Eschweiler: Nach 40 Jahren gibt József Ács am Karfreitag sein Abschiedskonzert

Eschweiler: Nach 40 Jahren gibt József Ács am Karfreitag sein Abschiedskonzert

Das Wort „Abschied“ hört József Ács nun überhaupt nicht gerne. Und dennoch steht im Pfarrbrief der Pfarre St. Peter und Paul, dass der bekannte Musiker an diesem Freitag sein Abschiedskonzert gibt. Nach über 40 Jahren als Kantor der Pfarre.

Und in der Tat: Ács ist 65 Jahre alt und offiziell seit dem 1. Januar in Rente. Nun lädt er zum voraussichtlich letzten Mal zur Musik am Karfreitag ein. Die Reihe hat er selbst vor über 20 Jahren ins Leben gerufen. Und auch wenn es dann doch in gewisser Weise ein Abschiedskonzert ist, kann von Ruhestand rein gar keine Rede sein.

„Als Künstler mache ich natürlich weiter“, sagt József Ács und spricht über Artur Rubinstein, einen berühmten polnischen Pianisten, der noch im Alter von 90 Jahren Konzerte gab. Und so ganz geht er der Pfarre Peter und Paul (noch) nicht verloren. Der Kirchenchor setzte sich dafür ein, dass er ein weiteres Jahr von Ács geleitet wird. Man einigte sich und so arbeiten beide Seiten weiter zusammen. Derzeit kann sich József Ács nicht vorstellen, dass er den Chor auch im Jahr 2015 noch leitet. Das tägliche Geschäft jedoch, hat Franz Surges übernommen.

„Großes Glück“

Im Jahr 1976 gewann József Ács den Beethoven-Klavierwettbewerb in Bonn, und vielleicht hätte er auch so richtig Karriere machen können. „Da waren schon einige Agenten damals“, erinnert er sich. Der siebenfache Vater hatte zu der Zeit aber bereits fünf Kinder. Beruflich auf Tournee gehen, kam da für ihn nicht infrage. Sechs Jahre lang war er mit den Kindern alleine, dann hatte er — wie er sagt — „großes Glück.“ Violetta Palatinus Ács trat in sein Leben. Sie sind bis heute verheiratet. Die beiden verbindet auch die große Leidenschaft zur Musik, ab und zu stehen sie gemeinsam auf der Bühne.

Im Jahr 1982 wurde die Franz-Liszt-Gesellschaft gegründet, deren musikalischer Leiter József Ács ist — und es auch bleibt. „Für Konzerte und sonstige künstlerische Tätigkeiten bin ich jederzeit offen“, sagt der Pianist, der gleich drei Diplome vorweisen kann: in Kirchenmusik, Orgel und Klavier. Pfarrer Dr. Andreas Frick ließ bereits durchblicken, dass er sich eine weitere Zusammenarbeit wünscht.

Über einen leeren Terminkalender kann er sich im ersten Jahr seines Ruhestands nicht beklagen. So spielt er am 2. Mai ab 20 Uhr im Aachener Suermondt-Museum, und am 10. Mai steht gar die nächste Welturaufführung an.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ács beteiligt ist, wenn in der Region Musikgeschichte geschrieben wird. Im Oktober des Jahres 2007 kam es in der Hauptpfarrkirche der Indestadt zur Uraufführung der von Ács in Rom gefundenen und bearbeiteten vatikanischen Version von Franz Liszts Graner Festmesse. Diese trat dann als Projekt der Eschweiler Franz-Liszt-Gesellschaft ihren Siegeszug von Eschweiler über Salzburg und Budapest bis nach Rom an.

Und am Karfreitag des Vorjahres gab es die deutsche Erstaufführung des Requiems von Ruggero Leoncavallo (1857-1919). Bis zu diesem Zeitpunkt war das von József Ács rekonstruierte Werk erst in Leoncavallos Wahlheimat Schweiz und Ács‘ Geburtsland Ungarn erklungen. Vor einem Jahr wurde die Fassung für gemischten Chor, Soli und kleines Orchester in St. Peter und Paul uraufgeführt, und schon damals arbeitete József Ács an der Fassung für die große Chorbesetzung.

Genau diese wird zum ersten Mal überhaupt am Samstag, 10. Mai, aufgeführt und zwar in der Kirche St. Michael in Aachen. Los geht es um 19 Uhr. Zudem wird József Ács Konzerte in der Kölner Philharmonie geben, drei weitere unter anderem in Neapel.

Übung macht den Meister

Für Ács ist klar, dass er sich künftig verstärkt dem Klavierspielen widmet, und das erfordert vor allem eines: ganz viel Übung. „Ich spiele alles auswendig. Klavier ist viel aufwendiger als Orgel“, sagt der Pianist, der rund sechs bis sieben Stunden täglich vor seinem Instrument verbringt. Übung macht eben den Meister.

Auf Musik hören, oder gar Konzerte besuchen, hat József Ács nach so vielen Stunden, die er ohnehin selbst musiziert, in seiner Freizeit verständlicherweise oft nicht viel Lust. Auch, wenn er sagt, dass es heutzutage sehr viele gute Pianisten gebe. Das allgemeine Niveau sei heute höher als früher. Allerdings gebe es auch weniger Persönlichkeiten.

Mit seinem Ruhestand muss die Familie Ács nun auch das Haus an der Dürener Straße verlassen, weil es eine Dienstwohnung war. Von seiner angestammten Pfarrkirche entfernt er sich damit natürlich alleine schon räumlich doch ein gutes Stück.

Musiksalon für Hauskonzerte

Die neue Heimat von József Ács und seiner Frau wird Hastenrath sein, und der Pianist hat schon einige Pläne, was er musikalisch dort auf die Beine stellen kann. So denkt er an einen kleinen Musiksalon für Hauskonzerte.

Die Eschweiler Bürger werden József Ács sicherlich auch in seiner Heimatstadt noch einige Male hören. Unter anderem steht bereits ein besonderes Konzert am 1. Advent fest. Dann gibt es ein Opernkonzert im neuen Restaurant am Blausteinsee mit Sängern des Theaters Aachen. Ein weiterer Auftritt ist im November im Talbahnhof geplant. Von Abschied kann da tatsächlich nicht wirklich die Rede sein...

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