Eschweiler: Ohne Ehrenamtler wäre das Leben hier viel kälter

Eschweiler: Ohne Ehrenamtler wäre das Leben hier viel kälter

40 Prozent der Bevölkerung über zehn Jahre engagieren sich ehrenamtlich, wobei dieser Prozentsatz nun aufgrund der Flüchtlingskrise und der vielfältigen Hilfsbereitschaft der Menschen noch gestiegen ist. In verschiedensten Bereichen des alltäglichen Lebens packen Menschen mit an und bieten Hilfe und Unterstützung für Kinder und Jugendliche sowie Ältere, Kranke und Menschen in Not —nun war es Zeit, einmal Danke zu sagen.

Anlässlich des Tages des Ehrenamtes wurden am Samstagnachmittag zahlreiche ehrenamtlich Tätige aus verschiedensten Bereichen für ihre Leistungen geehrt. Gerade in der jetzigen Zeit werde über das Ehrenamt so viel gesprochen wie noch nie, so eröffnete Bürgermeister Rudi Bertram diesen wichtigen Nachmittag. Doch in Eschweiler sei das schon seit langer Zeit ein Thema, denn das Ehrenamt bilde die „wichtigste Säule im Gemeindeleben der Stadt“.

Dem stimmte Theo Wirtz, Malteser Hilfsdienst e.V., Ortsgliederung Eschweiler, zu. Ob in der abendländischen Tradition, der klassischen Antike oder dem Christentum — das Ehrenamt spiele bereits seit Urzeiten eine zentrale Rolle in der Bevölkerung. „Nicht nur in der griechischen Antike, auch im Römischen Reich und auch später in den italienischen Städterepubliken (…) war die Tugend der aktiven Bürgerschaft, das heißt, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, gefordert und stark ausgeprägt.“

Bereits 1099 habe der Malteserorden — damals noch Johanniterorden — bereits in einem Spital in Jerusalem Armen, Alten und Kranken geholfen. Heute gebe es rund 100 Millionen Freiwillige in Europa. Um die Bedeutung der Freiwilligen zu verdeutlichen, erklärte der Europa-Rat das Jahr 2011 schließlich zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“. Doch bereits seit 2001 ehre die Stadt Eschweiler Mitbürgerinnen und Mitbürger, „die sich in vorbildlicher Weise in Verbänden, Vereinen, Organisationen oder auch privat ehrenamtlich für die Allgemeinheit“ einsetzen, lobte Theo Wirtz auch die Stadt.

Und dann war es auch schon so weit: Bürgermeister Rudi Bertram führte gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Helen Weidenhaupt die Ehrungen durch.

Zunächst wurden an diesem Tag die Arbeitskreise 7 (Familienforschung) und 11 (Archiv) des Geschichtsvereins Eschweiler geehrt. Der Arbeitskreis 7 unter der Leitung von Claudia Niederhäuser befasst sich mit der Ahnenpflege, wozu auch das Projekt „Digitalisierung und Auswertung der Personenstandsurkunden der Stadt Eschweiler“ gehört. Im März diesen Jahres waren bereits ungefähr 167.000 Dokumente digitalisiert, erwartet werden rund 300.000.

Der Arbeitskreis 11 unter der Leitung von Marianne Wetzeler betreut das Archiv und die Bibliothek des Eschweiler Geschichtsvereins, die derzeit aus über 9000 Büchern, Fachzeitschriften sowie sonstigen Medien und Dokumenten besteht. Sie verfügt über die größte Sammlung lokalgeschichtlicher Literatur zu Eschweiler. „Die Arbeitskreise tragen dazu bei, Eschweilers Geschichte im Bewusstsein der Bevölkerung zu halten“, so der Bürgermeister.

Auch das Helferteam des Ago-Seniorenzentrums wurde ausgezeichnet, namentlich Edith Weniger, Karl-Heinz Hambloch sowie Ernst Muhr. Edith Weniger, Mieterin des Betreuten Wohnens, betreut Bewohner, unterstützt die Mitarbeiter bei Frühstücksrunden, Gottesdiensten und Feiern, ist ebenfalls Mitglied des Bewohnerbeirates und verstärkt die Bastelrunde.

Karl-Heinz Hambloch begleitet die Ausflüge der Bewohner mit dem firmeneigenen Kleinbus und ist Mitglied der Regimentstrompeter der KG Prinzengilde, die mehrmals im Jahr mit ihren Auftritten die Bewohner erfreuen. Ernst Muhr betreut die Bewohner im Rahmen von Wortgottesdiensten, führt als ehrenamtlicher Wortgottesdienstleiter Andachten durch und ist ebenfalls für die Sterbebegleitung zuständig.

Und auch die Sportler waren am Samstag vertreten. Das Organisationsteam der Fußballstadtmeisterschaften bestehend aus Willi Greven, Wilfried Pütz, Helmut Brief, Matthias Hanf und Tim Schmitz, wurde ebenfalls geehrt. Seit mehr als 25 Jahren richtet die Stadt, unterstützt von der Sparkasse, die Fußballstadtmeisterschaften als Hallenfußball- wie auch als Feldfußballturnier aus. Die gastgebenden Vereine werden dabei von dem Organisationsteam ehrenamtlich unterstützt. Willi Greven, Wilfried Pütz und Helmut Brief waren von Anfang an im Team und werden nun seit einigen Jahren von Matthias Hanf und Tim Schmitz unterstützt. Alle übernehmen zusätzlich ehrenamtliche Tätigkeiten in ihren Heimatvereinen.

Verena Vigelahn, damals 18 Jahre jung, begleitete bereits 2005 als Betreuerin in den Sommerferien zum ersten Mal die Kinder- und Jugenderholungsmaßnahme zur Insel Ameland und selbst in diesem Jahr hat sie diese Tätigkeit trotz des hohen zeitlichen Aufwandes und der großen Verantwortung zum zehnten Mal übernommen.

Neben der Teilnahme an Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, sowie den zahlreichen Organisationstreffen, der Ausarbeitung und Gestaltung des Freizeitprogramms, der Beaufsichtigung der Teilnehmer, der Planung und Durchführung von Gruppenaktivitäten, oder auch der Bewältigung pädagogischer Problemsituationen, übernahm sie in den letzten Jahren auch die Anleitung und Einarbeitung junger Nachwuchsbetreuer.

Auch Gabriele Niessen wurde geehrt. Sie ist im Kirchenvorstand in Hehlrath, organisiert und gestaltet Feste für die Pfarre, besucht ältere Menschen des Ortes und bringt auch schon einmal ein Stück Kuchen oder Blumen mit. Wenn Not am Mann ist, lässt sie sich auch als Tagesmutter einsetzen, ist jedoch auch im Hehlrather Karneval engagiert, indem sie zu jenen Frauen gehört, die alljährlich den Damenabend auf die Beine stellen. Zusätzlich besucht sie regelmäßig die onkologischen Patienten des St. Antonius-Hospitals, erfüllt Wünsche der Patienten oder steht als Gesprächspartner zur Seite. Wenn in der onkologischen Ambulanz jemand ausfällt, der die Patienten mit Getränken und netten Worten versorgt, so ist sie zur Stelle.

Christel Breuer-Klein ist seit fast 40 Jahren ehrenamtlich aktiv: Mit der Leitung einer Mädchengruppe der Pfarre St. Michael, welche in den Folgejahren als „Bunte Gruppe“ Kinder jeglicher Herkunft, Hautfarbe und Religion Raum gab, begonnen, sammelt sie seit 30 Jahren Kleider für Bedürftige. Zunächst sammelte sie Sachspenden in einer Garage, dann in einem Trockenraum und schließlich eröffnete sie bei St. Michael eine Kleiderstube. Als die Pfarre mit anderen Innenstadtgemeinden zusammengelegt wurde, übernahm der Verein „Helfen statt Reden“ für zwei Jahre die Trägerschaft für die Kleiderstube, danach führte Christel Breuer-Klein sie in Eigenregie und auf eigene Kosten weiter.

Zurzeit helfen ihr fünf Frauen bei der Arbeit. Während die Helferinnen für die Kleiderstube zuständig sind, betreut sie Kinder unterschiedlicher Nationalitäten als Tagesmutter. Die Einnahmen aus der Betreuung investiert sie in die Kleiderstube. Christel Breuer-Klein nimmt sich nur eine Woche Urlaub im Jahr — immer dann, wenn sich die Kevelaer-Pilger auf den Weg machen. In diesem Jahr pilgerte sie zum 40. Mal zu Fuß an den Niederrhein. Bei so viel ehrenamtlichem Einsatz konnte auch der Bürgermeister nur noch staunen.

Auch dem „Helfer-Team“ aus St. Peter und Paul und des ökonomischen Arbeitskreises für Senioren Eschweiler-Ost, Herz-Jesu, wurde gedankt. In St. Peter und Paul sind 14 und in Herz Jesu fünf Personen aktiv, indem sie einmal im Monat Seniorennachmittage organisieren und durchführen. Bei Kaffee und Kuchen und einem der Jahreszeit entsprechenden Rahmenprogramm sowie Ausflügen werden Kontakte und Beziehungen geknüpft und gepflegt. Die ehrenamtlichen Helfer engagieren sich ebenfalls in weiteren Ausschüssen und Arbeitskreisen in der Pfarrgemeinde sowie in Vereinen und Verbänden auf Stadtebene. Der Arbeitskreis Herz Jesu versteht sich als „Ökonomischer Arbeitskreis für Senioren“ und wird von Pfarrer Sommer, evangelische Pfarrgemeinde, unterstützt.

Auch die Eheleute Angelika und Peter Schubert wurden auf die Bühne gebeten. Peter Schubert engagierte sich im Jahr 2014 für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und erhielt an diesem Abend eine Auszeichnung des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Nordrhein-Westfalen“. Auch übernimmt er bereits seit mehreren Jahren die Sammlung im Ortsteil Bergrath, war bis vor wenigen Monaten über einen Zeitraum von 14 Jahren Vorsitzender der Orts-Interessengemeinschaft Bergrath und ist im Arbeitskreis 10 des Geschichtsvereins und im Kirchenvorstand St. Antonius Bergrath aktiv. A

ngelika Schubert war über zehn Jahre lang Schriftführerin in der Orts-Interessengemeinschaft Bergrath, ehe sie sich für ältere Bewohner des Ortsteils engagierte. Monatlich werden nun ein Spielnachmittag, ein Seniorennachmittag und das Frühstück „Tischlein deck dich“ - Treffpunkt für 25 bis 75 Senioren - durchgeführt. Sie ist ebenfalls Initiatorin des Osterfrühstücks in Bergrath und sorgt dafür, dass der monatliche Seniorenwegweiser erscheint.

Norbert Weiland, der von nichts wusste, wurde zu guter Letzt für seine ehrenamtlichen Verdienste für den Eschweiler Karneval ausgezeichnet — für seine langjährige Tätigkeit für die KG „Lustige Reserve“ als Präsident und jetziger Vize-Präsident, sein Wirken als Prinz 1981 und seine Verdienste als Präsident des Karnevals-Komitees der Stadt. Hervorzuheben sind u.a. die karnevalistischen Kontakte nach Wattrelos und das Ansehen, das der Eschweiler Karneval auch im Bund deutscher Karneval genießt.

Musikalisch wurde der Nachmittag immer wieder vom Rhythmusensemble der Musikschule der Stadt Eschweiler unter der Leitung von Michel Mordant aufgelockert. Im Anschluss hatten alle Gäste schließlich die Möglichkeit, sich bei Häppchen und Getränken auszutauschen.

(jlm)