Eschweiler: Nazi-Opfer dem Vergessen entreißen

Eschweiler: Nazi-Opfer dem Vergessen entreißen

Geschichtsarbeit mit Putzmittel und Scheuerschwamm: Freitag — am Tag vor dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht — zogen Judith und FRiedehelm Ebbecke-Bückendorf durch Eschweilers Innenstadt, um überall dort auf die Knie zu sinken, wo in den Boden eingelassene Messingtafeln an das Schicksal hier lebender Juden zur Zeit der Nazidiktatur erinnen.

Als Mitglieder der städtischen Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine gegen das Vergessen“ polierten sie die bisher 28 „Steine“ blitzblank.

Drei von 28 jüdischen Eschweiler Mitbürgern, an deren Schicksal „Stolpersteine“ wie diese erinnern: Karl und Lilli Stern, beide ermordet in Majdanek, und Heymann Goetz, ermordet in Treblinka. Friedehelm Ebbecke-Bückendorf arbeitet derzeit an einem Buch über das Judentum in Eschweiler, das im kommenden Jahr erscheinen wird. Foto: Rudolf Müller

Seit 2008 liegen in Eschweiler derartige „Stolpersteine“. Diese Gedenksteine sind Teil des größten dezentralen Kunstwerks der Welt, geschaffen von dem Künstler Gunter Demnig und vielen hundert Menschen, die in Arbeitskreisen, Vereinen oder als Schulklassen die Geschichte dieser Opfer erforschen.

Seit Helmut Kaleß, der zuvor in der Eschweiler Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Theiler nach Spuren der Verfolgten und Ermordeten gesucht hatte, im Frühjahr 2009 starb, hat Friedehelm Ebbecke-Bückendorf dessen Aufgabe übernommen. „Seitdem versuche ich, den Lebensspuren besonders der jüdischen Eschweiler Bürger nachzugehen, wenn möglich über die Daten hinaus, die notwendig sind, um Stolpersteine zu verlegen“, sagt der Journalist.

Die umfangreichen Ergebnisse seiner aufwendigen Recherchen sind auf einer „Internetseite gegen das Vergessen“ nachzulesen: www.eschweiler-juden.de. Außerdem arbeitet Friedhelm Ebbecke-Bückendorf derzeit an einem Buch, das die Geschichte und Geschichten des Judentums in Eschweiler dokumentiert und im kommenden Jahr erscheint.

Ebbecke-Bückendorf und seine Frau sind übrigens nicht die einzigen, die sich um die Pflege der Gedenksteine kümmern: Lilo Gröbel reinigt regelmäßig die „Stolpersteine“ in der Marienstraße. Die Frau kennt die Gräuel der Nazizeit als Zeitzeugin: Sie ist über 90 Jahre alt.

(rpm)