Nach Attacke im Eschweiler Bus kritisiert Fahrer das Warnsystem

Polizei erhält zahlreiche Hinweise : Nach Attacke im Bus: Fahrer kritisiert Warnsystem

Die Fahrt am Morgen des 22. Dezember wird Busfahrer Stefan R. (Name von der Redaktion geändert) nicht so schnell vergessen. Er lenkt den Bus auf der Linie EW3 Richtung Bushof, als er Zeuge eines lautstarken Disputs wird. Nachdem er den Fahrgast ermahnt hat, wird er selbst zum Opfer.

Inzwischen hat er das Krankenhaus wieder verlassen, aber die Ereignisse lassen ihn nicht mehr ruhig schlafen. Ihn quälen nach eigener Aussage nicht nur die Wunden nach den Schlägen und Tritten, sondern auch die Erfahrung, dass ihm niemand geholfen hat, als er am Boden lag.

Der 43 Jahre alte Familienvater hatte Glück im Unglück und kam mit starken Prellungen davon. Er konnte sogar noch die Verfolgung des Täters aufnehmen. Vom Bushof bis zur Marienstraße habe er es geschafft, dann sei er zusammengebrochen und habe danach erst wieder Erinnerungen an das Krankenhaus. „Ich habe versucht, ein Foto mit dem Handy zu machen, aber der Täter hat eine Kapuze übergezogen und ist weitergelaufen“, schildert er.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann, der bei seiner Tat auch noch gefilmt wurde, ungeschoren davon kommt, ist jedoch gering. Die Polizei bestätigt, dass man inzwischen mehrere Zeugen vernommen und deutliche Hinweise auf einen Verdächtigen erhalten habe. Zudem werden die Videoaufnahmen untersucht und die Aufzeichnungen weiterer Kameras ausgewertet.

Inzwischen steht zweifelsfrei fest, was sich im Bus an diesem Morgen kurz nach 8 Uhr ereignet hat. Ein junges Paar war in Streit geraten, ein älterer Mann wollte eingreifen und wurde bedroht. Der 43 Jahre alte Busfahrer wollte schlichten und wurde sofort mit Schlägen und Tritten angegriffen. Der wütende Fahrgast hat daraufhin den Notschalter betätigt und die Tür geöffnet, um davonzulaufen. Dies zeigt auch das Video, das in sozialen Netzwerken kursiert. Im Hintergrund ist eine junge Frau zu hören. Dabei soll es sich um die Begleiterin des Täters handeln, mit der er zunächst in Streit geraten war.

Der Busfahrer kritisiert indirekt auch seinen Arbeitgeber. Als er den Streit im Bus vernommen habe, habe er die Zentrale informiert. Dort soll man ihm gesagt haben, dass er am Bushof warten soll, bis die Polizei eintrifft. „Dies hat mehrere Minuten gedauert, in dieser Zeit hat mich der Mann zusammengeschlagen und ist weggelaufen“, sagt er. Er sei zudem kein Einzelfall, betont er. In Gesprächen mit anderen Kollegen will er erfahren haben, dass die Zahl der Übergriffe auf Busfahrer zugenommen habe. Dazu kann die Polizei jedoch keine haltbaren Angaben machen, da dieser Aspekt statistisch nicht gesondert erfasst wird. Im Polizeipräsidium geht man davon aus, dass nicht alle Straftaten angezeigt werden. Vom zuständigen Verkehrsunternehmen Aseag war am Freitag dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Wie es für Stefan R. weitergeht? „Ich liebe meinen Beruf“, sagt er, „aber nach den Vorfällen schlafe ich kaum und lebe in Angst.“ Er hofft, dass die Sicherheit für Busfahrer erhöht wird. Im Moment ist er noch arbeitsunfähig. Wann er wieder ans Lenkrad eines Busses zurückkehrt, weiß er noch nicht. Noch seien die starken Prellungen nicht verheilt. Aber zurück will er auf jeden Fall. Ohne Angst.

(pan)