Eschweiler: Nothberger Burg: Arbeitsuchende helfen bei Sanierung

Eschweiler: Nothberger Burg: Arbeitsuchende helfen bei Sanierung

Wenn ihm vor einiger Zeit noch einer gesagt hätte, er werde eine Menge Energie in Entgrünung stecken - Albert Schiffer hätte laut gelacht. Immerhin ist der Mann Vorsitzender der Kreistagsfraktion der Grünen.

Und als solcher aufs Gegenteil bedacht. Aber Schiffer ist auch Vorsitzender des Fördervereins Nothberger Burg. Und deren Gemäuer, vor rund 700 Jahren in die Landschaft gesetzt, muss dringend entgrünt werden. Weil das Efeu die ohnehin maroden Mauern völlig zu zerstören droht.

Und das kann der Förderverein nicht zulassen. Der Förderverein nicht und auch kein anderer denkender Mensch. Denn Nothbergs Burg ist einzigartig. Ab 1300 in spätgotischer Zeit errichtet und Mitte des 16. Jahrhunderts von Allessandro Pasqualini, dem Architekten der Jülicher Zitadelle und des Düsseldorfer Schlosses, im Renaissancestil umgebaut, ist die einzige Donjon-Burg diesseits der Alpen.

Ein Donjon, das ist ein Wehr- und Wohnturm. Der in Nothberg besaß eine Grundfläche von 28 x 18 Metern, war dreigeschossig und an den Ecken von vier Rundtürmen eingefasst.

Heute ist die Anlage nur noch eine Ruine. Aber was für eine! Eine, deren architektonische Vergangenheit immer lebendiger wird, und die Besuchern eine Menge zu erzählen hat: vom Leben über dem Tal der Inde, vom Geschehen in der Großküche, von Mußestunden im Pasqualini-Erker, von schmucken Arkaden und wehrhaften Außenmauern, von zerstörerischen Kriegern und zupackenden Dörflern, die die Ruine als Steinbruch für eigene Bauten nutzten.

Erst 1976 wurde der Niedergang der einst ebenso schmucken wie großzügigen Anlage gestoppt: als sich genau dafür ein Förderverein gründete. Der, den heute Albert Schiffer führt.

Und der sorgt derzeit mit etlichen Mitstreitern dafür, dass von den nötigen Arbeiten zur Rettung der Burg jeder Beteiligte profitiert. Allen voran ein gutes Dutzend junger Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren. Junge Menschen ohne Schulabschluss. Ohne Berufsausbildung und häufig genug ohne soziale Kompetenzen. Leute, die in den ersten Arbeitsmarkt fast nicht zu vermitteln sind. Leute, wie die gemeinnützige GmbH low-tec sie beschäftigt und qualifiziert.

Profitable Garten-Träume

Im Rahmen der Maßnahme „AQTION” (Projekt zur Aktivierung, Qualifizierung und Integration in den ersten Arbeitsmarkt), gefördert durch die ARGE im Kreis Aachen, sind die Schützlinge von low-tec-Geschäftsführer Peter Brendel als Partner des Fördervereins hier damit beschäftigt, die Nordmauer zu entgrünen. Weite Teile der 150 m langen und bis zu 20 m hohen Mauer sind bereits vom Efeu befreit.

Jetzt wird mit dem Landeskonservator geklärt, wie die Mauern zu sanieren und die maroden Mauerkronen zu sichern sind. Auch das ist dann ein Job für low-tec-Fachanleiter Günther Steudel und seine Schützlinge. Seit 40 Jahren hat Steudel Berufserfahrung im Baugewerbe gesammelt. Fachwissen, das er nun gerne an die jungen Leute weitergibt. „Hier gilt: Motivation ist wichtiger als Vorkenntnisse”, sagt er, der „seinen” Jungs nicht nur das Maurern, sondern auch Fähigkeiten in Sachen Garten- und Landschaftsbau und den Umgang mit Maschinen beibringt.

Fähigkeiten, die sie auch zur Herstellung eines Fußwegs vom Euregio-Haltepunkt Nothberg - In den Benden zum Nordtor der Burg benötigen. Ein Weg, der nach den Vorstellungen von Fördervereins-Vizechefin Brigitte Bäumel durch eine attraktive, bis zu 9 Hektar große Gartenanlage führen sollte. Eine solche wäre ein weiterer touristischer Pluspunkt für die Indestadt und könnte mittels Eintrittsgeldern zur weiteren Finanzierung der Burgsanierung beitragen. Immerhin: Derartige Gärten an der Saarschleife haben zudem fast ein Dutzend Arbeitsplätze eingebracht.

Die Arbeitsplätze für low-tec-Mitarbeiter sollen übrigens auch nach dem Auslaufen der „AQTION”-Förderung an der Burg erhalten bleiben. Hier gibt´s Arbeit für Jahre. Und passende Förderprogramme gibt´s auch immer wieder, wissen die Mitarbeiter von ARGE und Arbeitsagentur.