Eschweiler: Nach Zufallsfund: Einem Soldatenleben auf der Spur

Eschweiler: Nach Zufallsfund: Einem Soldatenleben auf der Spur

Eigentlich passiert so etwas jeden Tag: Ein Mensch, in diesem Fall eine Eschweilerin thailändischer Abstammung, zieht aus und schmeißt dies, das und jenes zum Müll in den Container. Doch dann passiert vor dem Haus am Talbahnhof mit der Anschrift Bismarckstraße 18 etwas, was definitiv nicht jeden Tag geschieht: Ein Mensch, in diesem Fall der Regisseur und Geschäftsmann Chris G. Maier, kommt vorbei und sieht vier Alben aus dem Müll ragen.

Meyer, der in Stolberg-Büsbach lebt, besieht sich den Fund genauer und stellt fest: Hier hat nicht etwa jemand Schnappschüsse, die eh keiner mehr sehen will, entsorgt — in den vier Bänden steckt ein ganzes Leben. Genauer: das von Ernst Bader, der mal in der Indestadt gelebt hat, bevor sich seine Spuren im Nebel der Geschichte verlieren.

Nun sind es aber nicht x-beliebige Familienfotos, die da mehr oder minder kunstvoll auf dickem Papier mit Deckblatt drapiert worden sind: Die Bilder dokumentieren überwiegend Baders Leben als Marine-Soldat im Zweiten Weltkrieg. Und wie sie in den Besitz der Frau aus der Bismarckstraße gelangt sind, ist mittlerweile ebenfalls klar: Der längst verstorbene Ehemann der Anwohnerin war der Stiefsohn Baders. Das bringt zumindest etwas Licht ins Dunkel. Doch wesentliche biografische Daten sind und bleiben unklar, nicht nur, was den Krieg betrifft. Wann Ernst Bader geboren wurde, wann er gestorben ist und wie er sein Brot verdient hat — noch sind diese und andere Details unbekannt.

Mit Leidenschaft und Engagement versucht Chris G. Maier nun, dem Leben hinter den Fotos auf die Spur zu kommen. Ein Telefongespräch mit dem Stolberger Bürgermeister Tim Grüttemeier hat dem Büsbacher nun einen neuen Weg zum Erreichen seines Ziels bereitet, einen Weg, der über eine (bisher noch nicht terminierte) Ausstellung im Rathaus das Wissen der Betrachter anzapfen soll. Denn, wer weiß: Vielleicht sieht sich ja mal jemand die schwarz-weißen Szenen aus dem Soldaten- und dem Zivilistenleben an, der Ernst Bader noch gekannt hat oder sonst etwas über ihn und seine Familie sagen kann.

Aber es sind nicht nur die Bruchstücke einer Biografie, die da für immer im Müll zu verschwinden drohten. Es geht auch um Zeugnisse der Geschichte, einer von Waffengetöse, massivem Unrecht und umfassenden menschlichen Katastrophen begleiteten Zeit. Die Aufnahmen, die sowohl von professionellen als auch von Amateurfotografen stammen, zeigen zum einen U-Boote, sinkende „feindliche“ Schiffe und andere sichtbare Zeichen des Krieges. Aber nicht nur: Landschaften, zum Beispiel in Norwegen, und beisammen sitzende Soldaten erwecken zumindest den Anschein einer Idylle.

Welcher Bürgermeister zuerst?

Mehr oder minder zufällig in dieses Leben geraten zu sein — das berührt Chris G. Maier stark. Andere mit diesem Leben, dem von Ernst Bader, bekanntzumachen und so vielleicht mehr darüber zu erfahren: Das ist für den gebürtigen Düsseldorfer inzwischen so einer Art von Lebensaufgabe geworden. Eine Frage hat sich ja inzwischen durch die Zusage aus Stolberg geklärt. Nämlich die: „Mal sehen, welcher Bürgermeister sich die Fotos zuerst ins Rathaus holt.“

Wer etwas über das Leben von Ernst Bader weiß, ist herzlich eingeladen, sich mit Chris G. Maier in Verbindung zu setzen. Zu erreichen ist er unter der Rufnummer 02403/8816800.

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