Heute vor 50 Jahren in der Zeitung: Nur der Pfarrer hat plötzlich keine Zeit

Heute vor 50 Jahren in der Zeitung : Nur der Pfarrer hat plötzlich keine Zeit

Das harte Leben von Eschweiler Abgeordneten oder ein Schulbus, der einfach Kinder an der Haltestelle stehen lässt. Was stand genau heute vor 50 Jahren in dieser Zeitung? Das wollen wir in unserer neuen Serie darstellen.

Die Serie soll in unregelmäßigen Abständen erscheinen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Diesmal geht es um den 24. September 1969. Damals stand die Bundestagswahl kurz bevor. Doch dazu später mehr.

Es war ein kleiner Skandal, der sich damals in Münsterbusch abspielte. Worum es ging? Um die Einschulung. Seit dem Beginn des neuen Schuljahres hatte Münsterbusch nun eine Gemeinschaftsgrundschule. Das hatte zur Folge, dass nun auch Kinder aus Büsbach die Einrichtung besuchen sollten. „Leider habe es zu Anfang nicht immer geklappt, zumal der Schulbus auch die Hauptschüler befördere“, erklärte damals Rektor Graaf im Rahmen eines Elternabends der Erstklässler. Wie man sich dies nun vorzustellen hat? Das bleibt der Fantasie überlassen. Ob der Schulbus die Kinder einfach stehen ließ, dazu bezieht der Schulleiter keine Stellung. Schien damals allerdings auch nicht das größte Problem zu sein. Denn: Klagen von Seiten der Eltern gab es über ganz andere Vorkommnisse.

Andere Verpflichtungen

Nämlich darüber, dass es für die evangelischen Kinder keine Messe gegeben habe und dass die Einschulung im Jugendheim stattgefunden habe. Mit dem evangelischen Pfarrer habe man darüber gesprochen, doch dieser hätte andere Verpflichtungen gehabt. Die Einschulung im Jugendheim sei nötig gewesen, da für die 150 Schulneulinge nur zwei Klassenräume zur Verfügung standen. „Es wäre daher nicht möglich gewesen, alle Schüler und die Eltern in diese Klassenräume unterzubringen“, erklärte der Schulleiter. 75 Schüler in einem Raum zu unterrichten, stellte damals scheinbar kein Problem dar.

Der 24. September 1969 war übrigens ein Mittwoch und nur wenige Tage später stand in Deutschland die Bundestagswahl auf der Agenda. In der Zeitung wurden damals bekannte Fußballer befragt, auf wen sie tippen. Hier eine kleine Auswahl. Ein gewisser Franz Beckenbauer, damals 24 Jahre jung, gab folgendes zu Protokoll: „Ich betrachte die Wahl als eine Pflicht und geheim ist sie auch. Deshalb möchte ich nicht sagen, wem ich meine Stimme gebe. Wer gewinnt, das ist diesmal im voraus überhaupt nicht abzusehen. Ich wage keinen Tip.“ Der 22 Jahre alte Berti Vogts, der übrigens auch beim Abwasch in der heimischen Küche abgebildet war (kein Scherz!), sagte: „Ich meine, wir haben es weit gebracht und es geht uns gut in der Bundesrepublik. Das sollten wir erhalten. Entsprechend werde ich auch wählen. Die CDU wird mit klarem Vorsprung gewinnen.“

Uwe Seeler sah das anders. Der damals schon 33 Jahre alte HSV-Kicker sagte: „Am Wahlsonntag spielen wir in Memmingen. Aber ich habe vorgesorgt, ich gebe meine Stimme schriftlich ab. Wer sie bekommt, das ist meine Privatsache. Ich wage keinen Tip, SPD und CDU liegen Kopf an Kopf, jede Partie kann gewinnen.“

Ganz klar Position bezog Alemannia-Spieler Erwin Hoffmann (der übrigens später als Jugendtrainer bei Germania Dürwiß auch noch eine Stippvisite in Eschweiler abgab): „Sicherheit geht vor und was man hat, soll man nicht aufs Spiel setzen. Ich wähle CDU.“

Apropos Alemannia und Eschweiler: Just an diesem 24. September stand die Meldung in der Zeitung, dass Karlheinz Krott, ein aus Eschweiler stammender Alemannia-Kicker, „mit Gipsbein“ unterwegs sei und mindestens drei Wochen ausfalle. Die Verletzung hatte er sich beim Freundschaftsspiel gegen die Auswahl des Bundesgrenzschutzes zugezogen.

Richtig fit war hingegen Udo Jürgens. Die Seite für junge Leser hieß vor 50 Jahren nicht „Wir hier“, sondern „Fans und Twens“ – und sie zeigt an jenem 24. September Udo Jürgens beim Liegestütz, die er macht, um fit für seine Tournee zu bleiben, die ihn 1969 und 1970 durch 150 deutsche Städte führte...

Ein großes Bild und die Überschrift „Das moderne Eschweiler“ – klingt toll oder? Josef Schmitz, dem einen oder der anderen noch als Etagenjupp bekannt, hatte damals das Bild „geschossen“. Anhand der Zeilen daneben ist man schon beeindruckt von der Indestadt. 

„Jeder Fremde, der von der Autobahn oder vom Osten der Stadt kommend diese Straße (gemeint ist die einstige Mühlenstraße, Anm. d. Red.) erreicht, ist erstaunt über die Großzügigkeit, mit der man hier geplant hat.“ Heutzutage wünschen sich wohl die meisten Stadtplaner, dass anderweitig geplant worden wäre... Aber wie sagte Lothar Matthäus doch: Wäre, wäre, Fahrradkette...

Übrigens konnte man damals auch lukrativ heiraten. Ein Beispiel gefällig? Eine Bekanntschaftsanzeige lautete: „Suche Bekanntschaft eines netten Herrn, bin 33 J., blond, modern, biete Einheirat in Brauerei“. Na dann Prost. Doch nicht nur Ehemänner oder Bräute konnte man durch eine Anzeige finden. Auch Schweine wurden auf diesem Wege verkauft. Und die hatten gleich zwei Besonderheiten: Sie waren nicht nur jung, sondern auch noch schön.

Harter Weg nach oben

Kaufen konnte man in Münsterbusch bei dieser Veranstaltung zwar nichts, dafür aber eine Menge lernen. Der Gartenbauverein Münsterbusch bot damals einen Blumenbinder-Lehrgang an. Klingt interessant.

Interessant ist an dieser Stelle übrigens das richtige Stichwort. Das schien nämlich auch das Leben von Josef Müller aus Eschweiler zu sein. „Er kennt nicht nur das Revier – Ein Abgeordneter, der sich etwas einfallen läßt – Harter Weg nach oben“ war damals in dieser Zeitung zu lesen.

Über den Europa-Abgeordneten erschien damals eine Art Porträt, das darstellen sollte, wie anspruchsvoll die Arbeit eines Politikers eigentlich ist. „Die Arbeit in Bonn und in Straßburg allein genügen ihm nicht. Er ist Vorsitzender der CDU Aachen-Land, und er bemüht sich ständig um Kontakt mit seinen Wählern. Müller ist für jeden da, der ihn sprechen will. Das kostet Opfer, vor allem auch an Zeit – Zeit eben, die ein Vater von fünf Kindern auch für seine Familie nötig hätte.“

Und falls Sie der Meinung sind, dass früher alles besser war, dann irren Sie sich gewaltig. Zumindest, wenn es um das Wetter geht. Denn der Sommer 1969 brachte eine Rekordhitze hervor. Der so genannte Jahrhundertsommer ging in die Geschichtsbücher ein und konnte in diesem Jahr sogar noch getoppt werden.