Eschweiler: Musical: Auf der Suche nach dem Platz im Leben

Eschweiler: Musical: Auf der Suche nach dem Platz im Leben

„Die Nacht am See “, so heißt das Musical der Oberstufenschüler und -schülerinnen des Städtischen Gymnasiums Eschweiler, das am Sonntag um 18 Uhr, und am Montag um 20 Uhr, aufgeführt wird. Geschrieben wurde es von der 20-jährigen Tabea Naeven, die 2015 an der Schule ihr Abitur absolvierte. Jetzt studiert die gebürtige Eschweilerin in Münster Musik und Mathematik auf Lehramt.

Das Musical handelt von vier Jugendlichen im Alter von 16 bis 20, die versuchen, ihren Platz im Leben und in der Berufswelt zu finden. Oberstufenschülerin Juliana Langen hat mit Naeven über die Motivation gesprochen ein Musical zu schreiben.

Wie bist du zur Musik und zum Schreiben gekommen?

Naeven: Ich war in der musikalischen Früherziehug bei uns im Dorf. Mit sechs Jahren habe ich angefangen, Klavierunterricht zu nehmen. Ich wollte, glaube ich, auch Klavier spielen, aber natürlich haben meine Eltern mich auch dazu gebracht, was in dem Alter ja klar ist. Den Unterricht habe ich dann acht Jahre lang genommen. Mit Chorgesang in Kontakt gekommen bin ich das erste Mal, als ich in der sechsten Klasse in den Schulchor gekommen bin. Seit ich 2012 dem Jugendchor Laut-stark in Weisweiler beigetreten bin, habe ich mich insgesamt in Chormusik verliebt. Das erste, was ich also in Münster vor meinem ersten Studientag gemacht habe, ist einen Chor zu suchen. Wirklich selbst etwas schreiben tu ich, seit ich zehn oder elf bin.

Wann ist das Musical entstanden?

Naeven: Das älteste Lied aus dem Musical ist von 2012. Man kann sich seinen eigenen Teil dazu denken, welches das ist, wenn man das Musical gesehen hat. Aber das erste Lied, bei dem ich wirklich dachte: “Hey, das hat Musicalpotenzial!” war von 2014. Da habe ich das Lied “Fliegen” geschrieben und da dachte ich: Das ist zwar schon authentisch in Bezug auf eigene Erlebnisse, aber Nichts, was in ein Bühnenprogramm passen würde. Das passt nicht zu meinem anderen Zeug. Das klingt nach einem Charakter. Dann dachte ich: Wieso machst du nicht noch mehr von diesem Charakter?

Das Musical war ja noch nicht fertig, als du auf das Städtische Gymnasium zugekommen bist, um über eine Aufführung zu sprechen. Hast du noch alles einfließen lassen können, was du wolltest?

Naeven: Das ging schon. Das finale Lied war noch nicht ganz fertig, ich wusste zwar genau, was jeder Charakter sagen sollte, aber das ist ja textlich dann doch sehr klar strukturiert. Die Umsetzung davon — das in die richtige Form mit der richtigen Melodie in der richtigen Höhe - das war ein Krampf. Das hat Monate gedauert. Sowohl „Studenten der RWTH“ als auch „Beeindruckend schlecht“ sind komplett entstanden, nachdem wir uns getroffen hatten, weil ich dachte, da muss noch mehr Spaß rein. An einer Stelle im Musical wollte ich auch ein Statement abgeben zur Ehe für alle, die es, als ich das schrieb, noch nicht gab. Da musste ich später dann eine Streitszene noch etwas umschreiben, aber ich glaube das hat ganz gut funktioniert.

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekomen, ein komplettes Musical zu schreiben?

Naeven: Der erste Gedanke war wie gesagt dieses Lied, das einen Charakter brauchte. Und dann dachte ich, ohne Handlung ist das ja auch doof. Zu dieser Zeit stand ich ja selbst ein Jahr vor meinem Abi, jetzt stehe ich zweieinhalb Jahre im Studium. Das ist genau die Zeitspanne, die die Erlebnisse im Musical umfassen. Genau diese hab ich in der Zeit des Schreibens durchlebt. Dementsprechend alles oft wieder umgeworfen, neu strukturiert, Charaktere rausgeschmissen, ausgetauscht und verändert. Die Inspiration dazu war, zu überlegen: Was habe ich denn an mir und vor allem auch an Freunden und Leuten, die mich umgeben für verschiedene Sichtweisen auf die Zukunft — was für Ängste, was für Hoffnungen gibt es da?

Sind die Charaktere autobiografisch, oder könnte das jeder von uns sein?

Naeven: Ein bisschen jeder. Ich habe versucht, es allgemein zu halten, denn wie es wirklich drinnen aussieht, weiß ich nur bei mir, aber man kennt ja die Leute und Geschichten um einen herum ganz gut und nimmt von da natürlich auch Inspiration. Aber dann habe ich doch versucht, recht allgemein zu beschreiben, was in einem Jugendlichen, der nach dem Abitur steht, vor sich geht.

Gibt es Geschichten in dem Musical, die dir so oder annähernd so wirklich passiert sind?

Naeven: Ob ich mich jetzt nachts schonmal rausgeschlichen habe? Man weiß es nicht... Aber nein, ich habe mich nicht zum See rausgeschlichen, zumindest nicht zum Blausteinsee. Was ich immer hatte, war ein Ferienlager in Schweden, wo wir auch direkt am See waren und nachts an einem See zu sitzen hat immer etwas Magisches. Vor allem, wenn der See ganz ruhig liegt und sich der Vollmond und die Bäume perfekt spiegeln. Da kommen ganz andere Gespräche zustande. Und ich glaube auch, dass das da reingewirkt hat.

Abschließend noch: Was erhoffst du dir von deiner Zukunft und vor allem auch von diesem Musical?

Naeven: Von dem Musical erhoffe ich mir, dass wir daran ganz klischeehaft einfach Spaß haben und uns so richtig in die Charaktere reinleben. Für mich fühlt es sich etwas merkwürdig an, dass nun Figuren auf der Bühne zum Leben erweckt werden, die ich vier Jahre lang nur im Kopf hatte. Die Leistungen, die die Schüler auf der Bühne zeigen, haben mich beeindruckt. Ansonsten würde ich gerne mehr Kleinkunst machen. Ich habe durch die Aufführung hier in Eschweiler aber auch gemerkt, dass es mir fast noch mehr Spaß macht, im Hintergrund zu stehen. Bestimmt kommt in zehn Jahren oder so auch noch einmal ein Musical. Generell hoffe, mit „Die Nacht am See” auch in Zukunft zufrieden zu sein, denn das ist oft das Schwierigste.„ “

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