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Neuer Standort: Nesseler Gruppe sieht ihre Zukunft in Eschweiler

Neuer Standort : Nesseler Gruppe sieht ihre Zukunft in Eschweiler

Die Nesseler Gruppe möchte weiter wachsen und benötigt dafür vor allem eins: Platz. In Eschweiler ist das Unternehmen fündig geworden und schmiedet dort nun ehrgeizige Pläne für die Zukunft.

125.000 Quadratmeter sollen den Weg in die Zukunft ebnen. Die sehen die Verantwortlichen der bis dato in Aachen beheimateten Nessler Gruppe in Eschweiler – zumindest teilweise. Die Firmenzentrale am Indeweg in Aachen wird es weiterhin geben, kündigt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Karl-Peter Arnolds, im Gespräch mit unserer Zeitung an.

Buchstäblich und – angesichts des Bekenntnisses zum Stammsitz – nunmehr auch im übertragenen Sinne nicht umsonst ist der Stammsitz im Stadtteil Brand, der bei der Hochwasserkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 großen Schaden erlitten hatte, innerhalb von einem Jahr und damit in rekordverdächtigem Tempo saniert und modernisiert worden. „Wenn wir das nicht schaffen, wer denn bitte schön sonst?“, fragt Arnolds mit einem Augenzwinkern. Schließlich wirbt das Unternehmen damit, Spezialist „beim Entwickeln und Vermarkten, Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien“ zu sein. Und das seit mehr als 100 Jahren, wie im Internet auf der Startseite zu lesen ist.

In Eschweiler, konkret auf der ehemaligen Tagesanlage des Tagebaus Inden, hat Nesseler Großes vor. Allerdings in mehreren Schritten, wie Karl-Peter Arnolds betont. In einem ersten Schritt sollen auf dem vor Kurzem von RWE erworbenen Grundstück unweit des Kraftwerkes und der Autobahn 4 ein neues Fertigteilwerk gebaut und die Produktion sowie der Bauhof nach Weisweiler verlegt werden. Die alte Anlage an der Sittarder Straße in Aachen-Forst wird dann ausgedient haben. Außerdem sind in Weisweiler auch Bürogebäude geplant, die das derzeit auf mehrere Stellen verteilte Unternehmen in die Lage versetzen sollen, sein Geschäft auf das Stammhaus in Aachen und den dann neuen Standort im Osten des Eschweiler Stadtgebietes zu konzentrieren.

Einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ nimmt Nesseler nach Angaben seines Geschäftsführers dafür in die Hand. Im April will man den Bauantrag bei der Stadt Eschweiler stellen. Und auch der sogenannte BImSchG-Antrag, also der „Antrag nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz für genehmigungsbedürftige Anlagen“, den die Bezirksregierung genehmigen muss, ist laut Arnolds nahezu fertig und wird in wenigen Wochen der Kölner Behörde zugestellt.

Fünf bis sechs Monate Bearbeitungszeit sind bei Nesseler in beiden Fällen angesetzt worden. Danach könnte das Projekt in die Umsetzungsphase gehen, was zunächst einmal, so Karl-Peter Arnolds, mit „riesigen Erdarbeiten“ verbunden wäre, um das Areal für seine eigentliche Bestimmung herzurichten. Sollte alles gut und reibungslos laufen, rechnet der Vorsitzende der Geschäftsführung damit, Anfang 2025 die Produktion im Werk aufnehmen und die neuen Büros beziehen zu können.

Das würde dann auch gut zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens passen, die, wie Arnolds betont, auf Wachstum ausgelegt ist. „Wir wollen die Produktion verdoppeln und neue Sachen machen“, kündigt er an. Und: „Ich glaube, dass das modulare Bauen, also das Bauen in Bauteilen, eine erfolgreiche Zukunft haben wird.“ Das gelte für Beton ebenso wie für andere Werkstoffe. Arnolds spricht von „intelligenten Bauteilen“, in die beispielsweise die Haustechnik integriert werden könne. Dabei habe die Vorfertigung in einem zentralen Werk zahlreiche Vorteile. „Wir können unter geregelten, immer gleichen Bedingungen in einer Halle produzieren“, nennt Arnolds ein Beispiel. „Und deshalb kann man auch besser automatisieren.“

Die dafür erforderliche Modernisierung und Expansion sei an der Sittarder Straße nicht möglich. „Wir haben uns dort durch den Kauf eines Grundstückes vergrößern können. Doch damit sind die Möglichkeiten ausgereizt.“ Außerdem sei das Verhältnis zur Stadt Aachen zuletzt suboptimal gewesen. „Mit dem Bau einer Fahrradstraße vor unserem Standort hat sie nicht den Eindruck vermittelt, dass wir dort auch weiterhin willkommen sind“, setzt Karl-Peter Arnolds einen Seitenhieb in Richtung der dortigen Stadtverwaltung.

In Eschweiler seien die Bedingungen hingegen grundsätzlich anders und deshalb sehr gut. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt und auch mit RWE ist hervorragend“, lobt Arnolds. „Und am Kraftwerk haben wir ein Grundstück gefunden, das hinsichtlich des Platzes und der Verkehrsanbindung genau das bietet, was wir benötigen.“

 Nach dem Neu eines Fertigteilwerkes in Weisweiler will die Nesseler Gruppe ihren Standort an der Sittarder Straße in Aachen-Forst aufgeben.
Nach dem Neu eines Fertigteilwerkes in Weisweiler will die Nesseler Gruppe ihren Standort an der Sittarder Straße in Aachen-Forst aufgeben. Foto: MHA/Michael Grobusch

Die Nesseler Gruppe, deren Ursprünge an der Zweifaller Straße in Stolberg liegen und die lange unter dem Namen Grünzig firmierte, sei in der Region verwurzelt und dort gewachsen. „Außerdem haben wir viele Mitarbeitende, die in der Umgebung wohnen“, unterstreicht Karl-Peter Arnolds den auch unter diesem Gesichtspunkt gegebenen regionalen Bezug.

Dass Nesseler gleichwohl 2018 eine Niederlassung in Frankfurt eröffnet hat, begründet der Geschäftsführer mit den Wachstumsplänen. „Wir haben dort die neue Zentrale des Deutschen Olympischen Sportbundes gebaut“, blickt Arnolds einige Jahre zurück. „Und weil wir unseren Aktionsradius erweitern wollten und das in diesem Fall auch geografisch passte, lag die Eröffnung eines Standortes in Frankfurt nahe.“ Die besagte Erweiterung sei allerdings nur möglich, wenn man Personal vor Ort habe. „Die Zeiten, in denen Mitarbeitende auf Montage entsendet oder für ein, zwei Jahre verschickt wurden, sind vorbei.“

Unweit des Kraftwerkes, auf der ehemaligen Tagesanlage des Tagebaus Inden, hat die Nesseler Gruppe ein 125.000 Quadratmeter großes Grundstück erworben, auf dem sie unter anderem ein neues Fertigteilwerk bauen will.
Unweit des Kraftwerkes, auf der ehemaligen Tagesanlage des Tagebaus Inden, hat die Nesseler Gruppe ein 125.000 Quadratmeter großes Grundstück erworben, auf dem sie unter anderem ein neues Fertigteilwerk bauen will. Foto: MHA/Michael Grobusch

Rund 450 Mitarbeitende zählt die Gruppe derzeit. „Wir planen Wachstum, aber in einem vernünftigen Tempo und einem gesunden Maß“, erklärt Karl-Peter Arnolds, der auf einen 2022 erzielten Jahresumsatz von rund 255 Millionen Euro verweisen kann. Das für das Wachstum benötigte Personal zu finden, gelinge im Ingenieurbereich dank der Kooperation mit RWTH und FH Aachen gut. „Probleme gibt es hingegen manchmal im Handwerkerbereich“, räumt Arnolds ein. Nicht auszuschließen sei, dass sich diese Probleme fortsetzen, zumal mit der Entwicklung neuer Produkte auch neue Berufe in der Gruppe verbunden seien. „Wir benötigen zum Beispiel Schweißer, die hatten wir bisher noch nicht.“

Ein neues Produkt ist unterdessen schon auf dem Markt angekommen. „Wir haben gemeinsam mit der RWTH Aachen eine neuartige Brücke entwickelt, die im Dezember 2022 in Hückelhoven-Brachelen in Betrieb genommen worden ist“, berichtet Arnolds. Aufgrund des modularen Systems habe die Bauzeit von sechs auf drei Monate reduziert werden können. Da liegt die Frage nahe, ob Nesseler nicht auch eine schnelle(re) Lösung für den Ersatz der maroden Haarbachtalbrücke an der A544 in Aachen bieten könne. „Das können wir leider nicht“, lautet die Antwort von Karl-Peter Arnolds, der auf die in diesem Fall zu ausgeprägte Tiefe und Länge des Tals verweist.

An anderer Stelle in Aachen ist das Unternehmen derweil weiterhin sehr aktiv: Im Tuchmacherviertel in Brand wurde vor drei Wochen der zweite Bauabschnitt eingeläutet.

Bis zum ersten Bauabschnitt in eigener Sache in Weisweiler wird es hingegen noch eine Weile dauern. Die Vorfreude aber ist dennoch schon jetzt groß, wie der Geschäftsführer unterstreicht: „Wir sind froh, in der Region bleiben zu können und gleichzeitig einen neuen Standort mit großem Potenzial gefunden zu haben.“