Eschweiler: Mundart-Export feiert 30. Geburtstag

Eschweiler: Mundart-Export feiert 30. Geburtstag

Ihr Vorbild sind, na klar, die Bläck Fööss. Die Kölner Mundartgruppe war schließlich Grund dafür, dass junge Männer in der KG Lustigen Reserve auf die Idee kamen, bekannte Lieder aus der Neuen Deutschen Welle in Eischwiele Platt zu präsentieren. Als Parodie auf der Karnevalsbühne. Diese ersten Akkorde liegen nun drei Jahrzehnte zurück. Inzwischen gehören De Kröetsch zu Eschweiler wie die Inde.

Mit einem großen Jubiläumskonzert am Freitag, 19. April, wollen sie an die vergangenen, durchaus erfolgreichen Jahrzehnte erinnern.

Wenn Harald Weiland, den alle nur Hucky nennen, und Günther Secker über ihre musikalischen Anfänge sprechen, dann schmunzeln sie. Sie sind die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder, die Gesichter der Band. „Mit Musik hatte das damals noch nicht wirklich was zu tun“, erzählen sie.

Hucky war Kinderpräsident der Lustigen Reserve, Günther stand in der Bütt. Gemeinsam wollten sie mit einigen Freunden die Bühnen als Band erobern. „Drei Jahre später waren wir eine richtige Band“, sagt Hucky Weiland. Der „erste kleine“ Durchbruch gelang 1984. De Kröetsch durften auf der Prinzenproklamation von Hans-Peter Schnitzler (Prinz Hans-Peter II.) auftreten. Die zarte Pflanze bekam dadurch reichlich Dünger.

Wurzeln in Röthgen

So manchen Hit verdankt die Eischwiele Fastelovendsszene der sympathischen Band, die ihre Wurzeln im Stadtteil Röthgen hat. Das war am Anfang auch im Namen zu lesen, denn in den ersten Jahren nannte sich das Quintett De Röetche Kröetsch, also die Röthgener Frösche in Anlehnung an die grün-weiße Uniform der Reserve. Ihre ersten Studioerfahrungen sammelten die fünf Musiker im Jahr 1988. Die Kassette (!) unter dem Titel „De 5de Joareszick“ hat heute Seltenheitswert. Auf dem Cover stehen Hucky Weiland, Günther Secker, Andreas Hinzen, Dieter Heck und Uwe Weiland vor einem Eschweiler Ortseingangsschild mit der Unterzeile „Zollgrenzbezirk“. Auch das gab es damals noch.

Auf dem ersten Tonträger befindet sich auch das bekannte „De Stadt erop, de Stadt erav“. Zahlreiche Hits der Eischwiele Fastelovend folgten, dann allerdings auf CD: „Ömmesöns“, „Mallorca“ und „Loss et Dir jot jonn“. Welche musikalische Qualität in der Truppe steckt, bemerkte man auch in der Karnevalshochburg Köln. Drei Mal gewannen De Kröetsch bei der Närrischen Hitparade im WDR. „Lisbeth“, „Spaß em Levve“ und „Zom Fiere jebore“ lauten die Titel der Siegerlieder. An ihnen merkt man auch die Öffnung für die Domstadt, denn das Eischwiele Platt wurde teilweise verlassen.

Dass die Gruppe aber nicht endgültig in der Domstadt durchstartete, ist der Tatsache geschuldet, dass sie ihre Heimat Eschweiler nie verleugneten. Im Gegenteil: Auch im Kölner Gürzenich treten De Kröetsch als Eschweiler Mundartgruppe auf. Das gefällt nicht jedem Literaten in Köln. „Wir lassen uns aber nicht ganz verbiegen“, betont Hucky Weiland.

Das Lied „Hallo Leo“ zeigt, dass Freud‘ und Leid auch im Eschweiler Karneval dicht beieinander liegen: Das Stück verbreitete über Jahre hinweg Party-Stimmung bei den Zuhörern, es war aber auch eng mit Hans-Günter Meyer verbunden, der im vergangenen Sommer im Alter von nur 48 Jahren starb. „Leo“ Meyer war in der erfolgreichen Zeit Bassist der Band und blieb auch nach seiner aktiven Zeit Mitglied der „Kröetsch-Familie“.

Die Geschichte der Kröetsch geht noch weiter. Aber zunächst blicken die Fünf zurück — auf drei erfolgreiche Jahrzehnte, in der denen sie zu einem Aushängeschild der Eischwiele Fastelovend wurden. Warum das so ist, kann man am 19. April hören.

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