Neu-Lohn: Förderverein will Umgestaltung um Kirche St. Silvester

Förderverein stellt Entwürfe vor : Ein neues Dorfzentrum für Umsiedlungsort Neu-Lohn

„Wir müssen einen Ort schaffen, wo unsere Wurzeln für nachfolgende Generationen transparent werden“, sagt Thomas Wintz. Er ist der Vorsitzender des Fördervereins „50 Jahre Umsiedlung Kirchspiel Lohn“, der jetzt in Zusammenarbeit mit Architekturstudenten der RWTH Aachen 18 Entwürfe vorstellt, wie solch eine Erinnerungsstätte in Zukunft aussehen könnte.

Unter dem Motto „Gestern Heute Morgen“ haben die Studenten Vorschläge erarbeitet, wie der zentrale Dorfplatzes rund um die Kirche St. Silvester künftig gestaltet werden könnte. Besonders wichtig war in allen Entwürfen eine gewisse Freiraumqualität und die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Außerdem haben die Verantwortlichen den Studenten von Professor Frank Lohrberg vorgegeben, „die kulturell-historische Entwicklung des Ortes in lebendiger Erinnerung zu halten.“

Das bedeutet: Die Braunkohle in ihren verschiedenen Aspekten spielt eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sollte aber auch die Energiewende als Thema aufgenommen werden.

Die meisten Entwürfe sehen aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen eine Aufteilung in mehrere Bereiche vor. Zum Beispiel könnte das so aussehen: Auf dem Areal finden Einwohner einen Lehrbereich, einen aktiven und einen ruhigen Bereich sowie einen Event- und einen Naturbereich. Zu lesen sind Schlagworte wie „aktiver Treffpunkt“, „Mehrgenerationenangebote“, „Aufenthaltsqualität“ und „abwechslungsreiches Angebot“.

Über die zahlreichen Ideen freute sich nicht nur Wintz. Auch Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter der Stadt, lobte die Initiative aus dem Ort heraus. „Es ist gut, die Studenten auch mal positiv spinnen zu lassen. Als erstes muss man ja kreativ sein.“ Welche Entwürfe konkret umsetzbar seien, müsste noch geprüft werden, aber die Vielfalt der Ideen sei toll. „Es ist schön, dass auch die Wünsche der Bevölkerung berücksichtigt werden, da sollte man nicht dran vorbeigehen“, betonte Gödde. Es sei ein schöner Ansatz, sich „von unten heraus“ zu engagieren.

Thomas Wintz (l.) und Matthias Schmitz freuen sich über die Vorschläge zur Umgestaltung des Dorfplatzes. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Der Ursprungsgedanke des neuen Dorfplatzes ist übrigens nicht erst vor Kurzem aufgekommen, wie Matthias Schmitz berichtet. Der Geschäftsführer des Fördervereins sagt: „Es hat vor zehn Jahren schon ein erstes Konzept gegeben, das aus dem Workshop ‚Unser Dorf soll schöner werden’ entstanden ist. Das haben wir den Studierenden als Grundlage gegeben, die dieses jetzt unter neueren städtebaulichen Aspekten aufarbeiten.“

In fast allen Konzepten findet man zum Beispiel einen Spielplatz, um den Mehrgenerationenaspekt zu stärken. Auch die Mobilität spielt eine große Rolle. So gibt es neue Gestaltungen für die Bushaltestelle, die Idee einer E-Bike-Ladestation und den Vorschlag eines Carsharing-Parkplatzes. Auf diesem würde ein Auto stehen, was sich jeder Lohner ausleihen könnte. „Warum sollte man den Leuten hier nicht ein gemeinsames Auto zum Einkaufen zur Verfügung stellen, was vielleicht sogar noch elektrisch angetrieben wird?“, fragte Wintz. Er halte es für wichtig, in alle Richtungen zu denken und eben nicht nur an die Vergangenheit der Braunkohle zu erinnern, sondern auch neue Formen der Energie aufzugreifen.

„Wir wollen die Historie, die Wurzeln und die Heimat hier fortsetzen“, betont Wintz. Das sei vor allem für die Einwohner von Bedeutung, die die Umsiedlung gar nicht bewusst wahrgenommen haben, da sie noch zu jung oder sogar noch gar nicht auf der Welt waren. „Auch die Enkel sollen wissen, was damals gewesen ist“, betont Wintz.

Realisierung der Umgestaltung in zwei Jahren

Am Wochenende haben die Bürger die Möglichkeit, sich die Entwürfe anzuschauen und ihre Meinung kundzutun. Danach werten die Mitglieder des Fördervereins die Fragebögen aus und erstellen ein mögliches Konzept. „Wichtig ist dann natürlich die valide Finanzplanung, dazu haben wir fachmännische Unterstützung eines Architekten“, sagt Wintz. Die Realisierung erhofft er sich innerhalb der kommenden zwei Jahre. Dazu müssten dann auch verschiedene Fördertöpfe angezapft werden.

Alle Vereine und Institutionen im Ort sitzen für dieses Vorhaben gemeinsam an einem Tisch. „Alle ziehen mit, und eine intakte Dorfgemeinschaft ist vorhanden“, freuen sich Schmitz und Wintz. Das sind die besten Voraussetzungen, um am Ende einen Entwurf zu erarbeiten, dem alle zustimmen. Dieser muss dann nur noch den Grundstückseigentümern – also der Stadt Eschweiler und der Pfarrgemeinde – vorgelegt werden. Aber Wintz ist sich sicher: „Wir sind ein Musterort für den Umwandlungsprozess und die Energiewende, die Gestaltung des Platzes wird eine spannende Aufgabe.“