„Nimmerland-Theater" in der Gesamtschule Waldschule

Thema Ernährung mit Workshop und Aufführung : „Nimmerland-Theater" begeistert Schüler der Gesamtschule Waldschule

„Seit tausenden von Jahren verspeisen die Zweibeiner uns Vierbeiner. Und sie tun dies, ohne sich Gedanken über unsere Lebensbedingungen zu machen.“ Schwere Vorwürfe, die die vegetarisch lebende Kuh Rita Horn in Richtung der Menschen erhebt.

Veganerin Hanna Huhn pflichtet ihr absolut bei und selbst der allesfressende Keiler Eberhart ist nachdenklich geworden, seit er erfasst hat, dass Schnitzel nicht selten aus Schweinefleisch bestehen.

Die drei sprechenden Tiere sind aus Versehen in die von Tina Turbo moderierte Fernsehshow „Ein absolut irres Kochduell“ geraten und stellen diese nun sprichwörtlich auf den Kopf. Nach enormen Verwirrungen landet die Gastgeberin im Kochtopf, wird aber ausgerechnet von Eberhart, der sein Gewissen entdeckt hat, gerettet.

Turbulent und aufregend ging es am Mittwochvormittag in der Gesamtschule Waldschule zu. Doch mit einem ernsten und seriösen Hintergrund: Das Nimmerland-Theater aus Bodman-Ludwigshafen am Bodensee gastierte mit den Schauspielerinnen Nadja Herzog und Elena Panibratowa zum dritten Mal an der Schule im Südwesten Eschweilers und stellte dabei das Thema „Ernährung“ in den Mittelpunkt.

Sowohl gesundheitliche als auch ethische Gesichtspunkte kamen zur Sprache. Die Schülerinnen und Schüler der sechsten Jahrgangsstufe wurden Zeugen der Aufführung des von Autor und Theatergründer Thomas Lange entwickelten Stücks „Ein absolut irres Kochduell“, in dem Elena Panibratowa in gleich vier Rollen schlüpfte und diese ohne Kostümwechsel ausschließlich durch Stimme, Mimik und Körperlichkeit ausfüllte.

Zuvor und anschließend erstellte Nadja Herzog im Rahmen eines Workshops gemeinam mit den Waldschülerinnen und -schülern die Ernährungspyramide und schickte darüber hinaus die Mädchen und Jungen auf den „Parcours der Sinne“, wo sie die Gelegenheit erhielten, mit ihren fünf Sinnen alltägliche Lebensmittel wahrzunehmen und zu erleben.

„Schokolade ist kein Gemüse“, ließ Nadja Herzog dabei keinerlei Zweifel aufkommen. Aber: „Auch Schokolade ist wie andere Süßigkeiten in der Ernährungspyramide enthalten. Befolgt der Konsument die Grundregeln, sind Süßigkeiten hin und wieder erlaubt“, so die Workshop-Leiterin.

Doch wie lauten die Grundregeln? „Wasser bildet die Basis der Pyramide und sollte auch für uns die Grundlage der Ernährung sein“, so Nadja Herzog. Sechs Gläser Wasser oder ungesüßter Tee seien täglich zu empfehlen. Auch Obst und Gemüse sollten häufig und vor allem regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Wobei jedoch die Sache mit den Äpfeln, Birnen und anderen Obstsorten doch nicht ganz so unkompliziert sei: „Obst enthält Fruchtzucker. Der ist nicht so problematisch wie industriell hergestellter Zucker, aber trotzdem mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.“ Ergo: Obst häufig, Gemüse (fast) immer. Kohlenhydrate seien als Energielieferanten wichtig, während Fisch und vor allem Fleisch nicht täglich „auf den Tisch“ gehörten, aber auch grundsätzlich durch andere Lebensmittel ersetzt werden könnten. „Wenn Fleisch verzehrt wird, dann sollte der Konsument unbedingt auf die Herkunft und Qualität achten“, so der Ratschlag von Nadja Herzog.

Ethische Gesichtspunkte der menschlichen Ernährung wurden auf der Theaterbühne im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule Waldschule während der irren Kochshow mit Tina Turbo und ihren tierischen Gästen Rita Horn, Hanna Huhn und Eberhart unter die Lupe genommen. Die Kuh Rita ließ gesanglich wissen, mit und durch Gemüse fantastisch auszusehen, während das unveredelte bayerische Landschwein Eberhart nicht verhehlte, kein Konzept zu besitzen und alles zu (fr)essen, was schmeckt.

Doch darf ein Schwein ein Kalbsschnitzel zubereiten? Rita Horn ist entsetzt und erhält Beistand von Hanna Huhn. Ist es stattdessen aber statthaft, Menschen zu verspeisen? Das tierische Trio dreht den Spieß im wahrsten Sinne des Wortes um und wirft die ethische Fragestellung in Sachen Verzehr von Lebewesen auf den Menschen zurück. Wie weit darf Ideologie gehen? Die Veganerin Hanna Huhn verwandelt sich zur stärksten Fürsprecherin des Verzehrs von Tina Turbo.

Vegetarierin Rita Horn schließt sich ihr an und nur dem Einsatz des zuvor gedankenlosen Keilers Eberhard ist es zu verdanken, dass Tina Turbo nicht verspeist wird. So geben die Verantwortlichen des "Nimmerland-Theaters" keine alternativlose Antwort auf die Frage, ob der Verzehr von Fleisch ethisch vertretbar ist. Stattdessen appellieren sie an die Verantwortung des Menschen, sich zumindest über die Lebensbedingungen von Tieren und die Häufigkeit von Fleischmahlzeiten Gedanken zu machen. Der Applaus und die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Waldschule lässt hoffen, dass die Botschaft zumindest bei ihnen angekommen ist. (ran)

Theater Nimmerland: Das Theater Nimmerland wurde im Jahr 2005 von Autor, Regisseur und Komponist Thomas Lange gegründet und entwickelt seitdem Theaterstücke und didaktische Zusatzangebote für Kindergärten sowie Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sieben. Dazu gehört auch ein Konzept zum Thema Ernährung, das das Theaterstück "Ein absolut irres Kochduell", Arbeitsvorschläge für den Unterricht sowie einen Workshop mit dem Titel „Parcours der Sinne“ umfasst. Weitere Informationen zum Theater Nimmerland sind unter www.nimmerland.eu zu finden.

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