Eschweiler: Open-Air-Gottesdienst: Vom Geist des Lebens begeistern lassen

Eschweiler : Open-Air-Gottesdienst: Vom Geist des Lebens begeistern lassen

Rote Schnipsel von Krepp-Papier rieselten auf die Zuhörer nieder, Kinder auf Kettcars umrundeten die lachende Gemeinde. Lieder in mehreren Sprachen erklangen, und dazu strahlte die Sonne durch das dichte grüne Laub alter Bäume. Mit viel Symbolik und viel Liebe gestaltete das Team der Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler/Dürwiß am Pfingstsonntag seinen Open-Air-Familiengottesdienst im Hof der Weisweiler Burg. Die roten Papierstreifen standen natürlich für den Heiligen Geist. „Zungen, zerteilt und wie von Feuer“ sollen vor 2000 Jahren beim Pfingstwunder den Jüngerinnen und Jüngern Jesu erschienen sein, berichtet die Apostelgeschichte im Neuen Testament, „und sie wurden alle erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen.“

Auch die Kinder auf ihren Spielzeug-Autos und Kettcars (samt einem Erwachsenen auf einem Rasentraktor hinterdrein) illustrierten mit ihrem Spiel die Pfingstansprache von Pfarrer Wolfgang Theiler. Er machte die Bedeutung des Pfingstgeschehens an einem Wortspiel fest: Geisterfahrer. Oder: Geist-Erfahrer. Zu Pfingsten, so Theiler, geht es darum, dass die Jünger Christi den Geist erfahren haben. „Also keine Geister-Fahrer sind sie, sondern Geist-Erfahrer. Erfüllt vom Geist Gottes verloren sie ihre Angst.“

Taufe im Sonnenschein: Zwei Kinder wurden am Pfingstsonntag beim Familiengottesdienst im Weisweiler Burghof getauft. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Geisterfahrer gebe es nicht nur auf der Autobahn, sondern überall im Leben. Theiler: „Geisterfahrer verstoßen gegen alle Regeln des Zusammenlebens. Wer die Wahrheit verachtet und sich mit Lügen umgibt, das ist auch so ein Geisterfahrer. Oder wer anderen mit Hass begegnet und Vorurteile sät, der gefährdet das Zusammenleben.“ Mobbing in der Schule und Betrug im Geschäftsleben seien ebenfalls solche Geisterfahrten, die Ehrlichkeit und Vertrauen gefährden. Und auch in der Politik gebe es Geisterfahrer. Etwa „vergangene Woche im Bundestag, als eine hochrangige Abgeordnete der AfD unglaublich hergezogen und gegen Fremde, Minderheiten und gegen Andersgläubige gehetzt hat“. Sogar in Washington regiere ein Geisterfahrer. Theiler: „Geisterfahrer gefährden das Leben. Aber an Pfingsten, heute, wollen wir uns begeistern lassen vom Geist des Lebens.“

Neue Pfarrerin begrüßt

Denn der Geist Gottes sei ein Geist der Liebe, des Friedens. „Der Geist Gottes nämlich macht frei, macht uns frei von der Angst, etwas verlieren zu können, macht frei vom Hass, der an der Seele nagt. Macht uns frei von der Gewalt, die wir manchmal ausüben wollen. Der Geist Gottes befreit zu einem neuen Miteinander.“ Nicht ohne Grund sei Rot, die Farbe der Liebe, auch die liturgische Farbe des Pfingstfestes, erläuterte der evangelische Geistliche.

Nach dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis wurde es feierlich bei dem Familiengottesdienst unter freiem Himmel. Zwei Kinder wurden getauft, Timo Badergoll und Lilly Loevenich. Die Gemeinde sang dazu „Wir wünschen Dir Liebe“ und „Mögen Engel Dich begleiten“. Während des Gottesdienstes stellte Pfarrer Theiler eine neue Pfarrerin vor und hieß sie herzlich willkommen. Kerstin Lube wird ihn in den kommenden zwei Jahren in der Gemeinde Weisweiler/Dürwiß unterstützen und Erfahrungen in ihrem geistlichen Beruf sammeln.

Musikalisch gestaltet wurde der Open-Air-Gottesdienst von der noch namenlosen Band der Evangelischen Gemeinde mit Thomas Granrath, Gerd Reitler, Alexandra Oberhoff, Helmut Salöwski und Andreas Wolff. Nach dem Gottesdienstag gab es Kaffee und Kuchen im Hof der Weisweiler Burg, wo viele der Besucher noch gern beisammen blieben.

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