Eschweiler: Michael Lee Firkins zu Gast bei „Blues meets Rock“

Eschweiler : Michael Lee Firkins zu Gast bei „Blues meets Rock“

Mit Michael Lee Firkins und seinem Trio war am Montag einer der seltenen Gäste bei „Blues meets Rock“, der für musikalische Vielfalt und Abwechslung steht. Der Mann aus Nebraska ist Sohn eines Lap-Steel-Gitarristen, während seine Mutter dem Piano frönte.

Vielleicht kommt es daher, dass Firkins überraschend viele Stile beherrscht und dazu noch eine passable Gesangsstimme sein eigen nennt. Seit 1990 legte der Autodidakt insgesamt sieben Alben auf, während er zusätzlich auch als gefragter Gitarrenlehrer durch die Weltgeschichte reist.

Mehr Aufmerksamkeit

Zu Beginn seines Konzertes im „Rio“ in der Schnellengasse zauberte Michael Lee Firkins zunächst mal eine fast zehnminütige Ballade hin, in die er seine typischen, leicht nach Hawaii-Gitarre klingenden Riffs einbaute. Im Gegensatz zu seinem letztjährigen Auftritt in Eschweiler, wo er mit seiner Band das gesamte erste Set recht rockig gestaltete, verlangte er diesmal dem Publikum zu Beginn ein wenig mehr Aufmerksamkeit ab. Eher aus dem Jazz stammende Skalen und lange Zeit unaufgelöste Akkordfolgen sind vielleicht nicht jedermanns Sache im Bluesrock.

Sie beweisen aber, das sich Firkins nur ungern auf eine musikalische Form festlegt. Ab der dritten Nummer wurde es dann doch etwas gefälliger. Mit Jimi Hendrix unverwüstlichem Klassiker „Hey Joe“ kann man eigentlich nichts falsch machen, vor allem, wenn er so locker und leicht interpretiert wird,wie vom 51-jährigen Gitarrenkünstler aus Omaha. Spätestens da hatte Firkins das Publikum voll auf seiner Seite.

Für US-Bands ist es nach wie vor ungewohnt, wenn in unseren heimischen Clubs die Leute auch an einem trüben Wochenanfang aufmerksam zuhören, statt sich selbst lautstark zu feiern und die Jungs auf der Bühne bestenfalls als Party-Hintergrund zu begreifen. Dafür bedankte sich Firkins sehr aufrichtig beim Eschweiler Publikum. Das Konzert im „Rio“ war für ihn und seine Kollegen der zweite Gig einer etwas ausgedehnteren Tour durch Europa. Bekannt und geschätzt ist Michael Lee Firkins für seine Slide-Technik, die er in Voodoo-Chile, einer weiteren Hendrix-Komposition prächtig demonstrierte.

Noch eine Spur abgefahrener war am Montagabend allerdings seine Version von Henry Mancinis Film-Titelsong aus „The Pink Panther“. Aus dem eingängigen Thema schuf er eine Art Jazz-Rock-Einheit, die sehr gut ankam. Auch wenn es um Hochgeschwindigkeits-Countryrock à la Greg Koch geht, braucht sich Firkins nicht zu verstecken. Zum Schluss des gut zweistündigen Auftrittes ließ er dann doch noch den hyperschnellen Gitarren-Helden raushängen, erinnerte zwischendurch mit kurzen Fragmenten an das Spiel eines Jeff Beck, nur um kurz danach mit einer erdigen Bluesrock-Slide-Nummer das Publikum wieder auf den Boden zu holen.

Und Humor hat der Mann auch noch. Seine Version des Beatles-Songs „Come Together“ zeugte davon, dass da jemand auf der Bühne stand, der Altbekanntes und Bewährtes nicht nur lieblos nachklimpert, sondern auf seine ganz eigene Weise hochinteressant interpretieren kann. Das Publikum im „Rio“ war jedenfalls zum zweiten Male tief beeindruckt vom Michael Lee Firkins-Trio.

(psi)
Mehr von Aachener Zeitung