Eschweiler: Nach der Wahl ist wie immer vor der Wahl

Eschweiler: Nach der Wahl ist wie immer vor der Wahl

Der hat doch tatsächlich eine Ecke ab! Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Dem Stimmzettel zur Bundestagswahl fehlt die obere rechte Ecke. Aber wenn Jemand dieser Tage bei Michaela Baader oder Désirée Joußen nachfragt, ob sein Stimmzettel damit ungültig oder sogar gezinkt sei, können die Damen ihn beruhigen: Auch blinde und stark sehbehinderte Menschen sollen am Sonntag den Durchblick haben.

Und damit das so ist, fehlt bei jedem Stimmzettel oben rechts die rechtwinklige Ecke. „Hier kann der blinde oder sehbehinderte Wähler die Schablone anlegen und hat somit eine Orientierung“, erklärt Michaela Baader.

Die Abteilungsleiterin im Rathaus koordiniert mit ihrem Team Urnengänge für die Indestadt und Städteregion, den Land- und Bundestag sowie das EU-Parlament. Die sechs Verwaltungsmitarbeiter haben die Zielgerade bereits im Blick, ab heute sind es nur noch drei Tage bis zur Bundestagswahl am Sonntag.

Ihre Kreuzchen gemacht haben indes schon viele Indestädter: Die Kabinen vor dem Wahlamt im Erdgeschoss des Rathauses werden rege genutzt. „Mittlerweile nutzen viele Leute die Möglichkeit, kommen zum Wahlamt und wählen“, weiß Baader. Das ist möglich, seitdem das Wählerverzeichnis aufgestellt ist, also seit dem 35. Tag vor der Wahl. Das war am Sonntag, 18. August. Seit dem Montag danach darf angekreuzt werden.

Von aktuell 42 210 wahlberechtigten Menschen in Eschweiler haben das bislang 7982 auch schon getan — per Briefwahl. Wie viele Leute bis spätestens Sonntagabend um 18 Uhr wählen gehen werden, steht natürlich noch nicht fest. Bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren hatte die Indestadt 42 132 Wahlberechtigte. Von ihnen gingen 28 307 Frauen und Männer ab 18 Jahren wählen, davon 6799 per Brief. „Das macht eine Wahlbeteiligung von insgesamt 67,19 Prozent“, so Baader.

Die Briefwahl steht bei den Eschweiler Bürgern hoch im Kurs, „sie nehmen stetig zu, sicherlich auch, weil die Möglichkeiten, die Unterlagen zu beantragen, größer geworden sind“, verweist die 40-Jährige auf Online-Anträge (war auf der städtischen Internetseite bis Dienstag möglich) und die elektronische Post. Einfach Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Meldeanschrift durchgeben, fertig. Eine telefonische Antragstellung ist hingegen nicht möglich.

29 Wahllokale im Stadtgebiet

Bei Michaela Bader und Désirée Joußen klingeln zurzeit die Telefone heiß. Die unterschiedlichsten Fragen werden gestellt. Eine Dame möchte wissen, wie ihr Mann seine Stimme abgeben kann. Er liege im Krankenhaus. „Kein Problem“, sagt Joußen. „Die Briefwahlunterlagen können Sie bis spätestens Freitag, 18 Uhr, beantragen. Das muss Ihr Mann allerdings selber machen.“ Gemeinsam mit der Anruferin geht die junge Frau den Wahlscheinantrag durch, der sich auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung befindet. „Ihr Mann muss links unten unterschreiben und in der Mitte rechts.“

Bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung können Wahlscheinanträge auch noch bis zum Wahlsonntag, 15 Uhr, entgegengenommen werden. Danach? „Geht nichts mehr“, sagt Baader und lacht.

Seit dem 12. August ist das Team im Wahlamt für die Vorbereitungen zur Bundestagswahl eingesetzt, „wenn die Wahl vorbei ist, wickeln wir noch die Nacharbeiten ab. Dann kann das Wahlbüro geschlossen werden“. Aber zunächst kommt der große Tag: Sonntag schließen die insgesamt 29 Wahllokale in der Stadt um 18 Uhr.

In Schulen, Festhallen, Jugendheimen und Kindergärten, verteils übers Stadtgebiet, können Wähler ihre Kreuze machen. Im Rathaus gibt es fünf Briefwahlvorstände, „und insgesamt haben wir 272 Personen im Einsatz, zusätzlich 44 im Rathaus“, so Baader. 2240 Erstwähler dürfen dieses Jahr an die Urne, und auf der anderen Seite gibt es auch neue Wahlhelfer, die am Sonntag im Einsatz sind.

Sie haben mit ihrer Einberufung Merkblätter erhalten, in denen alles Wichtige rund um die Wahl steht. Und natürlich sind sie nicht auf sich selbst gestellt. Baader: „Die neuen arbeiten zusammen mit den erfahrenen Wahlhelfern in einem Lokal, so können sie sich besser orientieren.“

Wenn am Sonntag das letzte Wahllokal das Ergebnis festgestellt hat und alle Wahlvorstände ihre Unterlagen im Rathaus abgegeben haben, ist das Team „durch mit der Wahl“. Im Jahr 2009 war das um 21 Uhr. Wenn die restlichen Arbeiten danach abgeschlossen sind, wird das Wahlamt im Laufe der Woche wieder aufgelöst. Aber: Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl, die nächsten Wahlen sind im Mai 2014.