Eschweiler: Partnerstädte, die einander weiterhelfen

Eschweiler : Partnerstädte, die einander weiterhelfen

Sie gelten als die größte Friedensbewegung der Welt: Städtepartnerschaften. Weit über 5000 davon gibt es in der Bundesrepublik; weltweit sind es gut 15000. Partnerschaften, die nicht nur Vorurteile ab- und Freundschaften aufbauen helfen, sondern die den Partnern auch wertvolle kulturelle und wirtschaftliche Anschübe geben. Am Sonntag ist „ihr“ Tag: Der 29. April ist der Welttag der Partnerstädte.

Bereits seit 1975 pflegt Eschweiler eine Partnerschaft mit dem nordfranzösischen Wattrelos; seit 1985 ist die Indestadt auch mit dem südenglischen Reigate & Banstead verschwistert. Jetzt ist eine dritte Partnerschaft hinzugekommen, eine, die sich an gemeinsamen Projekten orientiert. Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, mitten im amazonischen Regenwald, unterzeichnete Eschweilers Erster Beigeordneter Hermann Gödde die Vereinbarung über eine Entwicklungspartnerschaft mit der 60.000-Einwohner-Stadt Alta Floresta. Beide Städte stehen in Sachen Strukturwandel, Renaturierung, Wasserwirtschaft und mehr vor ähnlichen Herausforderungen, die sie nun gemeinsam und mittels gegenseitigem Austausch von Know-how wie möglicherweise auch Personal angehen wollen.

Damit steht Eschweiler nicht allein: Generell erstrecken sich die Aktivitäten im Rahmen von Städtepartnerschaften in alle Bereiche, reichen von freundschaftlichen Begegnungen bis hin zur konkreten inhaltlichen Arbeit. Auch multinationale Jugendcamps, Workshops mit Menschen mit Behinderungen sowie Auszubildenden-, Schüler- und Studentenaustausche sind dabei nur ein kleiner Ausschnitt. In neuester Zeit nimmt besonders der Austausch zwischen Verwaltungen — zum Beispiel durch Konferenzen zu aktuellen Städteproblemen wie Migration, Demografie, Städtebau, Nachhaltigkeit etc. — einen immer höheren Stellenwert ein.

Noch ist Brasilien so etwas wie ein Exot unter den Ländern, mit denen deutsche Städte zusammenarbeiten. Ganze zwölf Partnerschaften verzeichnet die deutsche Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas derzeit. Bereits seit 1959 pflegen Düsseldorf und die 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt Belo Horizonte Kontakte. 1959 knüpften das baden-württembergische Weingarten und das brasilianische Blumenau partnerschaftliche Bande. Es folgten Langenhagen und Joinville (1980), Rastatt und Entre Rios (1987), Nienburg und Ijui (1996), St. Wendel und Sao Vendelino (2000), Greifswald und Pomerode (2001), Idar-Oberstein und Gioana (2003), Bonn und Petropolis (2004), Köln und Rio de Janeiro (2011), Boppard und Arroio do Meio (2013) sowie Nohfelden und Feliz (2013).

Etliche dieser Partnerschaften sind historisch begründet: Das südbrasilianische Feliz beispielsweise ist eine Gründung von Auswanderern aus Nohfelden im Hunsrück, und Hunsrückisch wird dort auch heute noch gesprochen. Gleiches gilt für Boppard und Arroio do Meio, die einen regelmäßigen Jugendaustausch pflegen. Köln und Rio verbindet der Karneval (aber inzwischen auch eine wachsende wirtschaftliche Zusammenarbeit), und Weingarten (25000 Einwohner) und Blumenau (300.000) beteiligen sich seit Ende 2014 am Projekt „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.