Eschweiler: Mit der Gitarre mutiert Sibun zum Derwisch

Eschweiler: Mit der Gitarre mutiert Sibun zum Derwisch

Innes Sibun wirkt wie ein recht freundlicher Herr von nebenan. Drückt man ihm jedoch eine elektrische Gitarre in die Hand, mutiert er zum Derwisch. Dann hüpft er wild über die Bühne, kreischt vor Verzückung ins Mikro und verwandelt seine Frisur innerhalb von Minuten in ein schweißtriefendes Etwas.

Genau davon überzeugten sich jetzt die Gäste von „Blues meets Rock” im Kulturzentrum Talbahnhof, wo Innes Sibun mit seiner Band gut zweieinhalb Stunden für das bislang beste Konzert der Reihe in diesem Jahr sorgte.

Das wohltuend abwechslungsreiche Programm basierte auf der Tatsache, dass Innes Sibun auf Tastenmann Tim Blackmore am E-Piano und an der Hammond-Orgel baut. Das mischt sich bestens mit den Gitarrensounds. Wo andere Bluesbands sich mit dreieinhalb Akkorden zufrieden geben, bauen die Mitspieler um Innes Sibun gekonnt gefällige Jazz-Harmonien ein, auch das ist unter Blues-Puristen eher selten zu hören.

Mit viel Zwischenapplaus bedachten die Fans die Gitarrensoli, die eher an einem stimmigen, dichten Gesamtklang orientiert sind, als an prahlerischen Präzisionsläufen. Mit einem extralangen Instrumentenkabel ausgestattet, hob Innes Sibun zwischendurch die Distanz zum Publikum auf und mischte sich gitarrespielend ins Auditorium, während Steve Hall am Bass und Robbie Brian am Schlagzeug die Stellung auf der Bühne hielten.

Mit dem Kontakt zur Blues-Basis hat die Band ebenfalls kein Problem: Howlin Wolfs „Killing Floor” ist zwar ein alter Bluesklassiker, wie das Quartett diesen Song allerdings wiederbelebte und neuinterpretierte, das war schon ein Höhepunkt des ersten Konzertteils.

Eines der großen Vorbilder Sibuns ist der Ire Rory Gallagher. Ihm widmet er bei seinen Konzerten stets ein paar Dankesworte und mindestens eine Komposition, die an den 1995 verstorbenen Virtuosen erinnert.

Zudem kann der geneigte Zuhörer Hommagen an Led Zeppelin erkennen. Sibun hat einige Zeit mit Robert Plant gemeinsam gespielt. Das hörte man deutlich in den langsamen Bluessongs, die auch einem Jimmy Page zur Ehre gereichen.

Schließlich war da noch ein unvermeidliches Kurz-Set mit zwei Kompositionen von Altmeister Jimmy Hendrix. Gewiefte Musik-Statistiker könnten meinen, das „Hey Joe” im Talbahnhof übers Jahr gerechnet öfter erklingt, als der „Larridah” während einer gesamten Karnevals-Session. Aber das ist nur Theorie. Zum Anfassen, mitreißend und abwechslungsreich hingegen war das Konzert mit einem blendend aufgelegten Innes Sibun und seiner Band.