Eschweiler: Neunjährige Eschweilerin kämpft um Kampfkunst-Weltmeisterschaft

Eschweiler : Neunjährige Eschweilerin kämpft um Kampfkunst-Weltmeisterschaft

„Ich möchte Weltmeisterin werden!“ Die neunjährige Lea Röhrig lässt keine Zweifel am Ziel ihrer Reise in die USA aufkommen, schließlich hat die Haidong-Gumdo-Kampfsportlerin bereits 2017 im Heimatland der asiatischen Schwertkampfkunst, bei den Weltmeisterschaften in Südkorea, direkt den dritten Platz errungen.

Gemeinsam mit Meister Chae Seung-Eun hat die ehrgeizige Eschweilerin ein Jahr lang hart trainiert, um den Weltmeistertitel nun an die Inde zu holen.

Die aufsteigende Sonne des östlichen Meeres (Haidong) bedeutet die Geburt des brillianten Lichtes, das den Weg des Schwertes (Gumdo) begleitet, so die philosophische Bedeutung der Schwertkampfkunst, die seit einigen Jahren in der Sportschule von Chae Seung-Eun an der Jülicher Straße gelehrt wird und ihre Wurzeln im ehemaligen koreanischen Königreich Koguryo hat, lange bevor die japanische Invasion Südkoreas 1910 Kendo verbreitete. Im Gegensatz zum japanischen Schwertkampf zeichnen sich Haidong-Gumdo-Kämpfer durch ästhetische, schwungvollere Bewegungen aus, statt Helm und schwerer Rüstung erlaubt der Dobuk, so nennt sich der Kampfanzug, einen wesentlich höheren Bewegungsfreiraum.

Während ihr Bruder Dennis seinen Weltmeistertitel im „Papierschneiden“ — hier wird mit einem Holzschwert mit einer komplexen Technik Papier durchschnitten — wegen einer Verletzung nicht verteidigen kann, freute sich Lea Röhrig, mit ihrem Vater Jürgen die Reise in die Vereinigten Staaten anzutreten und in der schillernden Welt Las Vegas‘ Botschafterin der philosophischen Kampfkunst mit all ihren Werten wie Respekt, Liebe zum Vaterland, Anständigkeit und Gerechtigkeit sein zu dürfen.

Beim gemeinnützigen Kampfkunst-Festival „Mulimpia“ kommen dann Hapkido-, Taekwondo-, Kungfu-, Karate- und eben Haidong Gumdo-Sportler aus der ganzen Welt zusammen kommen, um die Besten unter sich zu ermitteln.

Schwert, Geige und Saxofon

Dass Lea aus Eschweiler erneut dabei sein würde, hat sie vor dreieinhalb Jahren mit Beginn der ersten Übungseinheiten nicht gedacht, doch der Spaß an Haidong Gumdo ließ sie geduldig dreimal pro Woche trainieren, um sich ihren großen Traum in diesem Jahr zu erfüllen. Absolute Körperbeherrschung, Respekt vor dem Gegner und beständige Motivation sind das Rezept der erfolgreichen Neunjährigen, die zum Ausgleich gerne HipHop tanzt und Geige sowie Saxofon spielt.

Mit dem Lineal trainiert Lea im Schulunterricht zwar nicht, doch einmal habe sie ihr Holzschwert mit in die Schule bringen dürfen und seitdem werde ihr mächtig viel Respekt entgegen gebracht, erzählt das aufgeweckte Mädchen, das bereits den roten Gürtel trägt.

Neben dem Papierschneiden steht auch der traditionelle Schwerttanz in einer gemischten Gruppe und das Auslöschen mittels Luftzug mit der Schwertbewegung auf dem Programm für die Mulimpia-Reise.

Unabhängig von den Resultaten ist Familie Röhrig bereits jetzt mächtig stolz auf ihre Lea, die ursprünglich nur zu Selbstverteidigungszwecken in der Sportschule Chae angemeldet wurde.

Wie sie sich denn selber im Erfolgsfall belohnen möchte, verriet Lea direkt: „Ich möchte zuerst mit dem Cabrio durch Las Vegas fahren und dann mit Delfinen schwimmen.“ Und nicht zu vergessen: Schlagzeug möchte sie auch bald spielen, schließlich sind Stöcke aus Holz nicht nur für Gumdo zu gebrauchen.

(vr)
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