Eschweiler: Neunzehn Mal Ja für zwei waschechte Onjekauchde

Eschweiler: Neunzehn Mal Ja für zwei waschechte Onjekauchde

Vater Albert Schönenborn war die Nervosität anzumerken, als sein Sohn René und Daniel Asara vor den Prinzenwahlausschuss traten. Der Präsident der KG Onjekauchde Röhe weiß schließlich, welche Woge der Begeisterung den Eschweiler Prinzen und seinen ständigen Wegbegleiter, den Zeremonienmeister, durch die Session trägt.

Damals, vor 17 Jahren, stand er ebenfalls zur Wahl. Am Freitagabend machte es sein Sohn nach: Einstimmig votierten die Wahlmänner für das Duo des Röher Karnevalsvereins. Anschließend zog der Röher Tross mit klingendem Spiel zum Wachlokal „Zum Hirsch“, wo bis in den Morgen gefeiert wurde.

Neun mal elf Luftballons: So empfingen die Damen der KG Onjekauchde „ihr“ Prinzengespann am Kulturzentrum Talbahnhof.

„Keine Formsache“

Doch der Reihe nach — die Wahl des Prinzen unterliegt schließlich bestimmten Formalitäten, auch wenn sie selbst „keine Formsache“ ist, wie es Komiteepräsident Norbert Weiland im Saal des Kulturzentrums Talbahnhof betonte. Der Wahlausschuss habe nicht nur eine wichtige Entscheidung für den Eschweiler Karneval, sondern für die ganze Stadt Eschweiler zu treffen. „Diese beiden repräsentieren diese Stadt schließlich fünfeinhalb Wochen lang“, sagte Weiland. Das Kandidatenpaar wurde also auf Herz und Nieren geprüft, ehe man zur Wahlurne schritt und seine Stimme abgab.

Traditionsgemäß musste sich der Wahlausschuss, dem neben dem Geschäftsführenden Karnevalskomitee auch sieben Präsidenten der Karnevalsgesellschaften sowie drei „Deftige Bürger“ (Siehe rechts) angehörten, aber erst einmal stärken. So viel Ordnung muss sein!

Dann ging es für René Schönenborn und Daniel Asara ans Eingemachte, denn die zwei „Vollblutkarnevalisten“ mussten die äußerst gespannte Runde mit ihrer Präsentation überzeugen. Dies geschah dann ausgesprochen modern, denn zunächst kündigte ein Film das Duo an.

Darin zeigte es nicht nur seine Heimat Röhe, sondern es meldeten sich auch bekannte Karnevalisten zu Wort. Ex-Prinz Klaus Delille empfand sogar, dass in Eschweiler „mie Fastelovendsjecke als Einwohner wonne“. Und am Schluss des Einspielers winkten die beiden Kinder des Prinzenbewerbers, Liv und Liam: „Papa, Alaaf und viel Glück!“

Kurz und knackig folgte dann die eigentliche Vorstellung. René, der „Elektro-Strippenziehen“, reihte gleich einige karnevalistische Zahlen aneinander: drei Mal elf Jahre alt, seit elf Jahren verheiratet. Seinem Zeremonienmeisterkandidaten rang er sogleich noch ein Versprechen ab: „Aber Spaghetti wirfst du Rosenmontag nicht, oder?“ Asara ist schließlich Italo-Röher, also ein Onjekauchde mit italienischen Wurzeln. Das passt auch schon der Farben wegen, schließlich sind auch die Nationalfarben der Azzurri Rot-Weiß-Grün. Die Wahlmänner waren begeistert.

Mit den Worten „Wir sehen uns in zweieinhalb Stunden wieder“ verabschiedete Komiteepräsident Norbert Weiland die Bewerber. Kaum waren sie aus dem Raum, folgte ein Kompliment: „Wir waren Zeuge einer fantastischen Vorstellung. Jeder Kandidat lässt sich etwas Neues einfallen.“ Davon waren auch die anderen Anwesenden überzeugt. So bedurfte es eigentlich gar nicht mehr der Worte des Onjekauchde-Präsidenten Albert Schönenborn: „Ganz Röhe wartet auf Eure Ja-Stimmen!“

In der Wahl gab jeder geheim und einzeln seine Stimme ab. Bürgermeister Rudi Bertram übernahm die Auszählung. 19 Zettel lagen vor, 19 Stimmen waren gültig. Puh! Nach dieser Anstrengung musste — natürlich — noch eine Stärkung her. „Außerdem wollen wir die Zwei noch etwas zappeln lassen“, sagte Weiland schmunzelnd.

Grenzenloser Jubel

Als der Komiteepräsident schließlich das Ergebnis vorlas, kannte der Jubel keine Grenzen mehr: 19 Ja-Stimmen vereinte René Schönenborn auf sich. Die Onjekauchde stellen damit zum zweiten Mal in ihrer Geschichte den Prinzen Karneval in Eschweiler. Vor dem Talbahnhof wartete schon der ganze Verein und viele befreundete Gesellschaften, um den „Schmucken Prinzen“ anzustimmen. Mit dem Bus ging es weiter an den Röher Ortseingang und dann im Fackelzug zum Wachlokal. Und Albert Schönenborn? Er beobachtete das Szenario lächelnd und stolz — und das völlig zurecht.