen und daran mitarbeiten. Da ist Kommunikation wahnsinnig wichtig, man muss die Menschen mitnehmen. Wenn nicht einer aus der Medienbranche Kommunikation beherrscht, wer dann? Ich sehe mich da als Brückenbauer. Wenn gegenseitig nicht mehr zugehört wird, finde ich das sehr schlimm. Da möchte ich besänftigen und das Beste für die Stadt rausholen. Da ist es mir egal, ob der Vorschlag einen grünen, schwarzen, roten oder gelben Anstrich hat.

Gibt es ein politisches oder gesellschaftliches Vorbild, dem Sie nacheifern?

Nowicki: Es gibt viele Menschen, von denen man sich Gutes abgucken kann. Wenn ich ein Vorbild habe, dann ist es mein Papa. Der hat mir gezeigt, dass man mit Fleiß und ehrlicher Arbeit viel erreichen kann.

Sie haben auch zwei Kinder im Schulalter. Sind Sie der Meinung, dass der Job des Bürgermeisters mit dem Familienleben vereinbar ist?

Nowicki: Es ist jetzt schon so, dass ich durch mein berufliches Umfeld und das Ehrenamt als Karnevalspräsident sehr eingebunden bin. Da sitze ich ja jetzt schon viel in Ausschüssen, und das Zeitfenster, in der mich meine Familie sieht, ist sehr eng. Das würde natürlich nochmal an Fahrt aufnehmen, aber es gibt auch Dinge, da kann die Familie dabei sein. Die freuen sich drauf – und ich mich auch.

Sie sprechen von „Fragen der Zukunft“. Was sind solche für Sie und wie möchten Sie diese angehen?

Nowicki: Die großen Themen wie Digitalisierung und Strukturwandel müssen heruntergebrochen werden auf Eschweiler. Nehmen wir zum Beispiel den Strukturwandel: Wir müssen mehr denn je Kooperationen mit anderen Kommunen eingehen und den Kontakt deutlich intensivieren. Auch der ÖPNV muss angepackt werden, er muss attraktiver gestaltet werden. Ich bin zum Beispiel für ein Cityticket, mit dem die Menschen günstig von St. Jöris bis Weisweiler fahren können. Auch das Thema Sauberkeit muss man nach vorne bringen. Es gibt so viele Themen, aber man muss den Leuten ganz klar erklären, was das für sie vor Ort bedeutet.