Zuhause statt Heim: Netzwerk für Eschweiler Senioren will helfen

Zuhause statt Heim : Netzwerk für Eschweiler Senioren will helfen

Die Zahl der Senioren wächst, immer mehr ältere Menschen leben alleine: Sie sind auf Hilfe angewiesen. Eine Unterbringung in einer Senioreneinrichtung ist teuer. Dem will die Stadt Eschweiler mit dem „Netzwerk Zuhause — Unterbringung im Alter“ begegnen.

Dieses Modellprojekt wird vom Ministerium für Arbeit und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen bis zum 30. November dieses Jahres gefördert, eine Verlängerung soll jedoch erfolgen.

„Die Menschen werden älter“, sagte Dr. Wolfgang Joussen, der das Projekt „Netzwerk Zuhause“ federführend betreut. Er schilderte im Sozial- und Seniorenausschuss verschiedene anonymisierte Beispiele älterer Menschen, die eines verbindet: Sie schaffen es nicht mehr alleine, ihren Alltag zu Hause zu bewältigen, wollen aber im gewohnten Umfeld bleiben.

Die benötigte Unterstützung reicht von der Hilfe bei der Haushaltsführung, die vom sozialen Betreuungsdienst übernommen werden kann, bis hin zu körperlicher Pflege, die ambulante Pflegedienste anbieten. Das Netzwerk steht mit den verschiedenen Anbietern im Kontakt, räumt jedoch ein, dass die Kooperation „unterschiedlich intensiv“ sei.

In der Villa Faensen an der Marienstraße steht seit Monaten ein Raum für Beratungen zur Verfügung. Dort zeigte sich schnell der hohe Bedarf bei den Betroffenen. Die sozialen Betreuungsdienste übernimmt eine examinierte Altenpflegerin und schwanken zwischen kurzen Besuchen einmal in der Woche und mehrstündigen Betreuungen an mehreren Tagen, die auch in die Abendstunden reichen. Um diese Leistungen anbieten zu können, wurde die Genehmigung der Städteregion Aachen eingeholt.

Insgesamt 25 Personen nahmen die sozialen Betreuungen bis Ende Juni dieses Jahres in Anspruch. Zudem fanden über 30 Betreuungsgespräche mit den Betroffenen oder deren Angehörigen statt. In den meisten Fällen übernahmen die Pflegekassen die Kosten. Dieser Weg rechnet sich schließlich: „Durch die Unterstützung im Alltag durch den sozialen Betreuungsdienst konnte für zahlreiche Klienten eine sonst notwendige, kostenintensive, vollstationäre Heimunterbringung vermieden werden“, sagte Joussen.

Dass die Rechnung aufgeht, lässt sich an Zahlen nachweisen. Die Heimunterbringung von 15 Personen verschlinge jährlich 504000 Euro. Im Netzwerk Zuhause nach dem Prinzip „Home statt Heim“ komme man mit deutlich geringeren Kosten hin. Konkret: 186.850 Euro. „Home bedeutet also eine deutliche Einsparung auch für kommunale Haushalte“, betont Wolfgang Joussen. Seine Berechnungen legen zugrunde, dass eine „Vollstationäre Pflege“ durchschnittlich 2800 Euro im Monat verschlingen. Zugleich geht er davon aus, dass 15 Klienten im Jahr durch den sozialen Betreuungsdienst keine vollstationäre Pflege beanspruchen müssen.

So verlockend das Angebot aus finanzieller Sicht auch ist, es hat auch seine Tücken. Da für bestimmte Hilfen lediglich Aufwandsentschädigungen gezahlt werden können, bleibt es problematisch, Ehrenamtler zu finden. Um älteren Menschen den Weg zu Behörden oder zum Arzt zu erleichtern, werden Fahrdienste angeboten. Dies sind jedoch oft an Personenbeförderungsscheine gekoppelt. Nach wie vor stellen sich manche Pflegekassen auch quer, Hilfen zu finanzieren: Die Anerkennung der Angebote richtet sich oft lediglich an den „gesundheitlichen Pflegebedarf“. Dieser spiegele jedoch nicht immer den wirklichen Bedarf wider, hieß es.

Diese Aspekte schrecken die Verantwortlichen nicht ab. Im Gegenteil: Das Netzwerk soll weiter ausgebaut und engmaschiger werden, zumal die Förderung nun verlängert wird. In den vergangenen Monaten hat das Netzwerk die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der Anfragen kontinuierlich stieg. Während das Netzwerk selbst Unterstützung im Haushalt, Begleitung bei Arztbesuchen, Einkäufen oder Behördengängen, Hilfe beim Schriftverkehr und ähnliches anbietet, übernehmen andere Projektpartner darüber hinaus gehende Hilfen.

Ziel bleibt, dass die Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. 79 Prozent der älteren Menschen gaben im Rahmen des Konzeptes „Innnenstadtnahes Wohnen“ der Stadt Eschweiler vor zwei Jahren an, als „gewünschte Sozialform des Wohnens im Alter“ den bisherigen Wohnort zu bevorzugen. „Betreutes Wohnen“ konnte sich immerhin ein Drittel der Befragten vorstellen. Das „Seniorenheim“ schnitt mit 20 Prozent schlechter ab als die „Generationen-Wohngemeinschaft“ (21 Prozent). Eine reine „Senioren-WG“ wünschen sich nur elf Prozent.

www.netzwerkzuhause.de