Neujahrsempfang im St.-Antonius-Hospital: Werte aufrechterhalten

Neujahrsempfang des St.-Antonius-Hospitals : Grundlegende Werte im Krankenhaus aufrechterhalten

Für ein neues Jahr machen sich die meisten Menschen gute Vorsätze. Oft sind sie privater Natur, aber auch im Beruf nehmen sich einige etwas vor. So auch im St.-Antonius-Hospital (SAH), in dem nun der Neujahrsempfang stattfand.

Vor allem die Ethik stand während der Veranstaltung im Vordergrund, aber auch der Blick auf das vergangene Jahr prägte die Aussagen der Redner.

Der Kuratoriumsvorsitzende Paul Pütz machte den Anfang und lobte die „emotional sicherlich nicht einfache, mutige und auf Zukunft ausgerichtete Entscheidung des Kirchenvorstandes St. Peter und Paul, der das Krankenhaus in eine „moderne und zeitgemäße Organisationsform“ überführt hat. Der Träger hatte das SAH im Jahr 2018 unentgeltlich an eine rechtlich selbstständige Stiftung übertragen, „man kann also sagen, die Gemeinde hat das Krankenhaus verschenkt“, sagte Pütz.

Aber auch weitere Veränderungen haben im vergangenen Jahr für Freude gesorgt: die Neuaufstellung der Gefäßchirurgie mit der Inbetriebnahme des ersten Hybrid-Operationssaals, die Einsegnung des zweiten Linearbeschleunigers in der Strahlentherapie und die Sanierung der dritten Privatstation.

Eine Veränderung (kleines Foto): Michael Dück (l.) wird Nachfolger des scheidenden stellvertretenden ärztlichen Direktors Eberhardt Schneider (2.v.r.). Es gratulierten Elmar Wagenbach, Paul Pütz und Alexander Bach (v.l.). Foto: ZVA/Caroline Niehus

Darüber hinaus wurde das 165-jährige Bestehen des SAH mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. „Der Zulauf an diesem Tag war überwältigend, er hatte gleichzeitig eine hohe Strahlkraft auf das Miteinander der Mitarbeiter und das Wir-Gefühl in unserem Haus“, bilanzierte Pütz.

Für das neue Jahr gelte es, sich dem Spannungsfeld zwischen dem politischen Anspruch der besten Versorgung und den nur begrenzt bereitgestellten finanziellen Mitteln zu stellen. Man müsse „mit dem ethischen Anspruch eines katholischen Krankenhauses angemessene Wege zugunsten hilfsbedürftiger Patienten finden“, behauptete Pütz.

Diese Herangehensweise vertrat auch der Gastredner des Abends, der von Geschäftsführer Elmar Wagenbach vorgestellt wurde. Giovanni Maio ist Leiter des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg. Mit seiner Überzeugung tritt er „für eine neue Ethik der Besonnenheit ein“, wie Wagenbach erklärte. Er sei überrascht, „wie aktuell unser heutiger Redner in die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion passt“.

Dazu führte er als Beispiel die AOK-Krankenkasse an, die jede vierte Klinik in Deutschland schließen wolle und damit „den Existenzkampf ausrufe, ohne vorher transparent die Aufgaben zu definieren“. Wagenbach forderte stellvertretend für das SAH eine klare Zieldefinition, was für wen in welcher Situation in welcher Entfernung angeboten werden solle. „Ein Existenzkampf rein auf wirtschaftlicher Basis lässt befürchten, dass die ethischen Grundsätze bei der Führung eines Krankenhauses durchaus von dem ein oder anderen neu definiert werden.“

Sorge in den Mittelpunkt stellen

Gastredner Giovanni Maio wies in seinem Vortrag auf die Bedeutung der Sorge und des Zuhörens hin. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Dieses Schlussthese leitete über zu Giovannia Maio, der anschließend über Ethik in der Medizin referierte. Das Motto des SAH weise laut Maio bereits den Weg in die richtige Richtung: Wir und alle für den Patienten. „Als Erkrankter stürzt man ins Bodenlose und sucht Halt bei Menschen, die einem helfen“, erklärte er. Die Vergegenwärtigung, dass es kein Zurück in das vorherige Leben gibt, könne Verzweiflung und Verunsicherung auslösen. Deshalb müsse man dem Menschen beibringen, dass man zwar gegen die Krankheit kämpfe, aber auch lernen muss, mit ihr zu leben. Laut Maio geht das am besten durch Sorge.

Er stellte sie in den Mittelpunkt seiner Rede, aber auch der Medizin. „Es besteht immer die Möglichkeit, im Kranksein neuen Sinn zu finden – aber das geht nicht allein“, sagte er. Die Sorge helfe Patient und Arzt oder Pfleger, eine individuelle Hilfe zu leisten. Dazu müsse man Egalisierungs-, Beziehungs-, Responsive, Unmittelbarkeits-, Balancier-, Verstehens- und Integritätsarbeit leisten. Es sei wichtig, dem Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und sich behutsam auf die Bedürfnisse einzulassen.

Agnes Acs (Querflöte) und Adeline de Lange (Klavier) sorgten für die musikalische Untermalung des Empfangs. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Zuhören und Geduld spielten dabei ebenfalls eine besondere Rolle. „Zuhören heißt, sich selbst zurückzunehmen“, befand Maio. Medizin heiße nicht nur behandeln, sondern auch begleiten. Man dürfe diese grundlegenden Werte nicht vergessen. Er wünschte dem Hospital zum Abschluss, „mit neuer Fahne den alten Geist neu zu beleben, damit er nicht untergeht“.

Berufliche Veränderung

Dieses Ziel umsetzen möchte Michael Dück, der seit dem 1. Januar der neue stellvertretende ärztliche Direktor ist. Er folgt damit auf Eberhardt Schneider, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Agnes Acs an der Querflöte und Adeline de Lange am Klavier.

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