Eschweiler: Nicht nur die Musik aus der Ukraine fasziniert

Eschweiler: Nicht nur die Musik aus der Ukraine fasziniert

Sie reisen als Botschafter ihres Heimatlandes - der Ukraine. Am Samstag gastierten die Musiker des Folklore Ensembles „Junist” und des „Bandura Goldkehlchen Quartetts” auf Einladung des Europavereins Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB) im Bistro Uferlos.

Innerhalb des siebten Europaforums der GPB, das sich in diesem Jahr mit der Ukraine befasst, begeisterten die Osteuropäer das Publikum sowohl instrumental als auch stimmlich. Und taten dies auch noch für einen guten Zweck: Denn nach dem Konzert wurden Spenden für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gesammelt.

Organisator der Konzertreise der Ukrainer, die noch bis zum zweiten Weihnachtstag im Raum Aachen zu Gast sind, ist der Aachener Karl Sion. Der Kaiserstädter war bis vor einigen Jahren Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Aachen-Eilendorf, die seit 1991 im humanitären Bereich in der Ukraine engagiert ist.

„Bis 1996 stellten wir die größte private Hilfsorganisation, die in der Ukraine tätig war. Bis dahin konnten wir 200 Sattelzüge mit Hilfsgütern in das Land schicken”, berichtete Karl Sion. Seit 1997 konzentrieren sich die Feuerwehrleute nun in erster Linie darauf, Geldspenden für die Tschernobyl-Opfer zu sammeln. „Zweimal pro Jahr fahre ich in die Ukraine und überzeuge mich, was mit dem Geld geschieht”, so der Kaiserstädter.

Die Mitglieder von „Junist” und des „Bandura Goldkehlchen Quartetts” sind weitestgehend Mitglieder der Staatsphilharmonie Lviv (Lemberg). Eine der Musikerinnen ist selbst Mutter zweier Kinder, die zu den Opfern der Tschernobyl-Katastrophe gehören. „Ihnen ist wichtig, die Ukraine als selbstständiges, von Russland unabhängiges Land zu präsentieren. Auch in Deutschland muss dieses Land mit seinen mehr als 50 Millionen Einwohnern mehr in den Blickpunkt rücken”, machte Karl Sion deutlich.

Mit ihren Liedern verfolgen die Musiker das Ziel, die ukrainische Seele zum Vorschein zu bringen. Allerdings besteht das Repertoire beider Ensembles bei weitem nicht nur aus Liedern der Ukraine.

So hörten die Gäste, zu denen mit Anatoli Ilnytski der Leiter der Außenstelle Bonn der Botschaft der Ukraine gehörte, auch Kostproben des Gefangenenchors aus der Oper Nabucco sowie eine Auswahl deutscher Weihnachtslieder. Gänsehaut war dann angesagt, als eine Solistin das berühmte „Ave Maria” anstimmte. Mit einem musikalischen Gesundheits- und Abschiedsgruß, der traditionell von den Zuhörern stehend entgegen genommen wurde, und dem Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht”, das in ukrainischer und deutscher Sprache erklang, beendeten die ukrainischen Interpreten das großartige Konzert, für das sie lang anhaltenden Applaus ernteten.

Unmittelbar nach Abschluss des Konzerts folgte ein weiterer Höhepunkt, als Peter Schöner, Vorsitzender der GPB, und Alexander Shyian, Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Informations- und Kulturzentrums, eine „Partnerschaft auf Gegenseitigkeit” beschlossen. Das vorrangige Ziel dieser Kooperation lautet, durch bürgerschaftlichen und kulturellen Austausch Vorurteile abzubauen sowie das gegenseitige Verständnis füreinander zu fördern.

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