Neuregelung der Inklusion hat Auswirkungen auf Schulen in Eschweiler

Lernschwache Kinder nun an „Schwerpunktschulen“ : Eschweilers Schulen blicken gespannt auf die Neuregelung der Inklusion

Die NRW-Regierung will die Inklusion an weiterführenden Schulen neu regeln. Ab dem kommenden Schuljahr soll an Gymnasien nur noch „zielgleich“ gelehrt werden. Das heißt, Schüler mit einer Lernbehinderung werden dort nicht mehr unterrichtet, sondern gehen dann zur Real-, Haupt- und Gesamtschule. Was bedeutet das für die Eschweiler Schulen?

An sogenannten „Schwerpunktschulen“ sollen in Zukunft lernbehinderte Schüler zieldifferent unterrichtet werden können und können so einen schulformunabhängigen Abschluss machen. Solche Schwerpunktschulen, an denen das gemeinsame Lernen praktiziert wird, sind dann in Eschweiler die Adam-Ries Gesamthauptschule, die Städtische Realschule Patternhof und die Gesamtschule Waldschule.

„Für uns wird sich mit der Neuregelung nicht viel ändern“, sagt Birgit Schultes-Zartmann. Sie ist die Schulleiterin der Adam-Ries-Gemeinschaftshauptschule. „Für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf sind wir meist die erste Anlaufstelle. Wir waren in Eschweiler neben den Förderschulen die ersten, die inklusiven Unterricht angeboten haben“, sagt sie. Die Adam-Ries-Schule unterrichten derzeit rund 370 Schüler, davon sind 25 Förderschüler. Allerdings gebe es noch einige Kinder, bei denen bisher nicht festgestellt wurde, dass sie einen erhöhten Förderbedarf haben – diesen aber nach Einschätzung von Schultes-Zartmann bräuchten. „Insgesamt schätze ich daher den Anteil der Kinder an unserer Schule, die spezielle Betreuung brauchen, auf rund 30 Prozent ein.“ Ein Problem, denn so sei die Zahl der vorhandenen Sonderpädagogen dem tatsächlichen Bedarf nicht angemessen. „Uns wurden in Bezug auf die Überprüfung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs immer höhere Hürden auferlegt. Dadurch gibt es auf dem Papier weniger Förderkinder. Wir haben drei Sonderpädagogen für 16 Klassen, von denen zwei eine Klassenleitung übernommen haben. Das ist schwierig“, sagt Schultes-Zartmann.

Ab dem kommenden Schuljahr gibt es dennoch eine Neuerung, die mit dem Erlass der NRW-Regierung zusammenhängt. Im Zuge dessen wurde eine Stellungnahme der Aufsichtsbehörden und Kommunen erbeten. Da die Hauptschule aufgrund aufwändiger Sanierungen in der Vergangenheit einen Aufzug hat, öffnet sie sich erstmals im Rahmen der Inklusion auch für körperlich behinderte Kinder.

Die Realschule Pattnernhof arbeitet bereits seit rund zehn Jahren inklusiv. Von rund 880 Schülern gibt es laut Schulleiterin Michaela Silbernagel rund 50 Inklusionskinder. Etwa ein Drittel davon weisen eine Lernbehinderung auf. „Erst mit dem Anmeldeverfahren für das neue Schuljahr wird sich zeigen, wie sich die Neuregelung der Regierung auswirkt“, sagt Silbernagel. Es hänge sehr viel vom Wahlverhalten der Eltern ab, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschule gehen solle, ob die Realschule in Frage kommt oder doch eine Förderschule. „Eltern sollten sich ohnehin überlegen, ob ein Gymnasium für ihr Kind mit einer Lernschwäche die richtige Schulform ist“, sagt sie in Bezug auf den Erlass. Dass sich die Gymnasien so aus der Inklusion zurückziehen beziehungsweise zurückgezogen werden, sieht sie demnach nicht so. Wenn Ressourcen mit den Schwerpunktschulen gebündelt werden, könnte das durchaus sogar Vorteile bringen.

Die Kinder mit Behinderung werden an der Realschule von vier Sozialpädagogen betreut und können in einem extra eingerichteten Lernraum in Kleingruppen individuell gefördert werden.

Am Städtischen Gymnasium Eschweiler werden derzeit keine Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen unterrichtet, aber sechs Kinder mit einer anderen Behinderung „dennoch sind wir als Inklusionsschule von der Neuregelung betroffen“ sagt Schulleiter Winfried Grunewald. „Wir sind nicht als Schwerpunktschule ausgewiesen, wollen aber weiterhin die Vielfalt an unserem Gymnasium beibehalten.“ Es sei noch nicht abzusehen, ob es in Zukunft aufgrund des Erlasses schwieriger wird, Schüler mit einer Behinderung aufzunehmen oder nicht. „Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht und uns Kompetenzen in der Inklusion ausgebaut. Wir möchten auch weiterhin Kinder mit erhöhtem Förderschwerpunkt beschulen.“ Die Bischöfliche Liebfrauenschule und die Gesamtschule Waldschule waren am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eschweilers Schulamtsleiterin Petra Seeger betont diesbezüglich, dass Inklusion an Gymnasien weiterhin möglich ist und Kinder mit Behinderung weiterhin individuell gefördert werden sollen. „Die Bildung der Schwerpunktschulen erfolgte anhand einer Bedarfsermittlung. Daher sind diese drei Schulen dementsprechend ausgewiesen.“ Für jede Schule stehen drei Plätze im fünften Schuljahrgang pro Klasse zur Verfügung. Die Hauptschule erhält somit sechs Plätze, die Realschule 15 und die Gesamtschule hält 12 Plätze für Kinder mit einer Lernbehinderung vor. Ein Prognose, ob und in welchem Maß diese Plätze ausgefüllt werden, kann Seeger nicht machen. Als Vergleich wurden laut Seeger zu Beginn des laufenden Schuljahres sieben Schüler mit einer Lernbehinderung an den weiterführenden Schulen angemeldet.“

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