Eschweiler/Kapstadt: Mit Schal und dicker Jacke im eisigen Südafrika

Eschweiler/Kapstadt: Mit Schal und dicker Jacke im eisigen Südafrika

Seit fast einem Jahr ist Katharina Sommer in Südafrika. In Camphill, etliche Kilometer nördlich der Metropole Kapstadt, verbringt die junge Dürwisserin ein freiwilliges soziales Jahr. Ihr derzeitiges Zuhause: eine Farm, die von Behinderten bewirtschaftet wird. Hier lebt Katharina Sommer zusammen mit Behinderten unterschiedlichsten Alters — und ist in ein strenges Arbeitsprogramm eingebunden.

Sponsoren wie der Lions-Club Eschweiler Ascvilare, Freunde und Familie machten es möglich, dass die weltoffene junge Frau in Südafrika nicht nur Bedürftigen helfen, sondern auch Erfahrungen sammeln kann, die hierzulande nur wenigen zuteil werden und ihr einen etwas anderen Blick auf die Welt und ihre Menschen ermöglichen.

Am 18. September endet ihr Einsatz in Camphill. Jetzt, kurz vor dem Ende ihres sozialen Jahres, erstattet Katharina Sommer unseren Lesern und ihren Sponsoren noch einmal Bericht:

Zeit für Entdeckungen

Liebe Spender, Freunde und Familie,

lange schon habt ihr nichts mehr von mir gehört, und da sich mein Jahr hier in Südafrika auch schon bald dem Ende zuneigt, möchte ich nun die letzten Monate hier für euch Revue passieren lassen.

Ich lebe immer noch in Acacia Haus, jedoch seit letzter Woche nur noch mit sieben Residenten. Meine Arbeit hier im Village hat sich auch nicht großartig verändert — ich arbeite noch immer in der Dairy, wo wir auch weiterhin fleißig Joghurt, Quark und Käse herstellen. Mein Freund Raphael ist ebenfalls dort beschäftigt (er ist wie ich ein Freiwilliger und kommt aus Stuttgart).

Im März hatte ich zum ersten Mal Urlaub hier und bin mit zwei Freundinnen (auch Freiwillige hier) von Kapstadt aus die Garden Route entlang bis nach Coffee Bay hoch gefahren. Mit unserem Leihwagen ging es in wunderschöne Orte wie Knysna, Wilderness und Jeffreys Bay, wo wir an weißen Stränden relaxen und schwimmen konnten.

Gemeinsam am Strand

In Oudtshoorn besuchten wir eine Straußenfarm und nahe Port Elizabeth den großen Addo Elefanten-Nationalpark, in dem neben anderen Tieren über 400 Elefanten leben. Diese zwei Wochen waren sehr erholsam, abwechslungsreich, und wir lernten endlich mal mehr von diesem außergewöhnlichen Land kennen.

Zurück auf der Farm ging dann mein Leben dort wieder seinen normalen Gang — morgens um 6 Uhr aufstehen und für alle Residenten im Haus Frühstück zubereiten, zur Dairy gehen und dort arbeiten und abends wieder essen und den Residenten helfen …

Da unser Bakkie (unser Auto von allen Freiwilligen hier ) wieder repariert worden war, konnten wir auch Dinge außerhalb der Farm unternehmen; so besuchten wir den Zoo und das Reptilienhaus in Kapstadt und machten eine Weinprobe in der Weinregion. Inzwischen hatte ich auch schon mehrere Off-Weekends, an denen wir etwas mit anderen Freiwilligen in der Umgebung hier unternehmen können.

An einem solchen Off-Weekend hatten alle 15 Freiwilligen, die hier im Camphill Village arbeiten, zusammen frei bekommen, und so mieteten wir an einem Strand in der Nähe von Kapstadt eine große Villa. Aus unserem Wohnzimmer hatten wir einen tollen Blick auf den Strand und das Meer und abends wurde ein Barbecue gemacht…Dies war ein super witziges Wochenende mit viel Spaß, wo wir alle mal gut abschalten konnten.

Spätzle und Reibekuchen

An einem anderen freien Wochenende war ich mit zwei Freundinnen in Mossel Bay tauchen, und da es Laura und mir so gut gefallen hat, haben wir in den darauffolgenden Wochen sogar unseren Tauchschein gemacht. Nun dürfen wir bis zu 18 Metern tief tauchen.

Da es seit Monaten hier Winter ist, wurde unser großer Markt, der jeden ersten Sonntag im Monat stattfindet, nun in eine Halle hier auf der Farm verlegt. Nach wie vor ist dieser Tag aber immer besonders schön mit Live-Musik und vielen Belustigungen für die Kinder. Es herrscht eine tolle Atmosphäre, und alle Leute sind glücklich.

In meinem Haus ist alles wie immer. Meine Hausmutter hatte letzte Woche frei und dann wurde auch noch meine Köchin krank. Deshalb musste ich dann um 10 Uhr aus der Dairy nach Hause kommen und für mein Haus kochen. Aber da ich hier gut kochen gelernt habe und nun verschiedenste Gerichte kann, war das nicht so schlimm. Am liebsten koche ich deutsche Gerichte für uns wie Spätzle und Reibekuchen.

Schnee auf den Bergen

Um ehrlich zu sein hätte ich auch nichts gegen ein bisschen mehr Wärme momentan. Wir hatten einen sehr heißen Sommer hier mit bis zu 48 Grad Celsius. Aber jetzt haben wir einen sehr kalten Winter. Fast jede Nacht friert es, und wenn ich morgens zur Arbeit gehe (die Dairy ist 10 Minuten Fußweg von meinem Haus entfernt), sehe ich Raureif auf unseren Feldern.

Auf den Bergen liegt sogar ab und zu Schnee. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, weil Afrika und Schnee und Kälte einfach nicht zusammenpassen. In meiner Freizeit sitze ich in meinem beheizten Zimmer mit Mütze, Schal, dicker Jacke und gefütterten Hausschuhen. Aber Gott sei Dank haben wir im Wohnzimmer einen riesigen Kamin, in dem entweder ich oder Sylvia jeden Tag ein großes Feuer anmachen.

Unvergessliches Jahr

Seit Anfang Juli sind wir nur noch zu neun Freiwilligen hier auf der Farm, und letzte Woche sind davon nochmal fünf nach Hause zurückgeflogen (auch mein Freund Raphael). Weil wir nun nur noch so wenige Freiwillige hier sind, müssen wir auch in den anderen Häusern bei den Residenten aushelfen und jede Menge Arbeit mehr erledigen. In der Dairy fehlt mir Raphael nun natürlich auch…

Da jetzt schon so viele junge Helfer abgereist sind, denke auch ich langsam an Zuhause.

Der Abschied von meinen Residenten wird mir sicher nicht leicht fallen. Ich habe sie alle sehr ins Herz geschlossen und manche haben schon geweint, als ich nur in Urlaub gefahren bin. Auch alle anderen Mitarbeiter hier werden mir fehlen. Wir hatten ein sehr intensives und unvergessliches Jahr zusammen. Für diese einmalige Erfahrung hier in diesem wundervollen Land bin ich sehr dankbar.

Euch allen, die durch Spenden dazu beigetragen haben, dass ich dieses Jahr hier so erleben durfte, sage ich noch einmal von Herzen „Danke“.

Viele Grüße aus dem kalten Südafrika — Eure Katharina