Eschweiler: Norddeutscher Gitarrist bringt irisches Lebensgefühl mit

Eschweiler: Norddeutscher Gitarrist bringt irisches Lebensgefühl mit

Jens Kommnicks Musik hat etwas Pures, so wie ein Whisky ohne Eis. Der Vergleich liegt zumindest nahe, denn der Gast aus dem Fischerdorf Wremen zwischen Cuxhaven und Bremerhaven bestreitet seinen Soloabend im Talbahnhof, das erste „Saitensprünge“-Konzert des nicht mehr ganz so neuen Jahres nur mit einem kleinen bisschen Lautsprecher- und Mikrofon-Technik.

Nichts wird zurecht gemischt oder sonst gefällig aufpoliert. Die Gitarre spricht — und bisweilen der Mann, der sie spielt. Denn der Norddeutsche ist einer, der gerne erzählt. Die Stücke, die der Mann vom Meer im Verlauf des Abends zu Gehör bringt, umrankt er gerne mit Geschichten — von seiner irischen Frau Siobhan, von der Katzen in der Rahmentrommel und anderen Wunderlichkeiten mehr. Musik braucht halt ihren Ort. Den gibt ihr Kommnick mit seinen Anekdoten und Denkwürdigkeiten. Und er will dabei angenehm wirken.

„Geht es Euch gut?“ Die Frage an die Zuhörer im voll besetzten Saal des Kulturbahnhofs klingt jedenfalls ernst gemeint. Erzählerisch wirkt Kommnick nicht nur durch den Plauderton, in dem er seine Geschichten entfaltet und sie zu einem Ganzen, einem Programm, verwebt. Denn nicht nur der Künstler spricht an jenem Abend in Eschweiler.

Nicht minder beredt gibt sich die Musik, tanzt in Reels und Gigs wie durch einen Pub auf der Grünen Insel oder erzählt von der Überfahrt mit der Fähre durch die raue See. Lyrisch geht es zu, und jeder gezupfte Klang transportiert nicht nur eine Geschichte, sondern illustriert außerdem die darin angelegten Stimmungen.

Technisch wirkt der Solist im Talbahnhof absolut souverän und makellos. Bezwingend wirkt aber auch die Bandbreite, die der Gast bietet. In der keltischen Volksmusik ist dieser Interpret daheim, und ebenso bei einem modernen Klassiker wie Reinhard Mey. Sein Ton perlt dahin, als gäbe es keinen Anfang und kein Ende.

Vor allem aber kommt Jens Kommnick seinem Publikum sehr nahe, nicht zuletzt durch seine Ausstrahlung. Dass er angesichts der Scheinwerfer klagt „Ich kann Euch nicht sehen!“ — das wirkt bei ihm nicht gerade wie eine herkömmliche Floskel.

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