Neuman-Gruppe setzt Modernisierungsprozess in Eschweiler fort

Neuman-Gruppe investiert in Bürogebäude: Runderneuerung auf historischem Industrie-Areal

Der Name F.A. Neuman steht in Eschweiler für Industriegeschichte. Umso nachhaltiger klang die Nachricht, dass die „F.A. Neuman Anlagentechnik GmbH“ Insolvenz angemeldet hat. Was vielen nicht bekannt ist: Diese Firma gehört seit über drei Jahren nicht mehr zur Neuman-Gruppe, sondern wurde verkauft.

Neben dem Namen verbindet nur noch ein Mietverhältnis die ehemalige Mutter mit dem in Finanznot geratenen Unternehmen. Zwei Hallen auf dem großen Neumanareal auf dem Stich werden von ihr genutzt. Was damit geschieht, ist offen.

Wer den Firmensitz am Stich besucht, wird sich mit jedem Schritt der historischen Bedeutung bewusst. Im großen Besprechungssaal hängen zahlreiche Gemälde, eines davon zeigt den Firmengründer Friedrich August Neuman. „Dieses Gebäude hat schon eine besondere Ausstrahlung“, sagt Dr. Stephan Zaum. Er leitet seit dem 1. Juli 2016 die Neuman-Gruppe als Geschäftsführer, zu der auch die ISM Ludwigshafen und die PFE in Eschweiler zählen. Auch er gehört zur Neuman-Familie, denn seine Gattin ist Mitgesellschafterin und Cousine von Friedrich A. Neuman.

Die Zeiten, in denen die Eschweiler Firma Gasbehälter herstellt und in alle Welt transportiert, sind lange vorbei. Die ehemalige Industriefläche mit einer Größe von rund 55.000 Quadratmetern beherbergt inzwischen zahlreiche Firmen. Alleine 20.000 Quadratmeter nutzt das Stolberger Verpackungs- und Logistikunternehmen Krings.

Das historische Bürogebäude hat sich derzeit in eine große Baustelle verwandelt. Etwa eine halbe Million Euro investiert die Holding dort in den Umbau, um eine moderne Bürofläche entstehen zu lassen, die barrierefrei erreichbar ist. Dazu muss auch ein Aufzug installiert werden, was in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert eine Herausforderung darstellt. Der Mieter der 400 Quadratmeter großen Bürofläche steht schon bereit. Was verwundert: Bei der Modernisierung soll auf ausdrücklichen Wunsch des Mieters der historische Charakter erhalten bleiben. Dazu zählen holzvertäfelte Wände und schwere Massivtüren, deren Fenster mit der  Aufschrift „Oberingenieur“ erahnen lassen, wer dort einmal gearbeitet hat.

Modernisierung im historischen Bürogebäude: Holding-Geschäftsführer Dr. Stephan Zaum auf der Baustelle im Treppenhaus. Foto: Patrick Nowicki

Es ist also viel in Bewegung bei der Neuman-Holding. Zum Jahresende wird Zaum seine Arbeit beenden.  Es sei klar gewesen, dass er die Geschäftsführung eine Übergangszeit lang übernimmt. Dennoch: „Wir haben noch zahlreiche Ideen in der Schublade“, betont er.

Sorgen bereiten die aktuellen Diskussionen über den Strukturwandel. Einer der größten Kunden der Neuman-Gruppe ist seit Jahrzehnten der Energiekonzern RWE. Zwar habe die Region schon manche Veränderung erlebt, so meint Zaum doch: „Das ist eine besondere Situation.“ Auf dem Stich reagiert man auf die Entwicklung unter anderem mit flexibleren Steuerungsprozessen und der verstärkten Suche nach neuen Kunden. „Bei aller Unsicherheit, wir blicken optimistisch in die Zukunft“, sieht Zaum die Unternehmensgruppe gewappnet.

Die Anteile an der Firmentochter PFE (Pneumatische Fördersysteme Eschweiler) wurden inzwischen wieder vollständig von der Holding übernommen. 40 Prozent der Anteile befanden sich in Fremdbesitz. 120 Mitarbeiter sind in diesem Bereich tätig, die Zahlen sind seit Jahren konstant. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild auf dem Stich immer weiter gewandelt. Der Erlös der Firmenverkäufe (FAN Anlagentechnik, Julius Montz) wurde in den Strukturwandel des Firmengeländes investiert. Mit der Modernisierung des Bürogebäudes vollzieht man dort den nächsten, wenn auch kleineren Schritt. Die Hallenbauarbeiten auf dem Stich sind abgeschlossen. In unmittelbarer Nachbarschaft soll das Parkhaus für den Hauptbahnhof gebaut werden.

Dahinter steht aber ebenso ein großes Fragezeichen wie hinter den derzeit noch von der „F.A. Neuman Anlagentechnik GmbH“ genutzten Hallen. „Auch wenn es keine unmittelbare Verbindung mehr gibt: Es schmerzt schon, wenn der Name Neuman mit einer Insolvenz in Verbindung steht“, teilt Zaum mit. Ob das „vorläufige Insolvenzverfahren“ der ehemaligen Firmentochter in eine Insolvenz mündet, ist noch nicht bekannt. Auch der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter bezieht zum aktuellen Stand des Verfahrens keine Stellung.

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